Matthias Schweighöfer spielt einen Grundschullehrer, der von seiner Freundin für einen Macho, gespielt von Thomas Kretschmann, verlassen wird. Der eher softe, unter Flugangst leidende Verlassene fängt an, an seiner Männlichkeit zu zweifeln, wird aber tatkräftig von einer guten Freundin, gespielt von Sibel Kekilli, unterstützt, bei der er wohnen darf. Während er nun versucht, sich als Mann zu beweisen, empfindet er für die langjährige Freundin zunehmend mehr.
Innerhalb weniger Jahre avancierte der eher unbekannte Matthias Schweighöfer zu einem der prominentesten deutschen Schauspieler und war zuletzt unter anderem mit “Friendship“ erneut auf der Leinwand präsent. Anscheinend war das aber zu viel des Guten, anders lässt sich kaum erklären, wie Schweighöfer auf die Idee gekommen ist, bei seinem neuen Projekt “What a Man“ gleich Drehbuch, Regie, Produktion und Hauptrolle zu übernehmen. Schweighöfer dürfte sich Vieles einfacher vorgestellt haben, als es dann letztlich werden sollte. Neben Comic-Verfilmungen erfreuen sich auch romantische Komödien – und seien sie noch so stereotyp oder infantil – großer Beliebtheit und sind im Gegensatz zu “Transformers“ oder “Captain America“ auch mit sehr kleinen Budgets realisierbar und werden außerdem mit deutschen Fördergeldern unterstützt. Zudem hat Til Schweiger mit seiner Komödie “Keinohrhasen“ sowohl bei Kritikern als auch beim Publikum Anklang gefunden, nachdem er das Projekt ebenfalls als Regisseur, Hauptdarsteller, Autor und Produzent gestemmt hatte. Da konnte ja scheinbar nichts mehr schief gehen, schließlich ist der Erfolg bei einer Liebeskomödie mit dem allseits beliebten Matthias Schweighöfer praktisch vorprogrammiert und was Til Schweiger geschafft hat, sollte irgendwie auch wieder zu schaffen sein. Ist es aber nicht, weil Schweighöfer sein Projekt mit blankem Dilettantismus in den Sand setzt.
Küchenpsychologie und Klischee
Alex, so heißt der von Schweighöfer verkörperte Protagonist, ist, so hat es zumindest zunächst einmal den Anschein, kein echter Mann. Er leidet unter Flugangst, wacht deswegen nachts schreiend auf. Er lässt sich von seiner zickigen, aufbrausenden Freundin unterbuttern. Er widerspricht nicht, schafft es nicht, den Macho aus der Nachbarwohnung zu bitten, etwas ruhiger zu sein, er lässt sich von seiner Freundin anschreien, ohne Paroli zu bieten. Und damit auch wirklich jeder versteht, welches Problem Alex eigentlich hat, ist Schweighöfer jedes Klischee zum soften Mann gerade recht. So fährt sein Protagonist mit seinem Mini-Fahrrad quer durch Frankfurt zur Arbeit und ist von Beruf natürlich Grundschullehrer, was sollte er auch sonst sein. Der Macho von nebenan ist natürlich ein echter Mann, einer, der seine Freundin, die ihn mit diesem betrügt, krankenhausreif vögelt. Und damit selbst die, die sich den Filmtitel zunächst einmal ins Deutsche haben übersetzen lassen müssen, verstehen, dass es sich bei seiner Freundin um eine herrschsüchtige Schlange handelt, lässt Schweighöfer kein Klischee aus, diese in ein schlechtes Licht zu rücken, sie rastet aus, wenn andere Leute schmatzen, sie mag die Freunde von Alex nicht, betrügt ihn schamlos und kommt zu ihm zurück, als sie ihrerseits verlassen wird, ohne sich auch nur im Ansatz geändert zu haben. Wie gesagt, hier ist einfach kein Klischee zu billig.
Das gilt natürlich auch für den Plot, der die stereotypen Handlungsbahnen des Genres zu keinem Zeitpunkt verlässt, sodass die Handlung in ihren groben Zügen genauso gut von einem Drittklässler stammen könnte. Die von Kekilli verkörperte gute Freundin des Protagonisten, bei der er schließlich einzieht, ist natürlich sehr sympathisch gestrickt, damit das Happy End zündet; so hat es sich Schweighöfer zumindest vorgestellt. Aber auch das klappt natürlich nicht, denn Schweighöfer macht neben den zahlreichen anderen einen weiteren gewaltigen Fehler: Sein Film ist nicht glaubhaft. Seine Charaktere sind derart überzeichnet, sie sind wandelnde Klischees, höchstens Karikaturen glaubhafter Persönlichkeiten und derart tief in Schubladen verpackt, dass ihr Schicksal nicht eine Sekunde zu fesseln vermag. Nichts, wirklich nichts an diesem gescheiterten Film wirkt realistisch, natürlich oder glaubhaft, sodass jeder Bezug zum Zuschauer komplett verloren geht. Und mit diesem steht und fällt eine Liebeskomödie für gewöhnlich.
