"In guten Händen" basiert auf der wahren Geschichte der Erfindung des Vibrators und führt sicherlich zur Verbesserung des Allgemeinwissens, denn das dieser "Lustspender" seinen Anfang ausgerechnet im prüden viktorianischen Zeitalter in London gefunden hatte, wissen nur Wenige. In Vergessenheit geraten ist inzwischen auch der medizinische Begriff der "Hysterie", mit der Mann damals das überspannte Verhalten der Frauen gerne wissenschaftlich benannte - eine Bezeichnung, die erst Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts aus den medizinischen Handbüchern getilgt wurde. Es wäre allerdings zu einfach, die Erfindung des Vibrators mit dem Wunsch, den Frauen helfen zu wollen, zu begründen. Der Auslöser war das rein männliche Befürfnis nach Verbesserung ärztlicher Arbeitsbedingungen, kombiniert mit dem Spieltrieb an der neuen Elektrotechnik.
"In guten Händen" verbindet seine Story über den jungen Arzt Dr. Mortimer Granville (Hugh Dancy) mit einer damals vorherrschenden allgemeinen Haltung der Ärzte, die noch sehr in veralteten, alles dem Profit untergeordneten Mustern verharrte. Zudem geprägt von rigorosem Klassendenken, dass sich durch sämtliche Bereiche der englischen Gesellschaft zog, über die Armenhäuser der Stadt mit dahin vegetierenden Menschen, Kindern ohne Ausbildung, bis zu den ersten Bewegungen der Frauenemanzipation, deren Protagonistinnen sich dank ihre Ideen sofort dem Generalverdacht der "Hysterie" ausgesetzt sahen, welche mit der Einweisung in eine entsprechende Heilanstalt geahndet wurde. Und trotzdem wurde "In guten Händen" eine temporeiche, unterhaltsame Komödie, die ihre Thematik mit englischer Eleganz, aber keineswegs oberflächlich behandelt.
Natürlich kann ein Film nicht die Gesetze einer Gesellschaft ändern, denn die beiden Protagonisten - der junge, engagierte Arzt Granville, der von den neuesten medizischen Forschungen überzeugt ist, und die ältere Tochter seines Chefs, Charlotte Dalrymple (Maggie Gyllenhaal), die für die Emanzipation der Frauen eintritt und sich um ein Armenhaus in London kümmert - sind beide Teil der privilegierten Gesellschaft, gut ausgebildet und über entsprechende Beziehungen verfügend. Überzeugend ist diese Konstellation deshalb, weil Granville keineswegs die bestehenden Standesunterschiede in Frage stellt, auch wenn er unter der ignoranten Art der Ärzte, in deren Praxis er um eine Anstellung bittet, leidet.
Er verliebt sich auch prompt in die jüngere, hübsche Tochter Emily (Felicitiy Jones) des Arztes Dr. Delrymple (Jonathan Price), die in jeder Hinsicht wohlerzogen ist, und befindet sich auf bestem Weg, die Praxis ihres Vaters übernehmen zu können. Diese läuft hervorragend, da sie sich ausschließlich um Damen aus bestem Hause kümmert, die sich hier frühzeitig gegen Symptome der "Hysterie" behandeln lassen - anders ausgedrückt, erleben sie Erleichterung, indem der Arzt ihre Klitoris zum Orgasmus stimuliert. Da Granville sich bei dieser Aufgabe als besonders geschickt erweist, sind die Terminbücher voll, aber sein Arm leidet zunehmend unter der dauernden Anstrengung.
Während er dadurch in Konflikt mit seinem Chef gerät, der seine Einnahmen schwinden sieht, sind die Schwierigkeiten der älteren Tochter fundamentaler, denn das Armenhaus, um das sie sich kümmert, wird geschlossen, und sie erfährt, das ausgerechnet ihr eigener Vater, der von dem Verhalten seiner Tochter keineswegs begeistert ist, gegen sie integriert. Sehr schön spielt der Film dabei mit der Tatsache, dass die gehobene bürgerliche Klasse besonders auf ihre Privilegien pocht, während der Hochadel - sicherlich auch dank ausreichender finanzieller Mittel - über den Dingen steht, kulminierend im sehr amüsanten Lord St.John-Smythe (Rupert Everett), der immer eine skurrile Idee hat.
"In guten Händen" gelingt das Kunststück eine fantasievolle, witzig - romantische Geschichte zu erzählen, die leicht und unterhaltend, sicherlich im Detail auch vorhersehbar, mit ihrer Thematik umgeht, ohne in übertriebene Dramatik zu verfallen, die aber trotzdem zum Nachdenken anregt. Eingebettet in eine lässige Erzählform, erinnert der Film an ein unschönes Kapitel der Geschichte, dessen Folgen keineswegs überwunden sind (8/10).