"Er ist ein Junge noch und schon ein Mann!"
Endlich habe
ich es geschafft meinen Robin Hood Rewatch zu voll ziehen. Lang lang
ist es her, dass ich diesen Anime, damals auf RTL 2 als die Welt noch
in Ordnung war, gesehen habe.
Nun stellt sich die Frage ob mich dieser Klassiker auch noch heute, mit 22, wie damals begeistern konnte.
EINDEUTIG JA! Robin Hood hat sogar meine Erwartungen übertroffen und
konnte mich noch viel mehr in seinen Bann ziehen als damals!
Als
erstes sollte erwähnt werden, dass die Anime Version mit der
eigentlichen Geschichte von Robin Hood nicht wirklich viel gemeinsam
hat. Zwar gibt es auch hier Little John, Marian, Prinz John & Co,
aber alle Charaktere inkl. Robin Hood sind noch relativ jung
(geschätztes Alter : 13 bis 16). Und auch sonst haben die Charaktere
dieser Serie nur wenig mit ihren "Originalen Vorbildern" zu tun.
So gab es z.B. im total langweiligen Kinofilm "Robin Hood – König der Diebe",
mit dem völlig überschätzten Kevin Costner, weder einen Lord Alwin noch
einen tapferen Ritter Gilbert, dafür den Sheriff von Nottingham, der ja
bekanntlich einer der wichtigsten Robin Hood Charaktere ist.
Auf
diesen Sheriff hat man in der Anime Version komplett verzichtet, dafür
gibt es den bereits erwähnten Lord Alwin, der wohl so was wie diesen
Sheriff verkörpern soll.
Zusammenfassend kann ich klar sagen, das
für mich die Anime Version die beste aller Robin Hood Varianten ist.
Sie bietet herrlich viel Abwechslung, tolle Charakterentwicklung und
hervorragende Botschaften, wie den Glauben an sich selbst oder den
Zusammenhalt der Freundschaften, an die Kinder und Jugendlichen.
Natürlich
hat diese etwas in die Jahre gekommene Serie auch ein paar kleine
Schwächen. Sie ist mit 52 Folgen ein wenig zu lang geraten, zudem
nervten einige nervige Filler-Folgen, wie z.B. die dämliche UFO Folge
oder die total hirnrissige Zauber-Baum Folge. Aber wenn der Hauptplot
an der Reihe ist, wird es eigentlich nie langweilig. Der
Spannungs-Bogen wird sehr weit gespannt und lässt jede Folge (manche
auch mit einem Cliffhanger Ende) ruhig und gelassen ausklinken.
Bereits
nach Folge 39 hätte man den Anime hervorragend beenden können und ich
wäre auch sehr zufrieden mit dem Ende gewesen. Aber auch nach Folge 52
war ich überhaupt nicht enttäuscht. Keine Fragen bleiben offen, alles
ist geregelt und geklärt. So muss eine abgeschlossene Serie sein!
Natürlich
darf man keine überdimensionalen Animationen erwarten. Der Anime ist
leider schon ein wenig gealtert. Aber für seine Zeit waren die
Zeichnungen sehr liebevoll gestaltet. Da ist es nur halb so schlimm,
wenn einige Szenen wieder und wieder zum Szenen-Recycling verwendet
werden. Auch der Charakterdesign lässt sich hübsch ansehen. Man merkt
richtig, dass die Zeichner damals mit viel mehr liebe an ihre aus Hand
gezeichneten Figuren heran gegangen sind. Besonders die wechselnde
„Optik“ von Marian fand ich richtig hübsch. Sie sah später erheblich
cooler und besser aus.
Mach ich gleich bei den Charakteren
weiter. Wie im vorletzten Satz erwähnt wandelt sich Marian nicht nur
optisch, sondern auch von ihrer Art sehr zum positiven. Zwar nervten
anfangs ihre „Ich muss MICH töten, ich muss Lord Alwin töten“- Thesen,
aber später nimmt sie davon weiten Abstand und sie wird zu meinem
weiblichen Lieblingscharakter.
Auch Robin ist hier ein ziemlich
gelungener Charakter. Damals dachte man noch nicht daran, seine
Charaktere mit „Emo-Gekreische“ auszustatten. Robin ist immer auf der
Spur der Gerechtigkeit, allerdings bestehlt er hier nicht die Reichen
und schenkt es den Armen, so wie in der Originalversion. Diesen Part
übernahm Robins Vater George. Deswegen ist dieser Robin Hood als eine
Art "Robin Hood Jr." anzusehen.
Die Verwandten von Robin : Barbara,
Will und Winnifred wirken eher wie 3x das 5te Rad am Wagen. Sie treten
eigentlich nur in den langweiligen Filler Folgen richtig in
Erscheinung. Im Prinzip hätte diese Serie auch ohne diese 3 Personen
funktioniert.
NICHT funktioniert hätte diese Serie ohne Little John
und seiner Bande. Sie sorgen für die nötigen Lacher und später auch für
eine gehörige Portion Spannung und einen kleinen Tropfen Dramatik.
Lord
Alwin ist der Schurke in dieser Serie, allerdings ein sehr gelungener
Schurke. Seine Entschlossenheit an Macht und Ruhm zu kommen macht ihn
die meiste Zeit zu einem echten "Bad Ass".
Mein absoluter
Lieblingscharakter war jedoch der tapfere Ritter Gilbert. Er ist dieser
typische "weder MEGA ultra böse Schurke noch keimiger und schleimiger
Superhero" Charakter. Er ist der ultimative Rivale von Robin. Auch
seine Schwester Cleo ist einer der interessantesten Charaktere in
dieser Serie.
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich
diesen Anime auf deutsch geguckt habe (die DVDs bieten leider keine
japanische Tonspur). Allerdings ist die deutsche Synchro hier Million
mal besser als 90% aller Synchronisation-Arbeiten der Neuzeit. Was
daran liegen mag das hier wirklich gute Sprecher am Werk sind.
Irgendwie
ist es Ironie des Schicksals : Robin wird hier von David Nathan
gesprochen, der heute u.a. Johnny Depp und Christian Bale spricht. Will
hingegen wird von Simon Jäger gesprochen, der wiederum Heath Ledger
spricht bzw gesprochen hat, bis zu seinem Tod. Lange Zeit nach Robin
Hood sprachen also beide die zwei Hauptrollen in dem wahrscheinlich
besten Film des neuen Jahrtausends : The Dark Knight!
Stefan
Friedrich spricht hier meinen Lieblingscharakter Gilbert, der heute der
Stamm Sprecher von Jim Carrey ist. Die Synchronisation kriegt eine
glatte 2! Denn Abzug gibt’s für die bescheuerten Tierstimmen, die
ebenfalls von Menschen gesprochen wurden.
Achja das auf deutsch gesungene Opening gefiel mir auch sehr gut und hat einen absoluten passenden Text zur Serie.
Ich
empfehle Robin Hood sowohl allen Rewatch-Fans, als auch jeden der
diesen Anime noch nie gesehen hat. Er kann locker mit den Animes von
heute mithalten!
Fazit : Die beste Robin Hood Version! Spannungsreiche Abenteuer-Geschichte voller tollen Ideen und Wendungen.
Robin Hood bekommt 8 von 10 Sprünge von der Klippe ins Wasser.
8/10