Festhalten, der Erzähler schickt uns in die Endzeit! Nach einem bakteriologischen Holocaust sind also nur noch Frauen übriggeblieben. Knapp bekleidete Girls with Guns, yippie! Und flugs begrüßt uns Phönix – The Warrior mit einer Buggy-Hatz im Mad Max-Stil. Doch, ürgs, was macht denn dieser weibliche Bastard aus Skeletor und dem Imperator dort? Reverend Mother (Sheila Howard) verfügt nicht nur über einen Blubberschlauch zwischen Hals und Kopf, sondern ist auch die totalitäre Alleinherrscherin dieser verwüsteten Welt. Ihre Ladies scheinen aber mit ihrer Besamungspolitik nicht einverstanden zu sein, denn Keela (Playmate Peggy McIntaggart) trägt den für eine fortlaufende Bevölkerung so wichtigen Sproß in ihrem Leib und schafft es bei dieser Gelegenheit auszukneifen.
Zur Seite steht ihr spontan die Sandjägerin Phönix (Kathleen Kinmont, bekannt aus Bride of Re-Animator, Halloween 4 und als Cheyenne Phillips in Renegade), die mit dicker Wumme die Zahl blutiger Einschüsse nach oben treibt. Vielversprechenderweise trägt sie auch ein Katana, welches jedoch nach unspektakulärem Einsatz in Vergessenheit geraten wird. Man ist vielleicht zu sehr vom ästhetischen Stil japanischer Kämpferinnen verwöhnt. Auf der Flucht durchqueren die beiden Mädels eine Schlucht, wo dickbrüstige Kampfamazonen ihre nackten Tatsachen unter einem Wasserfall ins Sonnenlicht räkeln. Videothekenschlock mit Grindhousegeschmack, das gefällt.
Nachdem die so gar nicht schwanger wirkende Keela nun aber ihr Kind umgehend im Lager dieser Schönheiten zur Welt gebracht hat, vergisst der in heutiger Zeit eher als Kameramann für Filme wie Pit Fighter bekannte Regisseur und Autor Robert Hayes langsam aber sicher, für welches Publikum er hier eigentlich dreht. Die Kampfchoreographie wird schwächer, beruft sich nur noch selten auf die ganz nett gemachten Special Effects, sondern beläßt es bei manchmal zu ungelenken Acting. Er scheint hingegen seine Story ernst zu nehmen, die jedoch nur aus Flucht und Flucht und Flucht besteht, denn Phönix und Keela samt Sohn, ja, Freude, es ist ein männlicher Nachkomme, werden verfolgt und verfolgt und verfolgt, versuchen sich in die Badlands abzuschlagen.
Phönix – The Warrior ist zwar durch ein riesiges Cast aus Frauen hervorzuheben, die hier wirklich jeden Geschmack bedienen, jedoch bestechen die ambitioniert streitenden Schönheiten viel mehr durch ihren tappsigen Charme als mit ihren Reizen, die in der staubigen Einöde allerdings oftmals auch durch unscheinbare Garderobe nicht richtig zur Geltung kommen, es gibt ein paar wenige Ausnahmen. Trotzdem wird zum Beispiel das wirkliche Potential der Episode, in der Phönix zu Gladiatorenkämpfen genötigt wird, weitestgehend verschenkt und das hat mit Teasing nichts mehr zu tun.
Als offensiv ist sicherlich zunächst Phönix’ Verhalten zu beschreiben, als sie in einer Hütte versteckt einen Mann niederstrecken. Sie geht dem ohnmächtigem Glückspilz gleich mal an die Eier, freut sich selbst wie ein Schneehuhn, bis sie feststellt, daß sie ihr neues Spielzeug schon zerstört hat. Naja, Glück gehabt, der Gute erwacht noch wieder aus seiner Narkose, doch die Kampfhandlungen verhindern eine weitere Interaktion. Völlig unverständlich aber, daß sich später Keela an den Typen heranwagt und es zwischen den beiden Mädels nicht mal zum Zickenkrieg kommt. Ganz schön gleichgültig die Frauen der ungewissen Zukunft und das, obwohl sie doch weit und breit keine Alternative finden. Ok, mit Schnurrbart und Halstuch sieht der Mann auch etwas… anders orientiert aus. Interessant wäre hier übrigens sein Hintergrund gewesen, scheint er doch Erfahrungen mit der genetischen Forschung von Reverend Mother zu haben, aber Phönix – The Warrior ist nun mal zufällig die Art von Film, die uns mit einer tiefgründigen Beleuchtung der Figuren nicht belasten wollen.
Über die Darstellung des Herren sollte man dennoch einmal genauer nachdenken, sind die Frauen dieser Welt nicht nur auf den Samen angewiesen, sondern flehen Keela und Phönix ihren neuen Kameraden quasi um Hilfe an, was irgendwie den Eindruck erweckt, daß diese so kampfesstarken Maiden plötzlich nicht so sehr von einer Emanzipation überzeugt sind. Witzigerweise erwacht auch just in des Mannes Hütte die Diva in Phönix, als sie zu verstehen gibt, wie sehr sie es haßt gejagt zu werden. Ob wir hier wohl auf andere, als die erwartete Art und Weise die maskuline Federführung des Scripts erleben?
Es ist ein Kreuz. Kaum scheint ein Film wirklich in eine Kerbe schlagen zu wollen, die so sträflich vernachlässigt wird, dann ist er nicht mal schlecht genug, um auf diese Schiene für Unterhaltung zu sorgen. Gleichzeitig ist Phönix – The Warrior aber auch als Film noch deutlich respektabler als etwa ein Barbarian Queen, der zwar mit seiner Mischung aus Schwertkämpferin und WIP punkten kann, jedoch mit weit extremerer Stupidität für Strapazen sorgt. Hayes’ Film ist nicht gut und nicht schlecht genug, damit Durchschnitt. Es wird langsam Zeit, daß sich die Studios in ihrem Remake-Wahn auf diese Art Film stürzen und eine Neuinterpretation in Cinemascope hinlegen, die den oft vielversprechenden Artworks (VHS von Highlight Film, DVD von Echo Bridge) gerecht wird. Bis dahin lassen wir unsere Phantasie spielen und träumen beim leichten Plätschern dieser Vollbildrelikte von dem, was mit ein bisschen Passion und Talent hätte werden können.