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Das vier Jungs nach dem Ende ihrer Schulzeit gemeinsam in Urlaub fahren wollen, um einmal richtig die Sau rauszulassen, ist ein verhältnismäßig naheliegender Gedanke, angesichts der Horden, die jährlich die Mittelmeerküsten unsicher machen. „Sex und Alkohol“ heißt die Devise und das es sich bei den vier Freunden um Typen handelt, die vor allem in sexueller Hinsicht eher unbeleckt sind, muss ja kein Nachteil sein, besonders da es statistisch durchaus der Regel entspricht. So lässt es sich vielleicht erklären, warum „Sex on the beach“ ein solch großer Erfolg in England war, weshalb man die pubertären Erlebnisse der Jungmänner auch in deutschen Kinos zeigen will, getreu dem Motto, das auch der hiesige Heranwachsende ähnliche Erfahrungen gemacht haben könnte oder davon noch träumt, an fremden Gestaden plötzlich zum Womanizer zu mutieren.

Regisseur Ben Palmer beschreibt in diesem Zusammenhang durchaus treffend, dass sich an solchen Orten Niemand wirklich verändert, sondern sich im Gegenteil bestehende Charakteristika noch verstärken. Entsprechend schlecht läuft es auch für die vier Jungs, nachdem sie am Ziel in Griechenland angekommen sind, denn inmitten der braungebrannten, feierwütigen Massen, wirken sie schon optisch wie totale Fehlbesetzungen. Auf dieser Basis wäre ein witzig, absurder Film möglich gewesen, der auch die Tragik hinter dem ständigen Wunsch nach Fun gezeigt hätte – ein Fakt, den der Regisseur selbst in einem Gespräch erwähnt, aber das es ihm damit nicht wirklich ernst war, erkennt man schon an den vier Loser-Typen, die alle konsequent nach Klischee gebürstet sind.

Will (Simon Bird), der auch als Ich-Erzähler fungiert, ist der Typ Streber, bebrillt und immer leicht gestelzt sprechend, so das ihn sein eigener Vater nicht zur Hochzeit mit seiner zweiten Frau eingeladen hatte. Interessanterweise ist er trotzdem die differenzierteste Figur, da er sich keinen Moment lang anbiedert und sich völlig im Klaren darüber zeigt, wie gering seine Chancen beim weiblichen Geschlecht sind. Leider wurde diese Linie bei den drei anderen Charakteren nicht fortgesetzt – Jay (James Buckley) ist der sich selbst überschätzende Aufreißertyp und Verbalerotiker, Neil (Blake Harrison) der naive lange Lulatsch, der mit Gesichtsbräuner als Streichholz durch die Gegend läuft, und Simon (Joe Thomas) soll den halbwegs normalen Typen spielen, der nur das Pech hat, dass seine Freundin Carli (Emiliy Head) kurz vor dem Urlaub mit ihm Schluss machte.

Könnte man mit diesen Klischeetypen noch gut leben, zeigt sich darin schon die gesamte Konstruiertheit der Story. Nicht nur das die Gründe der Ex-Freundin wenig plausibel sind, sondern sie befindet sich auch noch am selben Urlaubsort, so das Simon ständig versucht, sie wieder zu gewinnen, obwohl sie sich ganz offensichtlich nur für den coolen, gutaussehenden James (Theo James) interessiert, bei dem es sich selbstverständlich um ein Riesenarschloch handelt. Doch warum müssen die vier nerdigen Jungs gleichzeitig auch so verblödet sein, dass sie sich die dreckigste Absteige vom Reisebüro vermitteln lassen, während sonst alle in schicken Hotels wohnen? Und warum ist Simon so dämlich, sich ganz offensichtlich von James reinlegen zu lassen? – Hier konstruiert der Film künstlich eine Fallhöhe und stilisiert seine vier Protagonisten zu Opfern, um damit Lacher zu erzeugen, anstatt sich einfach auf den natürlichen Kontrast einzulassen. Gleichzeitig ist sich „Sex on the beach“ aber nicht zu blöd, schon zu Beginn vier junge Frauen auf die vier Freunde treffen zu lassen, deren paarweise Zusammenstellung sich geradezu aufdrängt, aber bis dahin ist es noch ein langer, vorhersehbarer Weg…

„Sex on the beach“ verfügt durchaus über komische Szenen, kann es aber nicht sein lassen, auf Fäkalhumor und billige Sexwitzchen zu setzen. Der größte Schwachpunkt des Films ist aber seine biedere Grundhaltung, die zwar eine Geschichte über den Wunsch nach dem wilden Ausbruch aus dem normalen Leben erzählen will, aber nur auf platteste Weise Bravheit predigt, indem er den Jungs weibliche Wunderwesen gegenüber stellt, die zudem über eine Engelsgeduld verfügen. Letztlich ist diese "Umkehrung" der zu erwartenden Konsequenzen auch nur eine Bestätigung des irrigen "Loser" und "Winner" - Klischees, denn die vier Protagonisten verändern sich nicht etwa oder werden gar differenzierter dargestellt, sondern bekommen nur das, was sonst den angesagten Typen zusteht.

Wer also einmal sehen will, wie aus nerdigen Losern echte Gewinner werden, während die coolen Typen richtig einen vor den Bug bekommen, ist in „Sex on the beach“ bestens aufgehoben - offensichtlich gibt es nicht Wenige mit dieser Intention.(3/10).

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