"J. Edgar" Hoover war Mitbegründer und jahrzehntelanger Chef der US-Bundespolizei-Behörde FBI. Dieser Film (USA 2011) ist eine weitgehend korrekte und sachliche Lebensgeschichte von ihm mit dem Fokus auf seine FBI-Tätigkeit, aber auch viel Privatem. Wie fast alle Regiearbeiten von Clint Eastwood ist er von hoher Qualität und durchgehend interessant. Dies ist besonders positiv, weil sonst 80 % der von Kritikern und Preisverleihungskommissionen so geschätzten Biographien stinklangweilig sind.
Hier sind jedoch die besonders guten Dialoge, die geschickte zeitliche Verschachtellung aus drei Zeitebenen und die sehr guten schauspielerischen Leistungen hervorzuheben. Der Film ist nie langweilig oder banal. Auch Kitsch hält sich in vertretbaren Grenzen. Eigentlich könnte man fast von einem kleinen Meisterwerk reden, aber nur fast...
...denn leider sind zwei ganz wichtige Faktoren völlig mißlungen - der eine inhaltlich, der andere technisch.
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Inhaltlich fehlt dem Film der Mut die offensichtliche Verstrickung von J. Edgar Hoover in die Ermordung von John F. Kennedy zu zeigen. Oder ist Eastwood einfach zu sehr konservativer Republikaner? Wie wunderbar wäre dieser Film geworden, wenn man ihn als Ergänzung zu Oliver Stone's genialem "JFK" produziert hätte und als Höhepunkt detailliert gezeigt, wie Hoover mit Vice-Präsident Johnson und dem CIA die Ermordung Kennedys plant und vorbereitet. Ich verweise auf einen Tagebucheintrag des Bruders Robert Kennedy (Minister): "Hoover kam über das ganze Gesicht grinsend in mein Büro und sagte >Ihren Bruder haben sie abgeknallt. Ich geh jetzt in Urlaub< In diesem Moment wusste ich, daß Hoover den Mord in Auftrag gegeben hat und sobald ich Präsident bin werden er und die anderen dafür verurteilt werden." (Deswegen wurde dann auch Robert Kennedy ermordet, damit er die Sache nicht aufklärt).
So etwas einfach wegzulassen ist entweder Feigheit oder rechtsgerichtete Verbohrtheit eines uralt-Konservativen wie Eastwood.
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Die technische Schwäche liegt in der mal wieder (wie schon bei "Lincoln" - die beiden Filme sind optische Zwillinge) sehr schlechten Beleuchtung. Zwischen 2005 und 2019 häuften sich die Filme, die absichtlich viel zu dunkel waren. Jede, aber auch wirklich jede Szene, auch diejenigen die am Tage spielen sind so dunkel als wäre es mitten in der Nacht. Egal welche Räume, ob öffentliche Büros, Säle, Wohnungen, Hotels - alles ist so mies beleuchtet als ob es noch kein elektrisches Licht gäbe. Hier ist das absolut unrealistisch. Als er einer Sekretärin das neue Nummernsystem zeigen will, ist die Bücherei/Archiv so stockdunkel, daß kein Mensch (nicht einmal, wenn er die Augen einer Katze hätte), da noch Nummern und Zahlen von Akten ablesen könnte.
In anderen Szenen schreibt jemand in einem halbdunklen Raum (soll mitten am Tag sein) auf einer Schreibmaschine. Ferner sind alle Büros während der Arbeit so dunkel, fast unbeleuchtet, daß wirklich kein Mitarbeiter etwas lesen könnte. Diese Beispiele ließen sich unendlich fortsetzen. Es ist hier so, daß bei Dunkelheit gearbeitet wird, die jedem Menschen es faktisch unmöglich machen würde zu lesen.
Das Ganze wird dann auch dramaturgisch eintönig, denn wenn jede Szene so verdammt dunkel ist, dann ödet diese Optik den Zuschauer an.
Das alles nur aus einem Wahn der Filmemacher in dieser Epoche, nun alle so etwas Finsteres drehen zu wollen. Neben Eastwood verbrach sogar Spielberg mit "Lincoln" das Gleiche. Und jetzt will ich keine altklugen Sprüche von Zuschauern hören "Das war hell genug, ich konnte die Mimik noch gerade so eben erkennen". Erstens waren auch die Gesichter manchmal zur Hälfte im Schatten und zweitens reicht es nicht, wenn man noch halbwegs was erkennen kann, sondern eine Beleuchtung sollte realistisch sein. Büros, wo Kleingedrucktes gelesen wird und detailreiche kriminalistische Arbeit (bis hin zur Spurensicherung) gemacht wird, sin in der Realität dermaßen gut und hell ausgeleuchtet, daß dieser Film optisch völlig absurd wirkt.
Das ist so unrealistisch als wenn man einen Film über Cäsar drehen würde und ihm das Kostüm eines chinesischen Mandarin anziehen.
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Schade, daß dieser an sich seriös aufgezogene und gut
inszenierte Film zwei so gravierende Schwächen hat. Ohne diese würde ich mindestens eine Note 2+ geben, aber durch die beiden Fehler kann ich nur eine Note 2- geben.
oder
7/10