J. EDGAR ist eine verfilmte Biographie in der Leonardo DiCaprio nach vielen guten Leistungen in Filmen wie DEPARTED, INCEPTION u.a. nun vollends in the Top Charakterdarsteller-Liga aufgestiegen ist. In einer unglaublichen intensiven, glaubhaften, facettenreichen und voll guter Mimik strotzenden Weise agiert er sehr glaubhaft und spielt diesen komplexen Charakter geradezu famos. Auch Naomi Watts als seine Sekretärin und Judi Dench als seine Mutter fügen sich trotz leichter Unterforderung gut in diese hervorragende Performance ein.
Dies ist eingebettet in typisch ruhige, intensive Bilder des Regisseurs Clint Eastwood dem damit nach zuletzt GRAN TORINO erneut ein großer Wurf gelingt. Eastwood ist auch für die die zurückhaltende aber einfühlsame klassische Filmmusik verantwortlich wie man dem Abspann entnehmen kann. Es hilft sicherlich wenn man sich vor dem Film nochmal kurz historisch bzgl. der Figur Hoovers auf den Stand bringt sonst stehen viell. auch gerade jüngere Zuschauer inhaltlich zunächst etwas im Regen.
Kurz zur Story (OHNE SPOILER!): J. Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio) ist Direktor des FBI und lässt er seine Biographie schreiben um die Ablauf seiner Rolle in den USA zu rekapitulieren. Angefangen von 1919 bis ca. 50 Jahre später sieht man die Entwicklung des FBIs und der USA unter mehreren Präsidenten und wie Hoover trotz seiner Stellung nur wenige Vertraute hat. Dazu gehören eigentlich nur seine Sekretärin Helen Gandy (Naomi Watts) und sein Stellvertreter Clyde Tolson (Armie Hammer)...
Die Ausstattung des Films ist als sehr hochwertig zu bezeichnen und es dominieren bewußt farbschwache aber intensive Bilder. DiCaprio läßt die innere Zerrissenheit der historischen Figur Hoover sehr gut spüren. Die Maske des älteren Hoover und der anderen Protagonisten sind unglaublich gut gelungen. Die für die damalige Zeit sehr schwierig zu lebende Homosexualität Hoovers wird erstaunlich einfühlsam und stets mit gebührendem Abstand dargestellt und auch hier agieren alle Beteiligten authentisch und in keinem Moment kommen Zweifel an der Darstellung auf.
Selbst die Überlänge mit über 130 Minuten füllt der Film spielend aus und wenn man sich einmal in das Geschehen hat fallen lassen kommt kaum Langeweile auf. Wer allerdings Politthriller nicht zu seinem Lieblingsgenre zählt oder DiCaprio nicht ausstehen kann wird hier sicherlich nicht zupflichten was ich absolut nachvollziehen kann. Bei mir trifft sogar beides nicht zu, aber der Film hat mich trotzdem überzeugt. Sicherlich kann man kritisieren, daß der Film an einige Stellen sehr selbstverliebt wirkt und sich desöfteren selbst gerne zitiert. Dadurch entsteht eine gewisse Zähigkeit und Langsamkeit die sicherlich manche Seher abstösst. Dies soll aber nicht den überdurchschnittlichen Gesamteindruck schmälern.
7/10 Geheimakten...äh,...Punkten