Eine erstmal nur theoretisch angenehme Angelegenheit mit ungewollten Nebeneffekten. So ist es zwar staunens- und angesichts des Zuwachses im Horrorgenre auch lobenswert, dass ausgerechnet die diesem eigentlich negativ gegenüberstehenden Chinesen sich nun vermehrt in Sachen Schock und Grusel und das auch mit wesentlichen finanziellen Erfolg erproben, sprechen die jeweiligen Ergebnisse in der filmischen Reife allerdings nicht gerade Bände. Scary Spirit on a Desert Island [ wörtliche Übersetzung ], der mitentscheidende und die sonstige Konkurrenz überragende Sensationserfolg diesen Jahres, ist mit allen wenigen Stärken und den umso deutlicheren Schwächen das Musterbeispiel dieser Entwicklung schlechthin. Zwar gab es auch zuvor die vor allem auch aufgrund der geringen Finanzierungskosten an den Kassen profitablen und zuletzt gar gehäuften Erzeugnisse der für das Land neuen cineastischen Natur [ The Deserted Inn, Lost in Panic Room, Midnight Beating, Devil Inside Me, Man behind the Courtyard House ], durfte man die meisten Produktionen aber mit einem eher moderaten Zugewinn und niemals ganz oben an der Spitze von Mundpropaganda und Box Office vermuten; zumal sie eher dem Bereich des psychologischen Thrillers als des wahren Spiels mit Angst und Schrecken zugehörig waren.
Währenddessen stellt sich die Xi'an Mei Ah Culture Communication (CN), Beijing East Light Film (CN) Co-Produktion als zeitgenössischer survial game Schauder mit Anleihen beim Geisterfilm, beim Slasher und auch bei „Zehn kleine Negerlein“ - artigen Krimi mit Rateeffekt dar, und konnte sein Budget von nur 5 Mio. Yuan mit einem Einspiel von 90 Mio. Yuan gleich schlagartig vervielfachen; in dessen Folge entsprechend weitere Varianten der backwood - lastigen Erzählung, allen voran Harpoon angekündigt wurden. Ein wundersames, eventuell auch einmaliges Glück für die Produzenten, denn das Geschehen auf der Leinwand, die bessere DTV-Schöpfung dahinter ist die Auf- und Erregung theoretisch so überhaupt nicht wert:
Zwecks einer fortgeschrittenen Fernsehsendung im Dokustil, gehostet vom Search Planet Sender unter Führung von Chen Jiadong [ Philip Keung ], machen sich mehrere Kandidaten in Zweierteams in der südostasiatischen Javasee in Richtung der isolierten Binlusai Islands auf; immer begleitet und beobachtet von den TV presenter Stanley [ Jessica Xu ] und Kameramann Ken [ Shaun Tam ]. Durch einen ungeplanten Schiffsunfall ohne Orientierung und Kontakt zur Außenwelt auf dem unwirtlichen Ödland verschlagen, bricht unter den acht Kandidaten Shen Yilin [ Mini Yang ], Peng Fei [ Jordan Chan ], Ono Hiroshi [ Hayama Hiro ], Guan Zhichun [ Janel Tsai ], Tina [ Maggie Lee ], Chen Liangliang [ Anya Wu ], Shi Nan [ Tsui Yin-yau ] und Zhang Xiaolong [ Wong You-nam ] erst Misstrauen untereinander und bald Furcht und Panik angesichts der Situation aus. Zunehmend unheimliche Vorgänge, schlagartige Angriffe aus dem Hinterhalt und der Zustand der Insel als ehemalige Leprakolonie und einem niemals aufgeklärten Mord in den Siebzigern lassen bald jegliche Organisation in ein schieres Chaos ausbrechen.
Wie gewohnt und üblich bei unkreativen Schnellschüssen machen sich die Vorahnungen und Vorwarnungen schon in den ersten Minuten breit. Nicht nur eine Rückblende in die Jahrzehnte zuvor wirft die ersten dunklen Schatten auf die auch gar nicht so heimelig ausschauende Insel, die nunmehr schon das Grauen der Ankunft ausstrahlt; auch eine weitere verbalisierte und mit Symbolen zusätzlich versehene Deutung des Kommenden nimmt der etwaigen Idylle ihren letzten Reiz. Auch desweiteren geht es Schlag auf Schlag, ohne eine wahre Atmosphäre und die Spannung auf Mehr, auch in der Charakterisierung der Figuren und der Vorstellung der Geschichte dahinter zu initialisieren. Dabei ist der Schauplatz der auch isoliert erscheinenden, bis auf Grau- und Grüntöne farblich entfärbten Insel im auch namentlichen Niemandsland und ohne geographische Formulierung durchaus gut gewählt, zudem die wenigen Anzeichen einer ehemals existierenden, da aber schon stark reduzierten Zivilisation zusätzlich mehr Bestürzung und Beklemmung als Zuversicht und Vertrauen aussprechen. Christliche Rituale in der verwilderten Kirchenbank, in dessen Mitte und Umrandung das vorherrschende Naturreich seine Wurzeln geschlagen hat, wechseln sich mit buddhistischen Glauben und Irrglauben sowie der mysteriösen Besorgnis von übernatürlichen Begebenheiten ab.
