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Die authentische Geschichte entzieht sich üblicher klarer Genrezuordnungen und ist Krimi, Comedy und Drama in einem. Diese Entscheidung sorgt für das schöne Gefühl, dass man als Zuschauer stets im Unklaren darüber ist, was als nächstes passiert und dementsprechend will man dem Geschehen bis zum Ende folgen. Aber leider springt irgendwie nicht konsequent der emotionale Funke zur Hauptfigur Eddie über und die gefühlsmäßige Beziehung zu seiner Geschichte und Familie bleibt etwas blass wie die fast farblosen winterlichen Bilder im Film. GANGSTERS, der im Original einfach nur wie sein Titelheld EDWIN BOYD heißt wirkt ein wenig wie "PUBLIC ENEMIES light" um mal einen Vergleich zu bemühen.

Die Geschichte des Kriegsveterans Edwin (Eddie) Boyd (Scott Speedman) beruht auf einer wahren Geschichte. Statt ein Star in Hollywood zu werden - was sein Traum ist -  muss er leider Banken ausrauben und seine Familie zu versorgen. Er wird zum kultigen Medienstar und natürlich hat der Ruhm nicht nur positive Seiten….Scott Speedman (UNDERWORLD, ANAMORPH, THE STRANGERS) gefällt mir sehr gut in der Rolle des zwischen den Welten zerrissenen Charakters, der eigentlich nur Gutes tun will, aber an den eigenen Ansprüchen und sich selbst scheitert. Gut gelingt die selten so ausführlich dargestellte Auswirkung eines Gangster- und Knastlebens auf das Umfeld der eigenen Familie.

GANGSTERS scheint das Erstlingswerk von Regisseur Nathan Morlando zu sein und dafür ist er recht solide geraten. Aber er ist auch in vielen Phasen etwas konservativ und ohne nachhaltige eigene Note aus meiner subjektiven Sicht. Wenn man sich mit der Figur Boyds ein wenig außerhalb des Films beschäftigt, stellt man fest, dass GANGSTERS nicht wirklich nah am wirklichen Leben von Boyd orientiert ist und auch die künstlerische Freiheit und Fiktion eine gehörige Rolle spielt. GANGSTERS suggeriert durch sein übersichtliches dramaturgisches Tempo subjektiv eine deutliche Überlänge, die er mit rund 105 Minuten eigentlich gar nicht hat.

Und Action ist hier nicht Mittel zum Zweck und wer in Krimis oder Thrillern blut- oder bleihaltige Luft sucht ist fehl am Platz. Das übliche Hollywood mit Autostunts, wilden Verfolgungsjagden und blutigen Exzessen ist meilenweit entfernt. Auch aufwendige sonstige Actionszenen und Effektspektakel werden von GANGSTERS in seiner Konzentration auf den Inhalt bewusst vermieden. Regisseur Morlando kommt es auf eine glaubwürdige Darstellung der Geschichte und die charakterliche Auslotung der Hauptpersonen an. Für Freunde von filmischen Mischformen zwischen Krimi mit heiter-melancholischer Note und ernsthaftem Charakterdrama ist er allemal einen Blick wert.

5,5/10 Geldsäcken….äh,….Punkten

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