Eines vorweg: Ich bin großer Fan der Spielereihe, also etwas voreingenommen.
Nach dem ersten Trailer war mir klar, daß dieser Film entweder verdammt unterhaltsam, oder verdammt schlecht werden würde. Leider trifft keine der beiden Möglichkeiten zu, der Film ist einfach nur "okay". Hätte man einen fähigen Regisseur an Bord geholt, und das Skript noch etwas überarbeitet... der Film hätte in die Fußstapfen der Indy-Serie treten können! Leider ist aber Simon West kein fähiger Regisseur. Die ruhigeren Passagen im Film ziehen sich teilweise wie Kaugummi, und den durchaus schön anzusehenden Actionsequenzen fehlt durch die unmotivierte Technomusik im Hintergrund leider die nötige Rasanz. Der Soundtrack ist überhaupt sehr unmotiviert und stellenweise unpassend. Ständig habe ich mir in Gedanken die Musik aus dem Spiel, und besonders das (bekannte?) Tomb Raider Thema, in verschiedenen Varianten zum Geschehen auf der Leinwand gedacht. Wenn man schon eine so atmosphärische Vorlage hat, dann sollte man sie auch benutzen! Die Unsitte, Technogedröhne anstatt eines gut ausgearbeiteten Scores über die Bilder zu legen, stört mich sowieso schon seit langem. Es kann einfach keine Atmosphäre aufkommen, wenn man nur darauf aus ist, das Album zum Film mit bekannten Namen anzufüllen, um dadurch noch etwas Geld zu machen. Aber das ist ein anderes Thema! Kommen wir lieber zum Drehbuch. Die Geschichte an sich ist nicht uninteressant (wenn auch sehr vorhersehbar), und würde auch ein gutes Videospiel abgeben. Auch die Schauplätze sind sehr gut ausgewählt, und passen zur Vorlage. Leider fehlt aber den Dialogen teilweise jeglicher Sinn. Auch manche ruhigeren Dialogszenen, die Simon West durch seine Unfähigkeit verpatzt hat, wären besser auf dem Boden des Schneideraums gelandet.
Die Effekte gehen in Ordnung, da hat man in letzter Zeit schon weit schlimmeres gesehen! Besonders die Steinaffen haben mir sehr gefallen.
Zu Angelina Jolie kann man stehen, wie man will... mein Fall ist "Miss Froschmaul" nicht! Trotzdem geht sie in ihrer Rolle auf, und nach kurzer Zeit hat man sich an sie gewöhnt. Einen nicht gerade geringen Teil trägt auch die Synchronstimme bei, die Lara schon in den Spielen verkörpert hat.
Fans des Spiels wird es freuen, hin und wieder auf bekannte "Gesichter" zu stoßen. So gibt sich z.B. eine der mehrarmigen indischen Statuen aus Teil 3 ein schwerterschwingendes Stelldichein, und man sieht Lara oft von Plattform zu Plattform springen, oder auf einem schwingenden Pfeiler balancieren :-)
Wenn der Film auch durchwachsen ist, ist er doch der gelungene Transfer eines Spiels auf die Leinwand. Ich finde ihn sogar etwas besser, als meinen bisherigen Spitzenreiter "Mortal Kombat". Der Megaflop, der nach diversen amerikanischen Kritiken zu erwarten war, ist es beileibe nicht! Trotzdem sollte man zumindest eines der Spiele mal durchgespielt haben, um Lara Croft nicht als billigen Abklatsch eines bekannten peitscheschwingenden Archäologen zu interpretieren.
Ein zweiter Teil ist angekündigt, und ich bin sehr gespannt, ob man diesmal das nötige Feintuning aufbringen kann, um Lara zu Indy's Nachfolger aufzubauen... an der Vorlage mangelt es nun wirklich nicht!
7 von 10 Punkten