Hooray for Big Boobs and Big Guns!
Lara Croft ist endlich in Filmform gelandet und in ihrem ersten Abenteuer geht es um nichts kleineres als die Rettung der Welt vor dem Bösen.
Hat jemand daran gezweifelt?
Aber jetzt mal im Ernst: Wer hat denn bei der neuesten Verfilmung eines Videospiels irgendwie literarische Qualitäten erwartet?
Keiner?
Na also!
Also mal nüchtern an die Einschätzung, vor allem weil ich von dem Videospiel ziemlich unbeleckt geblieben bin.
Dreh- und Angelpunkt: Angelina Jolie alias Lara Croft oder umgekehrt. Ist eh egal, da beide austauschbar sind. So gut wie keine Szene, in der unsere Heroine und ihre besten Freunde mal nicht im Bild sind. Schön, stand ja auch im Titel, konnte man also erwarten.
Und das Mädel macht auch rein athletisch eine gute Figur: da kann man nicht meckern, wenn Jolie einen brachialen Gagenscheck eingekarrt hat für diesen Job, denn sie hatte wahrhaftig einiges zu leisten. Da wird gehangelt, geklettert und geschwungen, daß Tarzan einen Blutsturz bekommt. Darüber hinaus die nicht zu unterschätzende Belastung, ihren Busen in einen BH zu quetschen, der offensichtlich eine (oder zwei) Nummern zu klein war (das tut höllisch weh). Insofern war die Wahl von Simon West als purem Actionregisseur wohl die richtige Wahl, der Mann gibt seine Anweisungen zwar vermutlich mit der Keule, hat aber ein Gefühl für Bilder, die Frühlingsgefühle für Jahre frisch halten.
Die Sache sieht nur anders aus, wenn man allein auf das Thema Mimik zu sprechen kommt. Da hält man es mit dem Videospiel, daß ja nicht so große Möglichkeiten hat. Also Coolness.
Angelina, schaffst du das volle 100 Minuten, denselben coolen Ausdruck?
Logo. (Muß nur noch dieses Bündel Scheine durchzählen!)
Nur, daß das nicht eben abendfüllend ist, wenn sich bei der Hauptdarstellerin lediglich die Mundstellung (entweder kernige Entschlossenheit oder dieser teenageraufgeilende "Du, Schelm, du, ich bin dir über, gleich pack ich dich"-Blick in Einklang mit einem wohl lasziv gemeinten, halb geöffneten Mund, der scheinbar den Wunsch nach oralem Sex äußert) ändert.
Selten etwas Seelenloseres gesehen als dieses Stahlding von Frau, die dementsprechend nie richtig in Gefahr zu sein scheint und deswegen auch niemanden irgendwie bewegt.
Natürlich sind da die schlimmen Leidenssequenzen mit der Trauer um ihren Vater, die taktisch günstig immer als Strecker zwischen Actionsequenzen eingesetzt werden. Zehnjährigen wird diese Holzhammertaktik wohl nicht auffallen, aber dürfen ja noch nicht ins Kino. Aber Freude am Leben ist irgendwie nicht, dafür hat ein zweidimensionaler Charakter (ich spreche von Charakter, nicht von der Figur, die hat Tiefe, bzw. Körbchengröße) einfach keine Zeit...
Aber letztlich wollte ja man auch mit der Hauptfigur die große Kasse machen und das kommt optisch doch recht gut hin.
Würde allerdings noch etwas mehr Spannung produzieren, wenn es dann auch noch einen Gegner gäbe, dem man es zutraut, mehr als 15 Sekunden im Ring mit ihr durchzustehen. Leider war der nicht mehr bezahlbar, also engagiert man einen schön mysteriös daherschwafelnden Laberkopp, der sich den halben Film massieren läßt, um dann im Showdown bärig abzukacken. Taktisch günstig, daß das auch gleich noch Vatis Mörder war, da heben wir uns keine Altlasten für Teil 2 auf...
Als Komplikation (wir wollens ja nicht so einfach machen) garniert mit den Illuminaten, eine Horde alter Männer, die nach dem Geheimbundmassaker bei Akte X seit längerem ohne Job ist, und dem von den Bösen engagieren Grabjäger (liebe deutsche Synchro, bitte einen Kopfschuß abholen!!!), der gleichzeitig Ex-Partner, Ex-Lover, Konkurrent und farblos ist.
Damit hätten wir dann die nötigen Zutaten für ein 100 % durchsichtiges Action-Spektakel nach Schema F, munter geklaut bei Indianer Jones und der Mumie, allerdings abzüglich des gesamten Charmes.
Hab ich was vergessen?
Ach so, logo. Sollte doch besser ins Handbuch für Actionschreiber gucken. She-Man braucht natürlich noch einen Vaterersatzbutler, der gerade so viel leise Ironie besitzt, um ihn im Film kaum zu zeigen, sowie einen computerversessenen Nerd, dessen Geräte über den ganzen Film im entscheidenden Moment nie funktionieren, weswegen er auch absolut keine Funktion besitzt, aber überall hin mitgeschleift wird.
