Review

„Savate“ bezeichnet einen bestimmten Stil beim Kickboxen, allerdings wage ich zu bezweifeln, dass der gleichnamige Film wirklich die wahre Geschichte des ersten Kickboxers der Welt erzählt, wie das Cover der britischen Prism Leisure DVD behauptet.
1865, kurz nach den Ende des Nord-Süd-Konflikts in Texas: Joseph Charlegrand (Olivier Gruner) ist ehemaliger Angehöriger der französischen Fremdenlegion und hat vorher in Mexiko gedient. Doch drei übereifrige Einheimische halten ihn für einen Yankee und müssen erst mit einer paar Tritten vors Fressbrett zur Aufgabe überredet werden. Damit kann der Film gleich zu Beginn eine optisch sehr ansprechende Klopperei bieten, die Lust auf mehr macht.
Doch Joseph lässt das Trio ziehen, obwohl sein Pferd am Verrecken und seine Wasserflasche löchrig ist (beides aufgrund der drei schießwütigen Krawallmacher). Soviel Freundlichkeit wird mit Beinahe-Verdursten in der Wüste belohnt, doch das Farmerehepaar Cain (Ian Ziering) und Mary Parker (Ashley Laurence) findet ihn und nimmt ihn mit. Dies ist nur eines der wenigen klassischen Westernelemente, denn in „Savate“ mischen sich B-Action und Western zu gleichen Teilen.

Doch die Parkers und die anderen Einwohner ihres kleinen Städtchens haben große Sorgen: Der Stadt droht mit einer Steuer von 1000 Silberdollar – bei Nichtzahlung wird das Land gepfändet und weitergekauft. Interesse daran hat auch der skrupellose Privatmann Benedict (R. Lee Ermey), der die Einwohner schon mit allen Mitteln zum Verkauf zwingen will. Joseph stellt sich auf die Seite seiner Retter...
Einen Blumentop gewinnt der Plot von „Savate“ sicherlich nicht, denn die Story bringt recht geradlinig verschiedene Handlungsstränge zusammen, so dass sich gleich drei Probleme auf einmal lösen lassen: Die Steuer, die Beseitigung des fiesen Benedict und sowie das Duell zwischen Jospeh und seinem Erzfeind Ziegfield von Trotta (Marc Singer). Doch die Story wird temporeich erzählt und es kommt ein solides Maß an Spannung auf, auch wenn man die meisten Wendungen schon irgendwie aus anderen Genrefilmen kennt. So gibt es die alte Rechung zwischen Joseph und Von Trotta, eine Nebenfigur muss den Fieslingen zum Opfer fallen usw. Doch es kommen keine Längen auf, da die Actionszenen recht gut gesät sind.
„Savate“ zeigt die typischen Merkmale des Stils von Regisseur Isaac Florentine, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie z.B. „Cold Harvest“. Die Inszenierung hat einen leicht comichaften Touch (leicht schräge Kameraperspektiven usw.) und auch die Story erinnert etwas an einen Comic. Wie sonst könnte man den (auch im O-Ton) teilweise deutschredenden Fiesling Von Trotta (inklusive Monokel), das Kickboxturnier im wilden Westen und die französische Fremdenlegion ansonsten in einem Film unterbringen? Auf ernsthafte Art bestimmt nicht. Mir hat es gefallen, dass die Comichaftigkeit noch nicht ganz so übertrieben ist wie in späteren Florentine-Filmen (hier ist die Schwerkraft noch in Kraft usw.). Die Westernatmosphäre wird recht gut rübergebracht, vor allem der Soundtrack sorgt hier für die richtige Stimmung.

Die Actionszenen bieten ein paar kurze Westernduelle, aber in erster Linie Martial Arts. So sind die Shoot-Outs zwar nett anzusehen, aber ziemlich kurz und nicht so spektakulär. Auf der Ebene der Fights wird es dafür umso besser: Es gibt reichlich und spektakulär auf die Mütze und auch inszenatorisch spielt „Savate“ in der gehobenen B-Klasse, was den Einsatz von Kamera, Zeitlupe usw. angeht. Vor allem Gruner darf einige sehr spektakuläre Moves zeigen, während Marc Singer als Fiesling zwar etwas unbeweglich ist, aber durch schiere Körpergröße gefährlich wirkt.
Gruner spielt den B-Actionhelden überzeugend und charismatisch, weshalb es keinen Anlass zur Klage gibt. Die Fieslinge sind ebenfalls herrlich böse, allen voran Marc Singer und R. Lee Ermey. Ian Ziering und Ashley Laurence geben die guten Seelen recht ordentlich und Donald Gibb ist in einer kleinen Rolle als Farmer zu sehen. James Brolin hat eine eher unbedeutende Rolle, während die restlichen Nebendarsteller zwar ganz gut, aber auch relativ bedeutungslos sind.

„Savate“ ist unterhaltsames Florentine-Entertainment und liegt auf ungefähr dem gleichen Niveau wie „Cold Harvest“, denn auch hier bügeln Action und Atmosphäre die schlappe Story aus, wobei ich „Savate“ etwas temporeicher und besser fand.

Details
Ähnliche Filme