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Mark Wahlberg hat es geschafft. Er gilt als Schauspieler der früher auch mal gerappt und gemodelt hat und nicht mehr als Rapper und Unterhosenmodel mit Schauspielambitionen. das mag sich ähnlich anhören, ist aber doch ein gewaltiger Unterschied. Lange Zeit gab es kein Interview, keine Filmbesprechung, keinen Artikel, bei dem nicht Marky Mark und/oder Calvin Klein aufs Tablett kamen. Heute ist beides kaum mehr eine Randnotiz wert. Und das zu recht.
Wahlberg gehört zur schwindenden Gattung von Filmstars, die mühelos einen Film tragen können, ohne dabei mimische Glanzlichter zu setzen. Er ist dabei weniger auf ein bestimmtes Genre festgelegt, als vielmehr auf einen bestimmte Typ. Geradlinig, tough, wortkarg und in sich ruhend, ist er einer der wenigen wirklichen Eben von Charles Bronson und Clint Eastwood. Wenn man als Filmproduzent einen kantigen Actionthriller plant und Jason Statham gerade nicht verfügbar ist, dann macht man mit Mark Wahlberg garantiert nichts falsch.

Das dachte sich wohl auch der isländische Regisseur Baltasar Kormákur, als er ein Hollywoodremake seines Hits Rekjavik - Rotterdam (2008) drehen sollte. Der ehemalige Schmugglerkönig Chris Farraday ist ein klassischer Wahlberg-(Anti-)Held. Hinter seiner leicht schlafmützigen Fassade verbergen sich ein messerscharfer Verstand und eine ordentliche Portion Tatkraft. Seine kriminelle Vergangenheit assoziiert man nicht mit brutaler Gewalt, sondern mit gewitzter Cleverness. Inzwischen ist er bodenständig und seriös geworden. Die nervenaufreibende Schmuggler-Profession hat er längst gegen ein beschauliches Familienleben mit geregeltem Einkommen eingetauscht. Ein Kumpeltyp mit rauer Schale und weichem Kern.

Natürlich ist diese Idylle trügerisch und nur die Ausgangssituation. Die Schatten der zwielichtigen Vergangenheit lassen nicht lange auf sich warten. So hat sein Schwager Andy (Caleb Jones) den gut gemeinten rat hinsichtlich eines anständigen Berufs ignoriert und versucht sich dagegen in den familiären Schmuggler-Fußstapfen. Diese sind allerdings mehrere Nummern zu groß. Der Deal wird glorios vermasselt, die Auftraggeber sind darüber selbstredend alles andere als erfreut und drohen bei Nichtersatz mit Gewalt.
So muss Chris dann doch nochmals auf die schiefe Bahn zurück, will er die Sicherheit seiner Familie garantieren. Zusammen mit ein paar alten Weggefährten heuert er auf einem Containerschiff an, um über Panama Falschgeld ins Land zu schmuggeln und damit die verursachten Schulden ein für alle Mal los  zu werden.

Contraband ist ein Thriller alter Schule, soll heißen Szenario und Plot folgen bekannten Pfaden. Einige Wendungen wie auch der Ausgang sind weitestgehend vorhersehbar. Trotz der mangelnden Originalität macht das Ganze aber dennoch Spaß. Regisseur Kormákur hält das Tempo von Beginn an erfreulich hoch, so dass nie Langeweile aufkommt. Dazu ziehen ein paar weniger offensichtliche Plottwists die Spannungsschraube vor allem in der zweiten Filmhälfte immer wieder ordentlich an. Das Herz des Films ist dabei sicherlich der ausgeklügelte Schmuggel-Plan, dessen stückweise Enthüllung geschickt zum Mitraten und Mitfiebern animiert.

Leider ist die Bildsprache weniger „old-school" und wartet mit einigen Unarten des modernen Actionkinos auf. So ist die Kamera häufig unangenehm nah am Geschehen, was keineswegs die angestrebte Unmittelbarkeit erzeugt, sondern im Gegenteil lediglich zu Lasten der Übersichtlichkeit geht. Dazu ist sie fast permanent in nervöser Bewegung, was den beschriebenen Negativeffekt noch verstärkt.

Mark Wahlberg lässt sich von der teilweise hibbeligen Kameraarbeit allerdings nicht aus der Ruhe bringen und agiert gewohnt abgeklärt und unaufgeregt. Da Wahlberg seine Stärken voll ausspielt und souverän den ruhenden Pol gibt, bleibt natürlich ordentlich Chargier-Raum für seine Gegenspieler. Den nutzt vor allem Giovanni Ribisi, der als dümmlich-brutaler Dealer Tim Briggs für die extrovertierten Schauspielmomente sorgt. Seine nervös-fahrigen Ausbrüche bieten einen interessanten Gegenpart zu Wahlbergs kontrollierter und dosierter Aggressivität.
Dieses offensichtliche Type-Casting-Konzept funktioniert auch in den Nebenrollen prächtig, bei denen vor allem Ben Foster als Chris zwielichtiger Schmuggler-Kumpel Sebastian und J.K Simmons als bärbeißiger Frachtkapitän immer wieder Akzente setzen können. Negativ aus dem stimmigen Rahmen fällt lediglich Kate Beckingsale, die als Chris biedere Ehefrau Kate erschreckend blass bleibt, was keinesfalls allein ihrer Erblondung angelastet werden kann.

Aber das ist letztlich verschmerzbar in einem klar auf ein männliches Publikum zugeschnittenen (Action-)Thriller, der zwar nicht mit Originalität, dafür aber mit einer straffen Inszenierung und einem sauberen Spannungsbogen punkten kann. Aus dem perfekt gecasteten Darstellerensemble ragt besonders ein gewohnt lässig agierender Mark Wahlberg hervor, der damit erneut unter Beweis stellt, dass er das jeweilige Genre definiert - und nicht etwa umgekehrt. Anders ausgedrückt: Contraband ist ein typischer Wahlberg-Film. Und das ist durchaus positiv gemeint.

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