Mittlerweile ist Found Footage innerhalb der Genre Horror und Thriller ein fester Bestandteil, doch was zuweilen spannend zu verfolgen ist, weil bestimmte Abläufe eben nicht von einer Kamera erfasst werden, kann auch ins Gegenteil umschlagen. Heißt, wenn ein Bösewicht jeden Augenblick seines potentiellen Opfers per Knopfdruck verfolgen kann, sind die Machtverhältnisse relativ einseitig verteilt.
James (Nick Stahl) und Amy (Mia Kirshner) führen eine ganz durchschnittliche Ehe ohne Besonderheiten. Zwar wundert man sich über einen Sampler, den niemand der beiden gebrannt haben will, doch als Amy eines Tages spurlos verschwindet, wird James zusehends unruhiger. Die alarmierten Cops können und wollen nicht aktiv werden, also muss James selbst das Heft in die Hand nehmen…
Die Geschichte steigt mit einem Blick durch eine Handkamera ein, welche zunächst ein Haus, kurz darauf ein Auto heranzoomt. Nachts lauscht der unbekannte Stalker nahe des Schlafzimmer des Paares, einen Tag später beobachtet er, wo der Wohnungsschlüssel versteckt wird , - kurz darauf befinden sich rund ein Dutzend versteckte Kameras in der Wohnung verteilt, während drei in James Wagen angebracht sind.
Das Geschehen wird ausschließlich durch die verschiedenen Bilder der Überwachungskameras geschildert, eine variable Perspektive kommt zu keiner Zeit zum Einsatz.
Vor – und Nachteile liegen dabei fast schon auf der Hand, denn natürlich bewirkt das Eindringen in die eigenen vier Wände ein latent beklemmendes Gefühl, doch anderweitig bringt es die beiden Hauptfiguren kaum auf den Punkt. Emotionale Momentaufnahmen bleiben außen vor, denn die statischen Perspektiven erzeugen eine deutliche Distanz zu den Protagonisten, da helfen auch keine Kameras am Bildschirm eines Laptops.
Überhaupt ist es zweifelhaft, dass besonders in einem Auto so eine Kamera unentdeckt bleibt und die am Computer würden auf kurz oder lang zumindest bei wachsamen Leuten entdeckt werden. Hinter der Abdeckung des Weckers möglicherweise nicht so rasch, doch dafür hätte der Eindringling definitiv mehr Zeit benötigt, auch wenn er auf diesem Gebiet offenbar recht geübt scheint.
Welches Ziel der Unbekannte indes verfolgt, bleibt bis zu den letzten Einstellungen völlig im Dunkeln, denn das nahe liegende Motiv von Rache darf im Verlauf mehrfach angezweifelt werden.
Problematisch ist beim Aufbau der Geschichte die schleppende Entwicklung. Die Hälfte der Zeit steht einzig James im Vordergrund, der aus nachvollziehbaren Gründen immer unruhiger wird, jedoch auch nicht allzu viel unternimmt, um seiner Frau auf die Spur zu kommen, während der Stalker eher passiv im Hintergrund bleibt. Spannend wird es erst, als dieser aufzufliegen droht, fast von James in der Wohnung überrascht wird und mit dem Auto fliehen muss. Nur merkwürdig, dass er beim häufigen Beobachten des Hauses nie auffällt.
So wird der Zuschauer in „388 Arletta Avenue“ zum Voyeur makaberen Treibens, in dem sich Nick Stahl passabel präsentiert, jedoch kein überdurchschnittliches Interesse für seine Figur erwecken kann. Die Sichtweise durch die fest angebrachten Überwachungskameras wirkt auf Dauer ein wenig eindimensional, zumal Sound und Ton entsprechend minder qualitativ ausfallen. Die Erzählung selbst wartet mit einigen Logiklöchern und Unwahrscheinlichkeiten auf, während die Entwicklung bis zum Showdown ein wenig schleppend voran geht.
Ein Thriller, dem es eindeutig an Höhepunkten mangelt.
5 von 10