Noch mit [großen] Abstand die Interessanteste der bislang fünf Regiearbeiten, die Wong Jing in diesem Jahr in Angriff ge- und zur weiterhin aktiven Verlockung des zahlenden Publikums unternommen hat; eine außerhalb des sonstigen Restes von mehr oder minder seichten Komödien angelegte Wiederkehr zu den gerade auch beliebten historical adventure comedies, die von Wong selber auch in zahlreicher Marge zur Hochzeit 1992 - 1994 betrieben wurde. Dabei spricht der hiesige, ehemals God of Fortune Inn betitelte Versuch der weiteren Erhaltung doch auch eher noch die Anhänger damaliger Leidenschaften und so auch die Ressourcen der Nostalgie sowie die Erfahrungen und tauglichen Erwartungen an derlei Stoff und Umsetzung an. Mit modernen Mitteln, aber trotzdem vergleichsweise altmodisch und unter dem schützenden Deckmantel eines relativ kleinen, da isoliert wirkenden Blockbusters erzählt, dass die üblichen Gewohnheiten und damit verbunden auch die ebengebliebenen Stärken und Schwächen der typischen Wong Jing - Filmographie enthält:
Bei einem blutigen Einbruch und Raubüberfall in der ansonsten beschaulichen Kleinstadt White Horse City sind die beiden örtlichen Junior Cops on Probation Liu Jianmeng [ wirkt ein wenig abwesend: Nicholas Tse ] und Chen Yungren [ Nick Cheung ] mit als Ersten und auch schnell die Beweise Sichernden am Tatort. Dennoch werden sie von dem ebenfalls herbeigerufenen und schon aufgrund der Erfahrung und des Ranges zuständigen Captain Iron Fist [ Kenny Ho ] nicht nur weitgehend ignoriert, sondern auch einer Mitwirkung an der schaurigen Tat selber verdächtigt. Um ihre stagnierende Karriere nach vorne zu treiben und sich reinzuwaschen, beschließen die beiden Jungpolizisten, sich mithilfe der ihnen aus einer drohenden Todesstrafe helfenden Schwestern Lady Fire Dragon [ Huang Yi ] und Lady Water Dragon [ Charlene Choi ] zum "Treasure Inn" aufzumachen. Ein illegales Auktionshaus, in dem die gestohlene Beute, die "White Jade Goddess" innerhalb der Unterwelt versteigert werden soll. Unterwegs treffen sie auf den mysteriösen Dr. Wen Wenqie [ David Tong Dawei ] und den die Räuberbande anführenden "King of Jokers" Jin Buer [ Yuen Tak ]. Als sich noch die wilde Horde der Silver Armor Bandits unter Führung von Red Dragon [ Huang Yonggang ] ankündigen, wird es zunehmend brenzlig in der Herberge.
Die Geschichte und ihre Behandlung sind natürlich Kommerz der reinsten Form, wobei man hier noch übersehbare, aber vorhandene Kreativitäten und den gewisser Ehrgeiz in der Formulierung finden darf, die das [erreichte] Ziel des schnellen Geldes auch für den Zuschauer immerhin lohnend machen. Gegenüber den sonstigen chinesischen Kassenschlagern, deren finanzielle Kraft und so verbunden auch öfters erschöpfende Masse bisweilen erschlagend bis aufdringlich wirken, wird hier ein eher zurückhaltendes Universum an angespornten Regierungsbeamten, mit heimtückischen Waffen hantierenden Gaunern, in Nöten geratenen Frauenzimmern und geheimnisvollen Schätzen gesponnen, dass in den ersten Momenten seltsamerweise gar den Weg Richtung Italowestern bzw. Hommage dessen geht. Angefangen von der mit entsprechenden Klängen und animierter Ikonographie unterlegten Titelsequenz bis über deutliche Zitate von Tonino Valeriis Il mio nome è Nessuno (1973) und Sergio Leones Il buono, il brutto, il cattivo (1966) wird ein Reich schlitzohriger Halunken und eventuell ebenbürtiger, auch mal mit schmutzigen Tricks arbeitender Helden bzw. ihrer Anti-Form dessen gewerkelt. Ein filmischer Schatz, der durchaus hätte mehr genutzt werden können als für den kurzen schöpferischen Klau, aber für die wenigen Momente immerhin sonderbare Beschauung, eine gewisse Selbstzufriedenheit im Plagiat und so auch die jedesmalige Überzeugung er- und beweist.