Humorlosigkeit und Dilettantismus
Die Inszenierung zeugt vom Unvermögen Schweighöfers als Regisseur. Narrativ wirkt sein Film unausgegoren und brüchig. Immer wieder kommt es zu Szenen und Wendungen, die nicht so recht ins Geschehen passen wollen, vollkommen deplatziert wirken und dem Film endgültig den Wind aus den Segeln nehmen. Symptomatisch sind beispielsweise die Rückblenden in die Kindheit des Protagonisten, bzw. die Personen, die er sich ab und an einbildet. Schweighöfer mag das zwar für eine gute Idee gehalten haben, schließlich arbeiten ja viele große Regisseure mit solchen inszenatorischen Kniffen, aber hier wirken sie einfach nur fehl am Platz und haben überhaupt keine Aussagekraft. So sehnt sich der Film, durchweg kalkulierbar und zu keinem Zeitpunkt unterhaltsam, letztlich von Anfang an seinem Ende entgegen.
Zwei oder drei amüsante Szenen mag man dem Film, der als Komödie angelegt ist, dabei durchaus zugestehen, aber ansonsten laufen viele Gags ins Leere. Schweighöfer greift immer mal wieder auf Fäkalhumor zurück, nur, dass es nicht wirklich lustig ist, wenn er von einem Arzt einen Analspreizer in die Hand gedrückt bekommt, sich auf einer Party übergibt oder eine Frau mit dem Spruch “Warst du kacken?“ anmacht. Bei den übrigen Gags fällt es Schweighöfer ausgesprochen schwer, sie irgendwie ins Geschehen einzubetten, sie kommen nicht spontan und sorgen eher dafür, dass die Akteure aus der Rolle fallen. Wenn Schweighöfer beispielsweise von einem vollkommen überzogen kauzigem Hinterwäldler vor die Aufgabe gestellt wird, einen Baum zu fällen, wirkt das einfach fehl am Platz, wie so Vieles im Film. Hier und da ist vielleicht einmal ein Lächeln drin, mehr aber auch nicht, viel häufiger wird der Film, der auch so schon langweilig und ärgerlich ist, obendrein auch noch peinlich. Zu Herzen geht die Komödie letztlich überhaupt nicht, manche Gags schlagen dazu noch auf den Magen und wenn dann zum gefühlten hundertsten Mal im Hintergrund der Titelsong “What a Man“ ertönt, dann geht das dümmliche Treiben auch noch auf den Sack.
Selbstinszenierung und die Moral von der Geschichte
Letztlich kann der Schauspieler Schweighöfer seinen Film dann auch nicht mehr retten. Er hat sich hier einen miesen Film als Autor und Regisseur praktisch auf den Leib geschneidert, in dem er seine Paraderolle als deutscher Ashton Kutcher wie zuletzt auch in “Friendship“ spielen darf. Matthias Schweighöfer spielt also in einem Film von Matthias Schweighöfer über Matthias Schweighöfer, in dem Matthias Schweighöfer Matthias Schweighöfer inszeniert. Aber irgendwann sollte er seine Standardrolle auch mal abschütteln, denn so verschleißt er sich schnell, mit solchen schlechten Filmen natürlich noch schneller, auch wenn seine Fans ihm wohl auch diesen Schund vergeben werden. Daneben ist eine ordentliche Sibel Kekilli zu sehen und auch der restliche Cast überzeugt durchaus, aber gegen die Klischeehaftigkeit der Figuren können die Darsteller kaum anspielen. Immerhin schauspielerisch kann man “What a Man“ letztlich keinen Vorwurf machen.
Was ist denn nun ein echter Mann? Auch hierauf findet der Film keine Antwort, mitunter erhält man den Eindruck, dass ein echter Mann dann doch ein Macho ist, der dazu imstande ist, einer Frau beim Sex Knochen zu brechen und diverse Körperöffnungen zu überdehnen. Letztlich ist ein Mann dann aber doch einer, der immer er selbst ist. Genauso platt wie der gesamte Film, seine Figuren und seine Dialoge fällt also das Fazit am Ende aus und damit auch dies jeder versteht, wird es ungefähr zwanzig mal zum besten gegeben, etwa wenn Alex selbst diesen Schluss zieht, wenn seine Freundin sich einen solchen Mann wünscht oder wenn es einem verliebten Grundschüler erklärt wird. Vielleicht wird man aber auch ein echter Mann - ein stumpfsinniger aber tröstlicher Gedanke -, wenn man mit einer Axt einen Baum fällt.
Fazit:
Bei “What a Man“ hat Schweighöfer als Regisseur und Autor derart versagt, dass man ihn getrost zum filmischen Bodensatz zählen kann. Kein Klischee ist Schweighöfer zu billig, kein Dialog zu platt, kein Gag zu infantil. So ist letztlich ein Film zustande gekommen, der zu keinem Zeitpunkt vernünftig zu unterhalten vermag und zu allem Überfluss auch noch über weite Strecken nervt. Man darf hoffen, dass Schweighöfer dafür an den Kinokassen abgestraft wird, sollte sein Projekt mit etwaigen deutschen Filmpreisen ausgezeichnet werden, so wäre dies schlicht und einfach ein Armutszeugnis für den deutschen Film.
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