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Ein hübsches kleines Zubrot wollte sich der junge Amerikaner Billy Hayes da verdienen. Doch bei seiner Ausreise nach dem Türkeiurlaub muß er feststellen, dass die Osmanenjustiz weit weniger nachgiebig ist als die westliche, wenn es um Haschischschmuggel geht. Denn eben jenem Vergehen hat sich unser Protagonist törichterweise schuldig gemacht und so findet er sich bereits kurz darauf in einem der maroden, türkischen Gefängnisse wieder. Auch der einflußreiche Vater ist machtlos gegen die fremdenfeindlichen Mühlen der Bosporusjuristen und so sieht sich der entsetzte Billy zunächst mit einem Dreijahresurteil für sein Vergehen konfrontiert.

Und zunächst versucht sich der junge Sträfling auch bestmöglich mit der ungemachen Lage zu arangieren. Wenngleich auch die hygienischen Bedingungen jeglicher Beschreibung spotten, Vergewaltigungen in dem Vorkriegsbau keine Seltenheit sind und die sadistischen Wärter nach Lust und Laune zu übelsten Foltermethoden greifen um ihr strenges Regiment durchzusetzen. Einziger Lichtblick und Anker sind Billy zwei Landsleute und Mitgefangene, die ihn zunächst davor bewahren in dem unwirklichen Umfeld den Verstand zu verlieren. Denn der Rest der (türkischen) Mithäftlinge erweist sich als verabscheungswürdiger Moloch ohnegleichen. Messerstiche aus dem Hinterhalt, Hintertücke, Bestechlichkeit und Gewalt im Allgemeinen prägen ob dieser Zeitgenossen den Knastalltag. - Als die drei verhängten Jahre fast verstrichen sind, rollt das Gericht den Fall dann auch noch hämisch wieder auf und erhöht das Strafmaß auf unabsehbare dreißig Jahre. Billy gehen ob der Aussichtslosigkeit der Lage die Nerven durch und er faßt den Entschluß, um jeden Preis zu fliehen...


Erschütternd authentisch zeigt uns der Film, was wohl in den türkischen Gefängnissen der Siebzigerjahre (wenn nicht gra noch in den heutigen) grausiger Alltag war. Der Regisseur schont seine Zuschauer dabei nicht und zeigt diese gottvergessene Welt der menschlichen Unarten in all ihrer ungeschönten Greulichkeit. Der Zuschauer kann ob dieser Eibdrücke schlicht nicht umhin, sich mit dem Hauptakteur und dessen Schicksal zu assoziieren und mit ihm mitzufühlen. Die Ohnmacht der verzweifeltenWestler gegen den Strudel völlig unverhältnismäßigen Urteile sowie ihr auch ansonsten intrigantes und viehisches Umfeld in dem fremden Land bleibt eindrücklich nachvollziehbar und wirkt nicht einen Moment aufgesetzt oder überspitzt. Und villeicht ist es gerade das, was den Film so fesselnd macht: Das Wissen darum, dass all das was sich hier auf der Mattscheibe abspielt höchstwahrscheinlich nicht allzuweit von der Realität abweicht...


F a z i t :
Midnight Express ist unleugbar eines DER Meisterwerke der Filmgeschichte, wenngleich es unverständlicherweise trotz seiner zahlreichen Auszeichnungen (u.A: 2 Oscars)in deutschen Landen kaum Bekanntheit genießt. Die Kulissen wirken authentisch und fangen die Stimmung des Streifens optimal ein. Die Schauspieler bieten ein Höchstmaß an Können auf und verleihen ihren Rollen eine schier greifbare Substanz und Intensität, wie man sie in der Filmwelt nur alle Jubeljahre geboten bekommt. Diesen so packenden wie erschütternden Film sollte wirklich jeder, unabhängig von Filmgenrevorlieben, einmal gesehen haben. - 10 Punkte sind der verdiente Lohn für dieses Werk zeitloser Klasse.

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