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Beim dritten „Tatort“-Fall des Duisburger Ermittlerduos aus Horst Schimanski (Götz George) und Christian Thanner (Eberhard Feik) betraute man erneut Hajo Gies mit der Regie, der bereits Schimanskis Debüt verfilmt hatte. Erstausgestrahlt wurde „Der unsichtbare Gegner“ am 07. März 1982.

Im Leichenschauhaus versetzt Schimanski Frau Krage (Helga Engel, „Ganz unter uns“) einen Riesenschreck, als er ihr die Leiche ihres vermeintlichen Mannes zeigt – wie sich herausstellt, trug der Tote lediglich die Papiere ihres Gatten (Peter Bongartz, 1973-77 selbst als „Tatort“-Kommissar tätig) bei sich, der sich noch besser Gesundheit erfreut. Doch auch er ließ sich in einen Banküberfall und damit in die Gemengelange insgesamt vier an der Beute interessierter Ganoven verwickeln, was er alsbald mit dem Leben bezahlen muss. Den dritten (Hansjoachim Krietsch, „Fluchtversuch“) schießt Schimanski in Notwehr nieder, woraufhin dieser im Krankenhaus verstirbt. Der vierte (Reinhard Glemnitz, „Erotik im Beruf - Was jeder Personalchef gern verschweigt“) jedoch sinnt auf Rache, verschafft sich in dessen Abwesenheit Zutritt zu Schimanskis Wohnung und entsendet handfeste Morddrohungen. Daraufhin wird der Hauptkommissar zu seinem eigenen Schutz in ein Hotel verbracht – doch man ist ihm auf den Fersen…

Die Chemie zwischen Thanner und Schimanski wird in diesem „Tatort“ stark betont; es entwickelt sich eine Männerfreundschaft zwei gegensätzlicher Charaktere, in der Thanner Schimmi gern mal aufs Korn nimmt. Kriminalrat Kissling (Werner Schwuchow, „Aus einem deutschen Leben“) vertritt den Vorgesetzten der Kommissare und spielt sich als autoritärer Schimanski-Gegner auf, der mit dessen Unkonventionalität alles andere als einverstanden ist – all dies gehört zur Folklore gerade der frühen Duisburger „Tatorte“. Eine gewisse Sensibilität für soziale Belange beweist man, indem man mehrfach wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Abschwung anspricht. Wie Streifenpolizisten Schimanski für einen Betrunkenen halten, als sie ihn von einem Gangster niedergeschlagen verletzt zwischen Abfall liegend auflesen und vor allem, wie sie ihn behandeln, ist amüsant und zugleich als Seitenhieb gegen eine überhebliche, respektlose bis gewalttätige Polizei gedacht.

Der eigentliche Fall gerät da bisweilen etwas ins Hintertreffen, gewinnt zwischenzeitlich an Spannung, wenn Schimanski auf den dritten der skrupellosen Bankräuber und Gewalttäter trifft, flacht jedoch ab, wenn sich der Fall im letzten Drittel auf ein tatsächlich unsichtbares Duell zwischen Schimanski und seinem Mörder in spe beschränkt. Die Ermittlungen treten auf der Stelle, die Handlung ebenfalls, und das Finale entschädigt dafür nicht vollumfänglich. Dass sich Schimanski dem Schutz seines Refugiums entziehen würde, damit war zu rechnen – nicht jedoch, dass daraufhin rein gar nichts passiert und stattdessen Thanner den Fall löst. Dafür tritt erstmals der niederländische Assistent „Hänschen“ (Chiem van Houweninge) in Erscheinung, der fortan zum festen Ensemble gehören sollte. „Der unsichtbare Gegner“ zeigt, wie schnell aus einem Banküberfall mehrere Morde resultieren können, wenn die Täter nur skrupellos (und erschreckend professionell) genug sind, und präsentiert dem Zuschauer einen in Lebensgefahr schwebenden Hauptkommissar, der jedoch die meiste Zeit abwartend der Dinge harren muss. Damit versäumt man es, in den richtigen Momenten Spannung oder Suspense zu erzeugen, punktet jedoch mit einem gut aufgelegten Kommissarenduo, Lokal- und Zeitkolorit sowie dem alten Kampf zwischen Konformismus/Konservatismus und realitätsnäherem Individualismus mit klar verteilten Sympathien.

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