So verlottert und verwildert, wie die dann nahezu einzige Arena für Teilnehmer und Zuschauer auch ist, so abgewirtschaftet funktionieren auch Drehbuch und Regie. Während sich ersteres nicht allzu viel Konstruktives, dafür erst den Angriff des Getiers von außen, dann das innere Mißtrauen der Menschen untereinander, dies aber allesamt schablonenhaft einfallen lässt, kompensiert und korreliert gleichermaßen die Inszenierung. Ein wirkliches Reinkommen in die eh schon zunehmend abstruse, wenngleich im Grunde immer noch die Regeln des Genres benutzende Erzählung ist schon aufgrund einer seltsam dilettantisch scheinenden, wohl aber so beabsichtigt amateurhaften Darstellung samt Kamera- und Schnitttechnik nicht wirklich gegeben. Eine Abfolge eh schon oft leerer Geschehnisse, die aufgrund der strengen landeseigenen Zensur und des Unmuts der Bürokratie –verboten sind "violations of state religious policy, dissemination of cults and superstition… Content that mixes murder, violence, terror, monsters, and spirits, [offensive "value orientation"], killing, gore, violence… excessively shocking visuals, dialogue, background music, or sound effects." – nur die Fassade, die Ausrede für Fassungslosigkeit und Entsetzen verkörpern, werden hier obendrein noch mit einer holpernden Sprunghaftigkeit voller Lücken, logischer Widerstrebungen und chronologischer Unordnung artikuliert. Figuren laufen nach vorne, stürzen aber nach hinten. Wechseln von einer Sekunde zur anderen den Raum, sind einmal weg und plötzlich alle wieder da. Selbst simple Bewegungsfolgen haben keinen einheitlichen Fluss, sondern wirken in der Montage unnatürlich stammelnd, wie gebrochen. Die Kamera schwenkt anfangs ununterbrochen, ohne interessante Bilder oder gar Ruhe zu finden. Die erst angenehm authentische Kulisse des zugewachsenen Waldes und des Biotops aus Dickicht und Überbleibseln einer Holzbehausung wird durch viel zu hellen und gehäuften Einsatz von Scheinwerfern selbst bei den nächtlichen Vorfällen wie im Rampenlicht erleuchtet; während sämtliche Fauna wie Wildschwein, Bienenschwarm oder selbst eine Katze aus dem PC und dies äußerst schlecht getrickst stammt. [Die Katze ist nicht mehr als ein dunkler, verwischter Fleck.]
Wohl mehr aus Zufall und wie aus ominöser Neugier gelingt dem so recht zwiegespaltenen, sich immer wieder eigens revidierenden, mit einem Sprachenwirrwarr aus Mandarin, Kantonesisch, Englisch und Japanisch noch obendrauf zerreißenden Abenteuer mittig dann doch manche bessere Szenen. Eng an der vorgeschriebenen Bestimmung vorbeimogelnd sind mehrere Andeutungen von Bedrängnis bis hin zur physischen und psychischen Gewalt [wie eine Säuredusche oder das Verbrennen bei lebendigen Leibe], ein vergleichsweise offenherziger Umgang mit cleavage und anderweitig nackter Haut und das Erproben einer Missstimmung von allgegenwärtiger und allumfassender Paranoia, die schließlich zu tätlichen Angriffen als vorbereitende Verteidigungsmaßnahmen der sich bisher auch zurückhaltenden, da erst argwöhnisch abschätzenden Teilnehmerschar führt. Szenen, für deren Umsetzung eigens ein kantonesischer Filmemacher, mit Rico Chung allerdings eher ein unbeschriebenes Blatt und normalerweise mehr als Autor bekannt gewordener Mann engagiert wurde, der sich nach der Übernahme prompt mit dem Problem konfrontiert sah, die Dinge nicht so drehen zu können (dürfen), die ihm vorschwebten. [Das Gezedere mit der Freigabe verzögerte auch mehrmals den Starttermin.]