Review
von Leimbacher-Mario
Bringt die Säfte in Wallung!
„Juice“ ist ein Coming-of-(R)Age-Ghetto-Klassiker u.a. mit 2pac, Omar Epps und Samuel L. Jackson. Der sehr typische 90s-Gangsterfilm handelt von vier schwarzen Jugendlichen in New York, die durch Hoffnungslosigkeit, Wut im Bauch und unerreichbare Träume nicht nur auf der schiefen Bahn, sondern oft genug auch in einer Lache aus Blut landen…
Ein aggressiver Rapper und tougher Typ war Tupac Shakur ja schon immer. Aber erst nachdem ich ihn nun in „Juice“ gesehen habe, weiß ich, dass man vor ihm auch richtig Angst haben kann… „Juice“ gibt in seiner (besseren) ersten Hälfte - natürlich unterlegt mit feinsten HipHop-Beats - einen authentischen Eindruck in das Herumlungern und meist recht ziellose Leben der schwarzen Jungs. Da wird in den mit Graffitis vollgesprühten Häuserschluchten an Automaten gezockt, es werden alte Gangsterfilme geguckt oder einfach Gras geraucht. Da spielt die Schule nicht nur eine untergeordnete Rolle, sondern schlicht gar keine. Das baut gut eine unangenehme Stimmung zwischen Freundschaft und Verlorensein auf. Kein Wunder, dass „Juice“ gerade in der schwarzen Community einen hohen, nachvollziehbaren Stellenwert inne hat. Und dass ich mir den Soundtrack stolz auf Vinyl ins Regal stellen würde, wäre er nicht meist ziemlich unbezahlbar, versteht sich von selbst. Den Darstellern kauft man ihre Erfahrung in den Rollen und Tätigkeiten voll ab, der Look New Yorks samt (DJ-)Nachtclubs und Hinterhöfen ist präsent, knackig, gelungen. In der zweiten Hälfte überschlägt sich „Juice“ etwas, wird 2pacs Figur dann viel zu plötzlich und psychopathisch zum Killer, die Atmosphäre gleicht eher einem Alptraum oder Slasher als der ruhigen Milieustudie zuvor, da hätte ich viel mehr Entwicklung, Erklärung und Graustufen gebraucht. Doch auch dieser Bruch kann dem Gesamtbild wenig anhaben - „Juice“ gehört zwar nicht aufs Treppchen, aber doch in die erste Liga seines Subgenres.
Fazit: vielleicht nicht ganz auf dem Niveau der Vorzeige-Ghetto-Meistertitel a la „Boyz N The Hood“ und „Menace II Society“ - aber dennoch sehenswertes Black Cinema mit glaubhaften Darstellern, eisiger Betonkälte und wütender Hoodmentalität!