Als der Fertigsuppenfabrikarbeiter Marcos unbeabsichtigt einen Mann tötet, ändert sich sein Leben, denn fortan tötet er die Menschen, die ihn als Mörder entlarven könnten und entsorgt deren Körper in der Fabrik.
Der deutsche Titel "Cannibal Man" ist schon sehr irreführend, denn mit einem Kannibalenstreifen haben wir es hier beim besten Willen nicht zu tun, sondern vielmehr mit einem Psychodrama, welches das Leben einer Person durchleuchtet, die vom normalen Fabrikarbeiter zum Serienmörder wird.
Genauer gesagt wird Normalo Marcos, der ein stinklangweiliges Leben führt, zum Mörder wie die Jungfrau zum Kind gekommen ist, denn seine erste Tat geschieht ungewollt, als er mit seiner viel zu jungen Freundin vom Taxifahrer des Fahrzeugs verwiesen wird, weil die beiden dort herummachen. Marcos will sich des Taxifahrers, der trotz abgebrochener Fahrt auf Zahlung des Geldes besteht, mit einem Stein erwehren, was für den Getroffenen, wie man später der Zeitung entnimmt, tödlich endet. Und dann geht es Schlag auf Schlag bzw. Mord auf Mord, denn Marcos muss sich nun vieler Personen entledigen, die ihn ins Gefängnis bringen könnten. So müssen seine Freundin, die ihn dazu bewegen will, sich der Polizei zu stellen, sein Bruder, dessen Verlobte, deren Vater und einige andere dran glauben und da in seiner kleinen Butze kaum Platz ist und die Leichen schon so doll duften, dass sich ein Rudel Hunde vor seiner Haustür breit gemacht hat, landen die Leichenteile in der Maschinerie der Suppenfabrik.
Für ein ausgefeiltes Psychogram eines Serienkillers, wie man es beispielsweise bei "Henry - Portrait of a serial killer" und "Maniac" vorfindet, wird die Figur des Marcos zu wenig charakterisiert, wodurch viele Motivationen im Dunklen bleiben. Okay, der Mann ist einsam und nicht mit besonders viel Zaster gesegnet, aber das und die Angst vor einer Strafe wegen des ersten ungewollten Mordes begründen die Mordserie nur unzureichend.
Interessant ist dagegen die Beziehung, die er zu dem jungen Bengel aus der reichen Nachbarschaft aufbaut, denn dieser wird recht viel Zeit eingeräumt und charakterliche Vertiefungen sind auszumachen.
Bei der Darstellung der Morde wird Zurückhaltung geübt. Die Taten werden zwar graphisch und mit einigem Kunstblut vor der Kameralinse gezeigt, aber sie werden niemals ausgeschlachtet, wie man es aus diversen Exploitationfilmen kennt, wobei dies auch daran liegen könnte, dass der Film aus dem Jahre 1971 und zudem aus Spanien stammt, wo man zu jener Zeit noch nicht ganz so freizügig zu Werke ging.
Richtig gelungen und die größte Stärke des Filmes ist die Atmosphäre, die er ausstrahlt. Die Einsamkeit der Hauptfigur in seiner heruntergekommenen Behausung in der Nachbarschaft zu der reichen Wohngegend und die stickige Hitze, zu der später der Leichengeruch stößt, ist optisch überzeugend umgesetzt und quasi spürbar beim Zuschauen.
Klasse ist auch die musikalische Untermalung des Ganzen. Musik kommt zwar nur selten zum Einsatz, aber wenn, dann sehr stimmig, wobei das Gehörte in den Bereich "Easy Listening" fällt und sich zu keiner Zeit in den Vordergrund drängt.
Insgesamt ist "Cannibal Man" ein solides Serienkiller-Psychodrama, wobei die Hauptcharakterzeichnung zu wünschen übrig lässt, die Atmosphäre aber überzeugt und Freunde der ruhigeren Gangart durchaus zufrieden gestellt werden könnten.