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Offenbar hatte Eli Roth, Erfinder und Regisseur von „Hostel“, den richtigen Riecher dafür, wann die Welle des so genannten Torture Porn abflauen würde, so nahm folgerichtig der kaum bekannte Scott Spiegel auf dem Regiestuhl Platz, was natürlich mit einer Direct-to-Video-Produktion einhergeht und entsprechend wenig Originalität offenbart.

Die drei Freunde Mike, Justin und Carter überreden den baldigen Ehemann Scott zu einem Trip ins sündige Las Vegas. Nach einer durchzechten Nacht in Begleitung zweier Damen wird einer der Kumpels am nächsten Tag vermisst. Eine SMS lockt sie in eine Falle, denn die EHC, welche Folter vor zahlendem Publikum betreibt, hat ihren Sitz zwischenzeitlich von Osteuropa nach Vegas verlegt…

…was der beklemmenden Atmosphäre der ersten beiden Teile dienlich war, fällt hier komplett weg. Allein in einem fremden Land, ohne helfende Sprachkenntnisse oder Intervention eines Einheimischen, - das war vor allem für „Hostel“ ein großer Pluspunkt, wogegen eine amerikanische Großstadt mit einer zum Club umfunktionierten Großfabrik kein Neuland für die potentiellen Opfer darstellt.
Ohnehin dauert es mal wieder eine ganze Weile, bis die Chose endlich in Gang kommt, dabei punkten die vier austauschbaren Feiernden mit ihren kleinen Eskapaden weitaus weniger als die Exposition, die durchaus zu überraschen vermag.

Mit weiteren Twists ist es allerdings nicht weit her, denn allzu innovativ gestaltet sich die altbekannte Folterfront nicht.
Der Sado-Club wirkt mittlerweile noch ein wenig dekadenter und technisch fortschrittlicher, da das Publikum dem blutigen Treiben live hinter einer Glasscheibe beiwohnt und per Computer Wetten auf den Verlauf und die letzten Worte eines Gepeinigten abschließen kann.
Chef jener Organisation ist Thomas Kretschmann, der im Vergleich zu seinen Vorgängern ein äußerst schwaches und kaum charismatisches Bild abgibt.

Scheinbar gehen den Sadisten unter den Drehbuchautoren auch so langsam die Ideen aus, denn in Sachen Härte ist das im Vergleich zu den zum Teil fiesen Vorgängern fast schon Kindergarten. Metallpfeile im Körper oder vom Dschungelcamp inspirierte Kakerlaken im Mund lassen nicht gerade Gänsehaut entstehen, - brachialer ist da schon das Abtrennen der Gesichtshaut mit einem Skalpell, was bei den Gorehounds eher Anklang finden dürfte.
Zwar kommen noch weitere kurze Blutverspritzer zum Einsatz, doch die sind eher im letzten Drittel zu finden, als zumindest das Tempo angenehm aufdreht.

Jenes überzeugt schließlich mit viel Bewegung, kurzen, aber zackig inszenierten Fights und einer leicht zynischen Pointe, obgleich jene meilenweit gegen den Wind zu riechen ist.
Zweimal wird der Zuschauer davor weitaus geschickter an der Nase herumgeführt, auch wenn es sich lediglich um kleine Einschübe handelt. Doch es untermauert zumindest, dass Scott Spiegel genau weiß, wie er das Publikum in etwa einwickeln kann, - nur leider vermag er es nicht konsequent und mit etwas Finesse umzusetzen.

Das schlägt sich natürlich auch auf den Gesamteindruck nieder, der wahrlich nicht berauschend ausfällt. Darstellerisch passabel, handwerklich solide, birgt die Geschichte mittlerweile nichts Neues mehr und auch die Bedrohlichkeit der komplett fremden Kultur fällt nunmehr weg.
Was bleibt, sind einige Gewalteinschübe, die mit den beiden Vorgängern kaum mithalten können und ein einigermaßen spannend gestalteter Showdown, der jedoch keinerlei Überraschungen mit sich bringt.
Fans der Serie werden ohnehin zulangen, doch Horrorfreunde, die Originalität suchen, werden hier nur ein uninspiriertes Plagiat mit minimal veränderten Mustern vorfinden.
4,5 von 10

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