Wenn wir uns nun einen logischen Gedanken machen, kommen wir zu dem Schluß, daß all die PC-begeisternden Lara-Croft-Onanisten daheim außer einem Date ja noch eine Identifikationsfigur brauchen. Wenn ich aber bedenke, daß der Typ scheinbar das Abbild des typischen Fans darstellen soll, mache ich mir in Anbetracht seiner Kleidungswahl, seines sozialen Verhaltens, dem Zustand seiner Zähne und seiner Haare dringend Sorgen um den Fortbestand unserer Gesellschaft.
Daddy Jon Voight gibt dann in der Zeitschleife at the end die gefühlvolle Trändrückerszene, was ja besonders begeistert, weil die Schauspieler in demselben Grade verwandt sind. Soviel zu dem originellsten Einfall des Films.
Ansonsten können wir nicht allzuviel meckern: Actionszenen nach dem Schema mehr Masse als Klasse, aber ohne Totalausfälle der Marke ärgerlich; einige relativ sorgfältige Computereffekte, die mangels Masse nicht ganz so schlampig sind, wie die in "The Mummy returns"; hier und da eine ironische Bemerkung, die zur Hauptfigur paßt, aber wirklich haltbare One-Liner (die Sorte, die man seinen Freunden zum Abschied noch mal mit auf den Weg gibt) vermissen läßt; ein paar Monster aus dem CGI-Baukasten (aber leider nicht genug) und ordentlich Geballer.
Fällt schon gar nicht mehr ins Gewicht, daß immer genau dann irgendwas zum Schwingen für Lara in der Gegend rumhängt, wenn Gefahr droht (also immer), das war ja schon im Game so. Auch die chronische Zielungenauigkeit der Bösen gehört zum Hexengebräu der Actioners, wobei hie und da endlich mal darauf geachtet wurde, daß man die sexy Knarren auch mal nachladen muß (was natürlich zusätzlich cool aussieht). Wer übrigens jetzt was doll Gewalttätiges erwartet, wird enttäuscht. Es gibt zwar ordentlich Kugeln und nötigenfalls ordentlich Fressegeballertes, doch gezeigt wird lediglich Ursache nicht Wirkung (bzw.Einschlag /Wunden /Blut /Tote...geifer...). Problemlos jedem Zwölfjährigen zumutbar und der wird sich vermutlich noch beschweren.
Darüber hinaus garniert mit ein paar Dusch- und Nacktszenen (natürlich von hinten), gerade so viel keimfreie Erotik, um die lechzende Jungenschar im Publikum daran zu erinnern, daß man ja seine Freundin mitgenommen hat und die ja vielleicht auch mal wieder schmusen möchte, bevor einem nach dem Film der Himmel auf den Kopf fällt.
Angenehm fällt die schöne Set Direction auf, denn neben den in Angkor gefilmten herrlichen Szenen, gibt es einige schön gebaute Tempelanlagen, die dann mit großem Hallo und ganz viel Spaß niedergemacht werden dürfen. Leider geht dem Spektakel gegen Ende deutlich die Luft aus, denn der Showdown ist die sichtlich schwächste der großen Actionsequenzen, die letztendlich austauschbar sind.
Am meisten macht sich jedoch der Ironiemangel bemerkbar. Das Drehbuch ist zwar sichtlich darum bemüht, doch es gelingt einfach nichts, was "Drei Engel" und "Mumie 2" so luftig locker gemacht hat. Der Plot hangelt sich an uralten Indy-Klischees entlang und ist exakt so unlogisch, wie er sein darf, um keinen Ärger zu provozieren.
So führt dies zwar zu einem ständig powerndem Streifen, der den Zuschauer mit gerade der richtigen Menge Bombast bewirft, um nicht stinkfade zu werden, doch hat der Besuch des Films so mehr mit Akzeptanz als mit Amusement zu tun.
Und über die Vorhersehbarkeit wollen wir mal ganz dezent den Mantel der Verschwiegenheit ausbreiten.
Ergo ist "Tomb Raider" nicht so schlecht, daß man sich deftig das Maul darüber zerreißen könnte, denn das, was hier präsentiert wird, liegt voll und ganz in meiner Erwartungshaltung. Wer sich mehr versprochen hat und deswegen jetzt laut jammert, sollte mal dringend wieder einen Film besuchen, der ohne Geballer auskommt (ja sicher, das gibts!) oder ein gutes Buch lesen.
Meine Freundin wars zufrieden, ich konnte es problemlos ertragen, ohne mich über das Eintrittsgeld zu ärgern, aber es soll mich der Teufel holen, wenn ich mich nächste Woche noch groß daran erinnern kann.
Ein Film über den man nicht groß sprechen muß, aber die ideale Prüfschwelle für alle Mädels, die mal kontrollieren wollen, ob ihr Freund sie noch attraktiv und anziehend findet. Wenn der nämlich erst im Nachspann wieder Notiz von euch nimmt, dann gibt es deftig Ärger. Und bis dahin habt ihr euren Spaß gehabt, denn endlich ist es mal ein 'Girl that kicks ass'! Immerhin!
(5/10)