Weil Schimanski mal wieder auf die Dienstvorschriften scheißt und mit seinem alten Kumpel Hollai einen saufen geht, hat dieser jetzt ein Problem. Hollai ist nämlich seit drei Jahren undercover unterwegs, und hat sich das Vertrauen des Gangsterbosses Kessenich erarbeitet. Durch das gemeinsame Bierchen ist die Deckung aufgeflogen, und als Schimanski und Thanner ihren Kollegen bei Kessenich aus dem Keller holen, vermeintlich retten, ist dann die Tarnung endgültig im Arsch. Hollai ist also wieder zurück im regulären Polizeidienst. Akten wälzen, kleine Ganoven verhören, Dienstvorschriften beachten. Aber der Kriminalrat Königsberg weiß, dass Polizisten, die nach langer Zeit aus dem Außendienst zurückkommen, dass die so ihre Probleme haben mit dem Seitenwechsel. Und er vermutet, dass Hollai nicht ganz sauber ist.
Stimmungsbilder aus dem Ruhrpott. Schimmi sitzt auf einer Bank am Fluss, hinter ihm billige Mietshäuser und dreckige Hochöfen, auf der Bank neben ihm ein älterer Mann. Man kommt ins Gespräch, man versteht sich, und der Abend endet bei Opa Friedrich in der gemütlichen Bierschwemme bei reichlich Alkohol und Lustig ist das Zigeunerleben.
Auch schön: Die beiden Kumpels Schimmi und Hollai cruisen im roten Porsche vor dem Thyssen-Stahlwerk auf dem Abraum herum und pflegen ihre Freundschaft. Und einmal kommt sogar die Sonne raus, wenn eine schöne Frau durch die Duisburger Innenstadt geht, und Thanner, Hollai und Schimmi (in dieser Reihenfolge) sie verfolgen. Stimmungsbilder eben …
Aber da ist ja auch noch ein Krimi, immerhin reden wir von einem Tatort. Und dieser Krimi ist in seiner Leichtigkeit und der ständig mitschwingenden Ironie einfach hinreißend. Natürlich ist Hollai ein falscher Fuffziger, und natürlich ist Schimanski (dieses Mal) ein ziemlich guter Polizist, der seine persönlichen Siebensachen im Notfall auch mal zurückstellen und auf seinen feinen Instinkt und seine rüden Methoden setzen kann. Aber wie diese Geschichte umgesetzt wird, das ist einfach … ja, leicht und beschwingt. Nicht so dampfwalzig wie der erste Schimmi-Tatort, sondern mit viel Witz und Zeit für das Nebensächliche inszeniert. Dem Zuschauer ist klar wie der Hase läuft, aber was Hollai hier inszeniert um seinen Plan ausführen zu können, da muss man erst einmal draufkommen.
Ein wenig Action hat es natürlich auch, die Verfolgungsjagd im Parkhaus ist schmackig und spannend, aber vor allem eben auch hier wieder diese Leichtigkeit in der Inszenierung: Gerade eben haben sich Schimmi und Hollai noch geprügelt, aber aus ihrer langen Freundschaft kommen sie einfach nicht raus. Sobald sie bemerken, dass sie verfolgt werden, funktionieren sie sofort wieder als Team. Rein ins Parkhaus, drehen, und den Verfolgern frontal entgegen kommen. Und aufgelöst wird die Szene mit einem lakonischen Witz, wie so viele Szenen hier mit einer heiteren Note enden, ohne dass dabei das Erdige des Falls verloren geht. Meistens sorgt Thanner mit einem Kommentar für Heiterkeit beim Betrachter, und es ist der Regisseurin Ilse Hofmann hoch anzurechnen, dass die Stimmung der Folge dabei in keinster Weise verloren geht. GRENZGÄNGER war übrigens der erste Tatort, der von einer Frau inszeniert wurde!
Vor allem aus heutiger Sicht eine starke Episode: Die Stimmung einer deutschen Industriestadt der frühen 80er, verbandelt mit einem spannenden Krimi, gepaart mit Witz und Ironie, unterlegt mit erstklassiger und stimmiger Rockmusik von Marius Müller-Westernhagen, da kann der ein wenig arg cholerische und um sich schreiende Schimanski auch nicht viel kaputtmachen. Vor allem weil Günter Maria Halmer als Hollai mit seiner kühl-überlegten Art ein perfektes Gegenstück zu dem aufbrausenden Schimmi gibt, und dessen gelegentliche Exzesse somit wunderbar ausbalanciert. GRENZGÄNGER bietet wenig richtige Action, kaum einmal gezückte Waffen und herumrasende Autos, und schon gar keinen Toten, aber trotzdem bleibt die Grundspannung über die komplette Folge erhalten. Ein Fernsehkrimi wie man ihn sich nur wünschen kann.