Review

"Niemand kauft Waren, die nur noch wenige Stunden haltbar sind."

Ohne Einleitung beginnt "Taste the Waste" mit zwei Mülltauchern, die in Abfalltonnen nach essbaren Lebensmitteln suchen. Nicht, weil sie bedürftig wären, sondern weil sie damit ihren Bedarf an Lebensmitteln zu 90 Prozent decken.
Statistiken zeigen, dass jährlich mehr als 4 Milliarden Tonnen an Abfall produziert werden. Davon besteht ein beachtlicher Teil aus Nahrungsmitteln, die noch genießbar wären. Auf welchen Wegen das essbare Gut dorthin gelangt und was die Hintergründe sind, deckt die Dokumentation auf.

Viele Personen aus dem Kreise der Lebensmittelindustrie und des -handels werden interviewt, viele Länder werden bereist und überall scheint der Konsens der Lebensmittelentwertung vorzuliegen. Ob Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Japan oder die USA, überall landen Lebensmittel in den Müll, die nicht einmal das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben. Vor allem Supermärkte sortieren rigoros aus.
Nicht nur mit solchen Szenen, in denen hunderte noch essbare Nahrungsmittel in Containern enden, pointiert "Taste the Waste" die Problematik. Auch die Auswirkungen auf hilfsbedürftige Länder liegen dem Publikum hier schwer im Magen. So wird mit Texttafeln informiert, dass die Bevölkerung, die an Hunger leidet, drei Mal satt werden könnte durch die frischen Abfälle, die in Amerika und in Europa im Müll landen.

"Taste the Waste" ist konservativ erzählt und hält sich mit musikalischer Untermalung zurück. Urteilsfrei vermittelt die Dokumentation die Sachlage um die Verschwendung wichtiger Ressourcen. Auf Dauer langweilt der Film aber dann doch mit den immer gleichen Bildern. Was zu Beginn noch spannend und informativ ist, verliert sich ab der Hälfte in ständigen Wiederholungen.
Auch schafft es die Dokumentation nicht seinen Kurs zu halten. Besonders gegen Ende verliert sich der Film in den Lebensweisen von Privatpersonen, was nicht zum Konzept passt oder lässt aufgeregte Mitbürger zu Wort kommen.

Vieles lässt "Taste the Waste" offen. Anders als in den Dokumentationen "We feed the World" oder "Unser täglich Brot" reiht der Film Statements, Bilder und Fakten aneinander. Bilder, die schockieren, aufwühlen aber nicht als Inspirationsquelle oder gar Ansporn dienen. Vor allem für die Überwindung eigener Schwächen beim Einkauf im Supermarkt wird zu wenig proklamiert.
Eine gewisse Einseitigkeit kommt durch die Gespräche immer gleicher Parteien auf. Gegenpositionen kommen nicht zu Wort, obwohl zu einer vollständigen Dokumentation beide Seiten angehört werden sollten.

In den vergangenen Jahren gab es einen regelrechten Boom an Kino-Dokumentationen, die es sich zum Ziel gemacht haben, ihr Publikum über die Verstrickung von Ökonomie und Ökologie in der Lebensmittelindustrie aufzuklären. Viele Filme waren ambitioniert und lösten sogar politische Debatten aus.
"Taste the Waste" schlägt in eine ähnliche Kerbe, beleuchtet jedoch nur indirekt die Produktionsmechanismen der Industrie selbst. Stattdessen konzentriert sich der Film auf das, was sie hinterlässt: Essbaren Müll. Die Dokumentation ist zwar neutral, lässt aber Personenkreise missen und erweist sich als einseitig. Der Weckruf zu einer bewussteren Einkaufsphilosophie kommt leider nur bedingt an. Denn obwohl es Möglichkeiten für den Einzelverbraucher gibt dagegen einzuwirken, wird sich dieser nur schwer von seinem inneren Schweinehund ablenken lassen.

5 / 10

Details
Ähnliche Filme