Review

Man hört immer wieder von Leuten, die im Krieg Extremsituationen ausgesetzt waren und hinterher nicht mehr zwischen Realität und Vergangenheit unterscheiden konnten, manche zetteln gar einen Privatkrieg an, wie es uns „Rambo“ einst vormachte.
Dieser italienische Thriller geht zwar nicht allzu sehr in die Tiefe, doch die Regeln des Genres hat Regisseur Cosimo Alema recht gut durchschaut.

Für die sieben Twens um Lara sollte es ein Wochenende in der Natur werden, um sich beim Paintball ein wenig auszutoben. Doch als eine im Wald vermisst wird und ein anderer vor einem Maskierten wegrennt, wird kurz darauf einer der Freunde mit dem Gewehr erschossen. Noch wissen die Flüchtenden nicht, wer die Jagd auf sie eröffnet hat…

…der Zuschauer ahnt dies jedoch bereits beim Intro, als zwei Typen Minen in die Erde buddeln und der spätere Anführer „Uncle“ ein paar spezifische Bemerkungen macht.
Genaueres erfährt man zwar bis zuletzt nicht, doch offenbar handelt es sich um sadistische Soldaten, die neben Hunde auch Zivilisten jagen und quälen.
Die potentiellen Opfer bilden einen austauschbaren Haufen von denen kaum jemand durch eine besondere Persönlichkeit heraussticht, wobei eine Vorstellung beim Paintball, mit Schutzbrillen und Einheitskleidung ohnehin nicht von Vorteil für die Figurentiefe ist.

Allerdings nimmt der Vorlauf nicht allzu viel Zeit in Anspruch und es dauert nicht lange, bis die sechs Verbliebenen, aufgescheucht von Tränengas, in kleinen Grüppchen in den Wald laufen, während die drei, vier Soldaten in aller Seelenruhe auf ihre Opfer lauern.
Nebenher wird noch das morbide Hauptquartier mit Kellerraum und einigen makaberen Werkzeugen entdeckt und einige Verletzte müssen versorgt werden, da die Jäger ihre Übermacht deutlich auszuspielen versuchen und mit ihrer Beute spielen.

Allerdings können die irrationalen Verhaltensweisen schon mal zur Weißglut treiben, da verschiedene Protagonisten im falschen Moment laut werden, nicht das Waffenarsenal des Gegners nutzen und die komplett unbrauchbarsten Verstecke weit und breit wählen.
Die Jäger werden zum Ende hin allerdings auch reichlich nachlässig, denn schließlich können sie nicht erahnen, welche Gegenmaßnahmen die Opposition in der Zwischenzeit ergriffen hat, - da latscht man nicht einfach schutzlos und ohne sich umzusehen aus seinem Verschlag heraus.

In Sachen Splattergehalt dürfte die deutsche Schere wieder mächtig ansetzen, so dass ein abgetrenntes Bein, ein Kehlenschnitt, bohrende Finger im Auge, eine Spitzhacke in der Brust und Schläge mit der Machete im Rücken entweder nur teilweise oder gar nicht zu sehen sein dürften. Die Qualität der handgemachten Effekte ist durchweg ordentlich, auch wenn die Kamera meistens nur einen kurzen Augenblick draufhält.
Jene liefert im Übrigen eine gute Leistung, da sie um effektive Perspektiven bemüht ist und gerne mal mit dem Verändern des Fokus` spielt, was bei einigen Szenen ungemein Suspense schürt. Hinzu kommen einige Sichtweisen aus Beobachtungsecken, welche ebenfalls effizient mit dem Schnitt abgestimmt sind.

Insgesamt steckt phasenweise ordentlich Drive dahinter und dennoch kommen auch ruhige Passagen zur Geltung, etwa, als ein Soldat den Wind in den Feldern genießt oder in prekärer Situation höchste Eisenbahn für eine Liebeserklärung ist.
Darstellerisch pendeln sich die Darbietungen auf passablem Niveau ein, gleiches gilt für den Score, den neben ein bis zwei Songs überwiegend aus Soundcollagen besteht, welche die hilflose Situation der potentiellen Opfer angemessen unterstreicht.
Eine Offenbarung ist das Ganze natürlich nicht und auch den finalen Twist riecht man meilenweit gegen den Wind, doch Genrefans können einen Blick riskieren und dürften, wenn man kein Wunderwerk der Innovationen erwartet, kurzweilig unterhalten werden.
6,5 von 10

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