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Vier Jahre nach dem letzten Teil, der inhaltlich an das Ende des Originals angeknüpft hatte, entstand unter der Regie von Scott Spiegel mit "Hostel Part III" der dritte Teil der Torture-Porn-Reihe.

Als preisgünstiger Direct-To-DVD-Nachklapp konzipiert merkt man dem Film das geringe Budget an, sowohl darstellerisch als auch inszenatorisch unterscheidet sich die B-Variante doch sehr stark von den ersten beiden Filmen der Reihe, für die Eli Roth als Autor und Regisseur verantwortlich zeichnete und Quentin Tarantino als einer der Produzenten fungiert hatte.

Teil 3 will innovativ erscheinen und gönnt dem Fan einen willkommenen Standortwechsel und präsentiert uns eine Zweigstelle des "Elite Hunting Clubs" abseits von Las Vegas.
Doch die schillernde und glamouröse Kulisse der Glücksspielmetropole schafft es nicht annähernd den tristen Look osteuropäischen Lokalkolorits auf die Leinwand zu transportieren und auch im übrigen mangelt es der bekannten Mischung aus Titten, Ärschen, Gossenvokabular und Splatter an dem nötigen dreckig-morbiden Charme, der die ersten beiden Teile auszreichnete.

Dafür erscheint die Handlung und überhaupt das komplette Skript von Michael Weiss für ein B-Movie höchst einfallsreich: vor allem in den ersten zwanzig Minuten spielen Drehbuch und Regie mit den bekannten "hauseigenen" Versatzstücken und Klischees und führen den Zuschauer in seiner Erwartungshaltung mehr als einmal an der Nase herum.
Hartgesottenen Gorehounds mag das sicherlich zu unblutig erscheinen, doch sind es gerade solche Raffinessen, die Teil 3 vom inszenatorischen Niveau einer Doppelfolge "CSI" abgrenzen - denn darstellerisch darf man hier keine Offenbarung vor dem Herrn erwarten und auch die Dialoge sind streckenweise haarsträubend, ganz zu schweigen von der hanebüchenen Entwicklung diverser Charaktere - auch wenn das Drehbuch hier ein paar sehr fiese Überraschungen parat hält.

Wie es auch schon beim Original der Fall war so braucht auch das zweite Sequel ein bißchen Zeit um ordentlich in die Gänge zu kommen - steht dann aber nach dem ersten Drittel seinen Vorgängern in nichts nach.

Der "Elite Hunting Club" wird dem Zuschauer als moderne Gladiatoren-Arena vorgestellt, bei der barbusige Schönheiten gelangweilten und charakterlich verkommenen Bonzen teuren Bourbon reichen, während diese hohe Spieleinsätze auf die Todeskandidaten verwetten - Sterben ohne Limit, wobei der kranken Phantasie keine Grenzen gesetzt sind: ob mit der Armbrust erst in die Weichteile und dann quer durch den Schädel oder sorgsam die Gesichtshaut abgezogen: der Splattergehalt ist wohldosiert, aber bei weitem nicht hart genug, weswegen sich Teil 3 hierzulande auch über eine Uncut-Veröffentlichung erfreuen durfte.

Handwerklich gibt es nicht viel auszusetzen: Regisseur Spiegel ("Intruder") macht das beste aus den begrenzten Möglichkeiten und sorgt für einige phantasievolle Kameraperspektiven, während die Splattereffekte CGI trotzen und auch der Score durchweg überzeugend ist. Das Drehbuch sorgt für einige interessante Entwicklungen und überraschende Wendungen - auch wenn es einige Szenen gibt, die haarscharf an der Grenze zum Trash oder zur unfreiwilligen Komik sind.

Insgesamt - im Vergleich zur Qualität der Vorgänger - ein nicht unbedingt würdiger, aber sehr unterhaltsamer Beitrag zur Reihe - obwohl das "Hostel" hier eine untergeordnete Rolle spielt und der Film sicherlich schnell in Vergessenheit geraten wäre wenn ihm nicht eben dieses Etikett anhaften würde. Dreister, aber kurzweiliger Etikettenschwindel mit wenigen Schwächen.

7/10

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