„Kein Türke, kein Mongole, kein Japs – ‘n Thai!“
Den achtzehnten Fall der Duisburger-„Tatort“-Kripo um die Kommissare Horst Schimanksi (Götz George) und Christian Thanner (Eberhard Feik) inszenierte einmal mehr Stammregisseur Hajo Gies, diesmal nach einem Drehbuch seines Bruders Martin Gies. Kurioserweise war „Gebrochene Blüten“ bereits 1986 gedreht worden, wurde jedoch erst am 1. Mai 1988 erstausgestrahlt.
„Meine Herren, Sie haben miserabel gearbeitet!“
Tanzstudiobetreiber Herr Prinz wird in einem Omnibus erstochen. Wirkt er zunächst wie das Zufallsopfer eines Amokläufers, stellt sich bald heraus, dass mehr hinter diesem Mord steckt. Was genau, kann der Duisburger Kripo der Täter jedoch nicht mehr sagen, denn nachdem man ihn ermittelt hat, findet man auch ihn tot auf – erschossen, es sollte nach Selbstmord aussehen. Als Manuela Prinz (Renate Krößner, „Solo Sunny“), die Witwe des Erstochenen, von zwielichtigen Gaunern bedroht wird, ahnt Schimanski, dass die attraktive Frau mehr weiß, als sie auszusagen bereit ist. Die Spuren führen ins Rotlichtmilieu…
„Möchten Sie mein großer Beschützer sein?“
Die Eheleute Prinz waren nicht nur echte Globetrotter, der saubere Herr Prinz war auch tief im Menschenhandel mit Thailänderinnen für deutsche Puffs verwickelt. Dies führt zu Konfrontationen Schimanskis mit unangenehmer Klientel wie dem Zuhälter Blatzer (Miroslav Nemec, späterer München-„Tatort“-Dauerkommissar) und dessen hünenhaftem Personenschützer (Ralf Moeller, „Cyborg“). Zuvor wurde klassische Kripoarbeit mit Beschattungen und Lauschangriff geleistet; später wird Schimmi Frau Prinz – eher unkonventionell – beim Tanzen verhören, nachdem er bereits halbnackt Dauerlauf betrieben hat und sich Thanner und Schimmi beim Ruhrpott-Imbissschmaus gegenseitig angezickt haben.
Wenig überraschend häufen sich die Annäherungsszenen zwischen Womanizer Schimmi und der schwer zu durchschauenden Prinz, mitunter in Sachen Bildästhetik mit dem ganz breiten Pinsel aufgetragen. Zum zum wiederholten Male bemühten Neo-Noir-Stil passend entpuppt sich die Prinz als Femme fatale, von der Schimanski gar vergewaltigt worden zu sein fürchten muss. Bis hierhin ist „Gebrochene Blüten“ hübsch anzusehen und recht unterhaltsam, aber auch relativ vorhersehbar. Dies ändert sich, als als überraschende Wendung gleich doppelter Identitätsdiebstahl ins Spiel kommt, für den Schimmi gar im pittoresken bayrischen Wasserburg ermitteln muss. Während des durchstilisierten Finales im Tanzsaal entspinnt sich das ganze Ausmaß der bösen Geschichte – das einen starke Empathie für die Täterin entwickeln lässt. Das Ende mutet umso tragischer an.
Wenngleich auch dieser Duisburger „Tatort“ inhaltlich im Prostitutionsgewerbe angesiedelt wurde – an dessen Menschenhandelsmethoden hier harsche Kritik geübt und das Publikum für diese negativen Begleitumstände sensibilisiert wird –, dient es diesmal als Aufhänger für eine private Tragödie, die den eigentlichen Reiz dieser Episode ausmacht: Der gerade erst aus der DDR emigrierten Renate Krößner bei der Verkörperung ihrer ambivalenten Rolle zuzusehen ist eine Wonne. Auch Schimanski, Thanner und Hänschen harmonieren, Pommesstreit hin oder her, über weiter Strecken diesmal prima miteinander, Schimmi springt gar behände auf Thanner Moped auf (und später in einen Zuhälterpool, ein sogar noch lässigerer Move). Nach „Midnight Lady“ in „Der Tausch“ schmachtet Chris Norman erneut eine Dieter-Bohlen-Komposition: „Broken Heroes“ als eine Art Erkennungsmelodie der Prinz ist sehr etwas omnipräsent, für eine Bohlen-Melodie aber relativ erträglich. Das horizontale Gewerbe beschert am Rande ein paar Oben-ohne-Szenen, die eigentlichen Schauwerte aber sind die Bildkompositionen dieses „Tatorts“. Apropos horizontal: Im Laufe der Jahre hat sich als eine Schwäche des Duisburg-„Tatorts“ die kaum vorhandene horizontale, also episodenübergreifende Erzählung herauskristallisiert: Mal hat Schimmi eine Freundin, die in der nächsten Folge mit keiner Silbe mehr erwähnt wird, mal taucht seine Patentochter auf, dann spielt diese mehrere Episoden lang keine Rolle mehr. Dass man derlei Ansätze nicht weiterverfolgen konnte, mag auch mit der eigenartigen Senderpolitik zusammenhängen, einen abgedrehten Fall zwei Jahre lang liegen zu lassen und später gedrehte vorher auszustrahlen. Eine episodenübergreifende Kontinuität aufzubauen fällt da naturgemäß schwer. Weniger schwer fällt die Bewertung dieser fast schon an südländisches Genrekino gemahnenden Episode: 7,5 von 10 Fritten sind da locker drin. Renate Krößner verstarb kürzlich, genauer: am 25. Mai 2020. Möge sie in Frieden ruhen.