Orange Avenue in einem Vorort von New York: hier leben die beiden Familien Walling und Ostroff. Die Wallings-Eltern Paige (Catherine Keener) und David (Hugh Laurie) haben einen Sohn Toby (Adam Brody) und eine Tochter namens Vanessa (Alia Shawkat); die Ostroffs sind die Eltern Carol (Allison Jenney) und Terry (Oliver Platt) sowie ihre Tochter Nina (Leighton Meester). Und Letztere wird diese scheinbare interfamiliäre Idylle ziemlich zerstören, mehr unfreiwillig als alles anderes.
Denn die Schöne kehrt, frustriert von ihrem untreuen Freund, aus San Francisco nach New Jersey zurück und ziemlich schnell merkt sie, wie sie sich zum deutlich älteren, besten Freundes ihres Vaters, hingezogen fühlt. David ist vor seiner Ehe mit der strengen und humorlos wirkenden Paige schon mehr oder weniger dauerhaft ins Gartenhaus geflüchtet und ist zunächst von Ninas Avancen sehr verwirrt, muss sich aber bald eingestehen, dass er mit ihr einfach glücklich ist – so glücklich wie schon lange nicht mehr. Alles eskaliert, als diese Romanze publik wird.
Vanessa, die sarkastische Tochter der Wallings kommentiert aus dem Off das ganze Geschehen, den ganzen Zusammenbruch der bisherigen Idylle. Sie selbst ist fassungslos über ihren Vater und überhaupt ist sie nicht gut auf Nina zu sprechen, schließlich hat dir ihr schon in der Highschool den Freund ausgespannt.
Und so nehmen wir erst einmal an, Nina spielt mit dem gebauchpinselten David – denn hey, welcher ältere Familienvater würde sich nicht über eine wunderhübsche Verehrerin wie Nina freuen? Und „The Oranges“ (so der Originaltitel) gelingt das Kunststück, die Romanze zwischen David und Nina nicht im Mindestens schmierig oder peinlich wirken zu lassen. Nina verführt ihn nicht mit aufreizenden Posen und Attitüden, sie mag seinen Humor und ist genauso unglücklich wie er in seiner äußerlich funktionierenden Ehe. Und dieser Ehebruch katapultiert so viel nach oben, er ist wie eine Katharsis.
So entdeckt Ninas Vater Terry, ein eher durchsetzungsschwacher Pudel im Schoß seiner Frau, wie viel Freude es ihm bereitet, Frisbee zu spielen und wie glücklich auf einmal David, sein bester Freund und Joggingpartner, ist. Und auch die verbissene Paige findet etwas Neues, nämlich eine Beschäftigung, die ihr Freude macht und dabei gibt’s dann noch einen netten Arbeitskollegen. Tja, Ehebruch als Lösung und Befreiung? Vielleicht ist das so – oder vielleicht ist es einfach so, dass man Gefühle nicht steuern kann.
Wie dem auch sei, „Die Tochter meines besten Freundes“ ist sicherlich typisches US-Independent-Kino und nichts Weltbewegendes, aber wunderbar gespielt bis in die kleinsten Rollen, mit exaktem Timing und einer Binsenweisheit am Schluss – dennoch: dem Zusammenbruch des Vorort-Kartenhauses zuzuschauen, hat Spaß gemacht. 7/10.