Review

kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 11.07.2012

Clint Eastwoods Portrait des Mannes, der das FBI über fünf Dekaden prägte, ist erwartungsgemäß kein konstruiertes Kunstprodukt geworden wie zuletzt "The Iron Lady". Nur scheinbar beliebig, tatsächlich aber mit scharfem Blick zeigt der Altmeister einzelne Stationen Hoovers scheinbar wild durcheinandergemischt. Dabei muss er angesichts der langen Amtszeit des FBI-Direktors zwangsläufig wichtige Passagen streichen, schreckt davor aber auch keineswegs zurück, sondern nimmt die Herausforderung, so hat es den Anschein, sogar dankbar an.

Welche Epoche gerade abgehandelt wird, muss sich der Zuschauer anhand der Masken, die das Alter der Figuren verraten, sowie des Setdesigns und der Dialoge, selbst erschließen. Mit der Nase stößt Eastwood niemanden darauf, was er gerade erzählt. Auf diese Weise bringt er den Zuschauer dazu, die Konzentration aus eigenem Antrieb heraus hoch zu halten, so dass der Regisseur nicht dazu gezwungen ist, unnötig auf spannungsfördernde Stilmittel zurückzugreifen. Das Resultat ist ein differenzierter, komplexer Blick auf eine historische Figur im Zwiespalt zwischen dem starken, konservativen Auftreten nach außen und der gesellschaftlichen Repression privater Bedürfnisse, ohne dass aus diesem Zwiespalt ein naives Kausalverhältnis gesponnen würde. Leonardo DiCaprio entspricht dem hohen Anspruch Eastwoods mit einer facettenreichen Leistung. Nur gegen das künstlich wirkende Make Up muss er eher anspielen als dass es ihn unterstützen würde - hier wiederum hat "The Iron Lady" die Nase vorn.

*weitere Informationen: siehe Profil

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