Später wird dann mehr orientalisches Flair integriert, inkl. dem Ritt auf Kamelen durch die Wüste und dem längeren Aufenthalt in einer sagenumwobenen Karawanserei; ein Zusammenfügen unterschiedlicher Einflüsse, wobei der Rest der Schritte und ihrer Anordnung im Grunde Standard ist. Nach Lehrbuch, eine Verstrickung aus Offensichtlichen und Mysteriösen, der mehrfachen Positionierung und auch Konfrontation von Gut gegen Böse, dem theoretisch schon direkten, aber mit mehrfachen Schlenkern und Hinausgezögertsein gepflasterten Weg Richtung Showdown und der Inszenierung dessen als leichte Kostümmär mit so manchen Actionszenen. Angenehmerweise sind diese und auch ein Teil weiterer Akte von Co-Regisseur Corey Yuen Kwai bzw. dessen Choreographen Yuen Tak und Assistenten Liu Fang ausgeführt, wodurch sowohl dem Waffen- als auch Faustkampf mehr Platz und Bedeutung als auch der gesamte Film einen klaren Deut prononcierter und konzipierter als gewohnt ausschaut. Sicherlich hätte man bei den vorhandenen Talent vor und hinter der Kamera und dem dafür geeigneten Setting incl. einem theoretisch wahrlich ausschweifenden Showdown innerhalb der Taverne auch durchaus mehr als nur jeweils einige Sekunden umfassende Sparrings [und ansonsten unnötigen Einsatz von Wirework und vor allem mythischer Tricktechnik] gesehen, aber sind die Duelle nicht gleich völlig nebensächlich, vielmehr mit dem dankend angenommenen Potential an Aufwand und Begabung gekennzeichnet.
Dass es zum vollen Ausspielen dieser Form der Attraktivität nicht kommt, liegt wohl an der Frage des Geldes und des Bewusstseins der Dinge, die den haupt-, da auch für Skript verantwortlichen Wong so häufig auf mehreren Schauplätzen des Schaffens herumtreiben. Gerade mittig erfolgt der intellektuelle Stopp auf Halteniveau, wird sich zur Erholung aller Beteiligter vermehrt mit allerlei Scherzen um Mann und Frau und Nebenbuhler, folgerichtigen Amourösitäten, Eifersüchteleien und auch Tollpatschigkeiten statt im physischen Gerangel herumgeschlagen. Die weiterhin bevorzugte Variante der Scherze ist dabei die Variante der Schmerzen, in der die Figuren durch eigene Dummheit oder die ihrer Genossen aus dem Fenster, vom Baum, oder sonst wie irgendwo herabstürzen, sich im Gefecht oder in der Pause an den peinlichsten Stellen, möglichst mitten im Gesicht und am Hinterteil verletzen. Ein Humor der infantilen, allerhöchstens pennälerhaften Art, dessen Pointe man nicht nur schon von Weitem kommen, sondern auch mit dem Heischen nach Lacherfolg und dem des Applauses herantoben sieht. Ein da auf Krampf lustiges, glücklicherweise diese Augenblicke auf ein erträgliches Maß beschränkendes und sonst schon soweit angenehmes Wu xia pian in Comedyart, dass durch dafür gar nicht so geeignete Darsteller [ Tse und Cheung haben mittlerweile andere Funktionen und Rollen inne ] gleichzeitig geadelt und deplaciert wird.