Dass Schauspieler auch gleichzeitig gute Regisseure sein können ist nichts Neues – ein Clint Eastwood beweist es uns fast jedes Jahr aufs Neue. Auch in heimischen Gefilden trat dieses Phänomen bereits auf, so beispielsweise mit Til Schweigers Keinohrhasen, einem Achtungserfolg, der zwar bis heute nicht wiederholt werden konnte, jedoch den einen oder anderen Darstellerkollegen inspiriert haben dürfte. Jedenfalls versucht sich mit What a Man nun auch Matthias Schweighöfer als Multitalent an dem populären Genre der sogenannten Romantik- oder Beziehungskomödien.
Die Handlung von What a Man ist ebenso schnell umrissen, wie sie (laut Schweighöfer im Interview) gebrainstormt wurde. Alex (Matthias Schweighöfer) ist ein devoter Warmduscher wie er im Buche steht. Er ist Grundschullehrer von Beruf, stets verständnisvoll und fürsorglich, aber eben auch ängstlich, extrem unterwürfig und hat null Selbstbewusstsein. Seine Freundin Carolin (Mavie Hörbiger) ist ein erfolgreiches Model und, wie könnte es anders sein, als dominantes, egoistisches Miststück der Gegenentwurf zu Alex. Kann das gutgehen? Dazu ein Filmzitat von Nachbar, Fotograf und Bikerstiefel-Macho Jens: “Einer von uns beiden geht jetzt ficken, aber ich wette das bist nicht du.” Und so kommt es dann auch. Carolin lässt sich fortan auf seiner Liebesschaukel nieder und Alex findet sich zwecks Schmerzbewältigung sehr bald in den Armen seiner guten besten Freundin Nele (Sibel Kekeli) wieder. Und anstatt seiner Freundin den Laufpass zu geben, sucht er die Schuld bei sich – und das nicht ganz zu Unrecht. Carolin bringt es für ihn auf den Punkt, ich zitiere: “Mann Alex, bist du total bescheuert? Mach doch mal was. Schrei mich doch mal an! Los, zeig doch mal, dass du ein richtiger Mann bist!” Nun hilft scheinbar nur noch eines: Alex muss zum Alpha-Mann werden, der den Frauen sagt, wo es lang geht. Aber wie geht das? Glücklicherweise gibt es ja noch Kumpel und Möchte-gerne-Frauenheld Okke (Elyas M’Barek), der zwar noch bei seiner türkischen Oma wohnt, aber immer einen weisen Spruch parat hat: “Weißt du Alex, Frauen sind wie Lutscher. Zuerst leckst du dran und immer weiter, und irgendwann hast du nur noch den Stil in der Hand.” Ob sich Alex vielleicht doch besser einen anderen Berater sucht? Und vor allem, was wird aus ihm und der ebenfalls vom Liebespech verfolgten Nele, die ja irgendwie ganz schnuckelig ist? Aber keine Angst, das werde ich hier natürlich nicht verraten.
Es wäre wirklich ein leichtes, diesen Film komplett zu zerreißen. Denn von der seichten Story und den stereotypen Charakteren mal ganz abgesehen, kann sich What a Man vor allem nicht entscheiden, ob er nun in erster Linie eine Parodie oder eine romantische Komödie sein möchte. Nicht, dass dies grundsätzlich ein Problem wäre, viele Filme schaffen diesen Spagat. Nur darf dies für den Zuschauer nicht spürbar werden, doch das tut es hier leider recht deutlich. What a Man nimmt sich streckenweise einfach zu ernst, möchte Gefühle und auch ein wenig Drama vermitteln, was in diesem Kontext einfach nicht gut funktionieren kann. Der Film macht in den Momenten Spaß, wo er sich nicht ganz so ernst nimmt und eben nicht versucht, ein Beziehungsfilm zu sein, sondern auf fast schon absurde Situationskomik setzt und dabei auch fast kein Klischee auslässt. So zum Beispiel beim Aufreißtraining in der Disco, wo Alex als vermeintlich cooler Rapper verkleidet eine kühle Edel-Blondine, die gerade vom Klo kommt, mit folgenden Worten anspricht: “Na? Warst du kacken?” Natürlich hat Alex auch noch völlig übersehen, dass ihr Freund direkt neben ihr steht. Da ist man dann als Zuschauer erst mal sprachlos und ertappt sich dabei, erst eine Überlegung später zu schmunzeln – aber immerhin.
Was ist nun die Quintessenz? Ich denke, Schweighöfers Regiedebüt ist trotz Identitätsproblem und schwachem Plot kein wirklich schlechter Film geworden, daher will ich auch nicht gänzlich von ihm abraten. Am besten man nimmt ihn als das, was er am besten kann bzw. verkörpert, nämlich als mehr oder weniger unfreiwillig gelungene und spaßige Parodie auf vorherrschende Rollenklischees – im Film auch Muschis und Alpha-Männer genannt. Mein Tipp: Weibliche Gesellschaft und Alkohol, beides in Maßen versteht sich, wirken bei diesem Film wahre Wunder als Spaßbeschleuniger.