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Der hungrige Vogel greift an - so ganz trifft dieser in „Pakt der Rache“ mehrfach auftauchende Satz zwar nicht auf Nicholas Cage zu, aber warum sollte ein Schauspieler mit finanziellem Engpass nicht auch mal drittklassige Angebote annehmen, anstatt sich hinter der Kasse vom Lidl etwas hinzuverdienen. Als anspruchsloser Thriller funktioniert der Streifen ganz gut, auch wenn das Drehbuch viel Potential ungenutzt lässt.

Will Gerard (Cage) und seine Frau Laura (January Jones) feierten soeben ihren Hochzeitstag, als Laura überfallen und vergewaltigt wird. Noch im Hospital wird Will vom ominösen Simon (Guy Pearce) angesprochen, der für eine Selbstjustiz-Organisation arbeitet und verspricht, sich um den Vergewaltiger zu kümmern. Im Gegenzug soll Will ihm eine Gefälligkeit erweisen, wodurch er tiefer und tiefer in eine moralische Zwickmühle gerät…

Mit organisierter Selbstjustiz und damit verbundenen Verschwörungstheorien greift Regisseur Roger Donaldson ein recht zeitgenössisches Thema auf, auch wenn einem manche Aspekte arg vertraut erscheinen und die Prämisse bereits im Vorfeld einige Ungereimtheiten ins Spiel bringt. Leider werden die moralischen Grundsätze zu wenig hinterfragt und verlaufen größtenteils im Sande, da sich der Stoff überwiegend auf die Hatz mit Cage konzentriert, der irgendwann zwischen Organisation und Polizei stets auf der Flucht ist.

Neben einigen Klischees finden sich überwiegend konventionelle Aspekte des eher altmodisch erzählten Thrillers, was zum Teil auch recht angenehm erscheint.
Rasche Figureneinführung, ein gesundes Maß an sauber inszenierter Action, viel Bewegung und eine Menge kleiner Handlungsstränge, die allerdings oftmals nicht konsequent weitergesponnen werden. Im Gesamtpaket greift das Drehbuch zuviel auf, was besonders gegen Ende reichlich überkonstruiert wirkt, weil schlicht zu viele unwahrscheinliche Fäden zusammenlaufen.

Darüber hinaus vermag das flotte und gut ausbalancierte Erzähltempo jedoch zu überzeugen, die unglaublich vielen Stationen der Hauptfigur sorgen für Abwechslung (und für einige Logiklücken), während sich auf darstellerischer Seite einige bekannte Mimen finden, die entweder unterfordert wirken oder ganz solide mitspielen. Zugeschnitten ist der Stoff natürlich auf Cage, der mit ordentlichem Einsatz performt, obgleich seine Figur eine etwas überzogene Entwicklung vom verunsicherten Lehrer zum Agenten mit Plan durchmacht.

„Pakt der Rache“ liefert zwar alles andere als einen innovativen Thriller mit Tiefgang, doch trotz einiger Unzulänglichkeiten und manchem vorhersehbaren Element vermag die Geschichte zu unterhalten, mit sauberer und schnörkelloser Inszenierung und flüssigem Erzähltempo zu überzeugen und Cage so zu präsentieren, wie es derzeit am ehesten zu ihm passt: Ziemlich ruhelos, denn der frühe Vogel muss den Wurm fangen…
6,5 von 10

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