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Trotz der versierten Regie Ernest Dickersons ist „Juice“ ein lediglich mittelmäßiger Ghettofilm geworden.
Das Jugenddrama beschreibt das Leben der vier Freunde Quincy (Omar Epps), genannt Q, Bishop (Tupac Shakur), Steel (Jermaine 'Huggy' Hopkins) und Raheem (Khalil Kain), die im Ghetto aufwachsen. Außer Aufschneidereien und Abhängen in der Spielhalle haben die vier nichts zu tun, die Schule ist ihnen egal. So beschäftigt sich „Juice“ bald mit der Frage nach den verschiedenen Auswegen.
Dabei werden zwei Lösungen angeboten: Hobby DJ Q versucht durch die Musik seiner Situation zu entkommen, während die anderen teilweise an Kriminalität als Ausweg glauben. Allerdings fängt „Juice“ hier an, ziemlich schematisch zu werden: Einer ist der angehende Kriminelle, Kumpel Nr. 2 ist unentschlossen, schließt aber Raubüberfälle zum Gelderwerb nicht aus und der letzte ist vor allem Mitläufer. Schnell zeichnet sich auch ab, welches Mitglied des Quartetts jeweils in welches Schema passt.

Dabei erweist sich „Juice“ anfangs als durchaus glaubwürdige Schilderung des Ghettolebens: Diskriminierung und Verzweiflung an jeder Ecke, kaum Auswege parat und selbst Q, die positivste der Hauptfiguren ist kein Engel, wie ein von ihm organisierter Plattenklau im örtlichen Musikladen beweist. Zwar ist das Ganze teilweise sehr klischeehaft, wenn z.B. die Schulbücher zu Hause bleiben müssen, damit man mit dem Ghettoblaster in der Schule aufkreuzen kann, doch glaubwürdig ist die Chose trotzdem.
In Hälfte zwei fängt die eigentliche Handlung dann und es passiert mehr, doch leider wird es hier noch etwas simpler. Einer aus dem Quartett entwickelt sich zum totalen Klischeepsychopathen, Waffenfetischismus und Verlogenheit inklusive, obwohl man davor kein Anzeichen davon gemerkt hat. Es eskaliert (wie im Ghettofilm üblich) die Gewalt, ehe der Film dann zu einem handelsüblichen und unsanft abrupten Ende kommt.

Doch teilweise kann Dickerson zeigen, was für Potential „Juice“ gehabt hätte, denn einige Einzelszenen können wirklich begeistern. Da wäre die überraschend packend gemachte DJ Battle im Club oder der dramatische Showdown. Zudem merkt man „Juice“ die Moral an, dass Gewalt und Kriminalität keine Lösung sind, ohne dass Dickerson zu sehr aufträgt.
Omar Epps zeigt in seiner frühen Rolle, dass er ein sehr talentierter Schauspieler ist und dass man ihn nicht umsonst in Hollywoodproduktionen besetzte. Tupac Shakur hingegen schlägt sich reichlich bescheiden; da war er in „Gangland“ einige Jahre später deutlich besser. Der Rest der Besetzung spielt ordentlich, aber wenig bemerkenswert, wobei die bekanntesten Nebendarsteller, Samuel L. Jackson und Queen Latifah (beide in frühen Rollen natürlich), kaum Screentime haben.

So hinterlässt „Juice“ einen zwiespältigen Eindruck: Die erste Hälfte wirkt durchaus realistisch, aber etwas lahm, Hälfte zwei hat einige packende Momente, ist aber etwas klischeehaft und simpel. Das reicht leider nur zum Mittelmaß.

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