Schon seit 2001 ist Taylor Lautner für den Film tätig, doch richtig bekannt wurde er erst durch seine Rolle als Jacob Black in der "Twilight" Trilogie. So ist "Atemlos - Gefährliche Wahrheit" seine erste richtige Hauptrolle in einem Kinofilm, das Budget belief sich auf ungefähr 35 Millionen Dollar. Die Einspielergebnisse konnten sich sehen lassen, doch die Kritiken waren verhalten. "Atemlos" ist eine neue Generation von Actionfilm, der auch mehr ein jüngeres Publikum anspricht. Im Endeffekt völlig harmlos, dennoch strotzend vor Klischees zeigt er eine zeitgemäße Art von jungen Erwachsenen, die ihre Hausaufgaben nur noch mit Hilfe des eigenen Laptops machen und auch das soziale Netzwerk Facebook findet etliche Erwähnungen. Für eben diese Generation mag "Atemlos" tolles Unterhaltungskino sein, doch für den Fan von bodenständiger Old School Kost ist dieser Film ein Graus. Etwas verwunderlich ist auch die Mitarbeit von John Singleton (Vier Brüder, Shaft - Noch Fragen?), der normalerweise härtere Kost serviert. Hier war PG-13 die Vorgabe, hinzu kommt die etwas hanebüchene Story von Shawn Christensen (Enter Nowhere, Curfew), die einige Anschlussfehler besitzt, aber immerhin auch ein paar undurchsichtige Charaktere.
Nathan Harper (Taylor Lautner) ist ein rebellischer aber glücklicher Teenager, bis er auf einer Webseite für vermisste Kinder sein Foto entdeckt. Und tatsächlich entpuppt sich sein Leben als große Luftblase, denn in Wirklichkeit ist er der Sohn des Geheimagenten Martin Price. Der ist ihm Besitz einer brisanten Liste, die der gefährliche russische Agent Kozlow (Michael Nyqvist) zurück haben möchte. Zusammen mit seiner Freundin Karen (Lily Collins) befindet sich Nathan plötzlich auf der Flucht vor der CIA und Kozlow. Nicht mal seiner Psychologin Dr. Bennett (Sigourney Weaver), die sich ebenfalls als ehemalige CIA-Agentin entpuppt, kann er noch vertrauen.
Die Idee mit der Webseite für vermisste Kinder ist ganz nett von Kozlow erdacht, obwohl die Chancen im wirklichen Leben bei Null liegen würden, dadurch an Nathan heran zu kommen. Aber gerade Burton (Alfred Molina) und die restliche CIA entpuppen sich als totale Stümper, die nicht mal in der Lage sind, Nathan und Karen einigermaßen zu beschützen. Daneben weiß der Zuschauer viel zu früh, wie der Hase läuft, auch wenn ein paar Figuren wie Burton und Dr. Bennett schwer einzuschätzen sind. Doch bis es für Nathan richtig ernst wird, vergeht eine knappe halbe Stunde, wo man sein Leben genauer unter die Lupe nimmt. Bei ihm und Karen ist am Anfang noch Sand im Getriebe, doch eine Lovestory darf bei solch einem Film nicht fehlen. Die vielen Charaktere bekommt Singleton gut unter einen Hut, doch schon beim brutalen Kampftraining zwischen Nathan und seinem (falschen) Dad kann man sich ausmalen, wie die Chose weitergeht. Auch Nathans Traum mit der Ermordung seiner richtigen Mutter liefert schon viel zu früh Indizien für die Auflösung.
So konzentriert sich Singleton nach überlanger und nicht sonderlich interessanter Einleitung um die Flucht von Nathan und Karen. Richtige Actionszenen sind dabei rar gesäht, meist gibt es nur kleinere Verfolgungsjagden zu Fuß oder mit dem Auto. Bei Sachschäden wird gut sichtbar mit Animationen nachgeholfen, besonders bei der Explosion von Nathans Elternhaus ist dies ersichtlich. Ein paar Zweikämpfe darf es dennoch geben, diese sind solide choreographiert, oft findet die eigentliche Gewalt aber nur im Off statt. Genau das Selbe gilt für den Einsatz von Schusswaffen, fast schon lächerlich werden die Opfer mit einem Schuss zu Boden gestreckt, spektakulär wird "Atemlos" nie. Eine echte Enttäuschung hingegen ist das Finale, welches nur aus einer Verfolgungsjagd zu Fuß besteht. Kozlow, der sonst immer alles im Griff hat, verhält sich hier schon annähernd dämlich. Für Nathan und Karen gilt das Gegenteil, beide wirken viel zu gefasst und geraten nie so unter Druck, dass es mal richtig brenzlig wird, den Angriff im Zug mal ausgenommen.
Um solch einen Film wirksam dem Publikum zu verkaufen, bedarf es nicht nur Jungstars wie Taylor Lautner und Lily Collins (Priest, Blind Side), die ihre Sache recht solide machen. Sigourney Weaver (Aliens - Die Rückkehr, Avatar), Alfred Molina (Spider-Man 2, Identität), Michael Nyqvist (Verblendung, Vergebung), Maria Bello (A History of Violence, Kindsköpfe) und Jason Isaac (Der Patriot, Black Hawk Down) stellen das eigentliche Starensemble dar.
Im entfernten erinnert mich "Atemlos" an "Lance - Stirb niemals jung", die Geschichten ähneln sich sogar ein wenig. Mit "Atemlos" können sich allerdings nur jüngere Generationen anfreunden, denn der Film ist nicht nur komplet auf dieses Zielpublikum ausgelegt, sondern es mangelt auch an Action, Spannung und Humor. Die Darsteller mimen sich wacker durch eine kaum konstruktive Story, die zwischendurch zu viele Pausen einlegt. Einigermaßen unterhaltsam, für mich im Endeffekt aber nur unterdurchschnittliche Kost, auf spektakuläre Sequenzen muss hier ganz verzichtet werden.