Ein Wald in Schwarz, Weiß und Grau. Es ist Nacht. Ein Mann murmelt den Zugfahrplan vor sich hin. Plötzlich kann man zwischen den Bäumen einen Mann mit einer Axt ausmachen, der gehetzt wirkend durch das Dickicht die tschechisch-polnische Grenze überquert. Kurz darauf wird er von der Grenzpolizei mit Leuchtpistolen und einem Hund gejagt. Gerade so entkommt er. Ein Wort hat er nicht verloren, das wird sich auch nicht ändern.
Danach lernt der Zuschauer Alois Nebel kennen, den Mann, der den Zugfahrplan zur Entspannung öfters auf der Toilette laut liest. Er ist ein einsamer, stoischer Bahnmitarbeiter an einem kleinen Bahnhof an der Grenze. Seine Bekannten sind außer seiner Katze sehr unsympathische Zeitgenossen, die sich mit mehr oder weniger krummen Geschäften ein Zubrot verdienen und zum Teil Geheimnisse aus der Vergangenheit mit sich herumschleppen.
Die wäldliche Gegend präsentiert sich dem Zuschauer in diesem comichaftem, mit Rotoskopie (Szenen werden erst von Darstellern gespielt und dann Bild für Bild von Künstlern überarbeitet, siehe z.B. "A Scanner Darkly" von Richard Linklater) erstellten Film als gänzlich trostlos, passend zum Schwarz-Weiß-Stil. Es regnet sehr oft, Häuser findet man nur sehr vereinzelt und Alois Nebel lebt eh nur im Bahnhofhäuschen mit seiner Wohnung und einer Kneipe darin.
Der Film spielt während dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Samtenen Revolution mitsamt der Unabhängigkeit der Tschechoslovakei. Davon bekommt Nebel aber nur nebenbei etwas mit. Ändern tut sich für ihn, der immer noch von den Schrecken des Endes des zweiten Weltkriegs eingeholt wird, sowieso nichts. Jedenfalls nicht zum Guten, da er erst in eine Anstalt eingewiesen und danach seinen Job los ist. Er versucht in Prag bei der Bahngesellschaft für eine neue Stelle vorzusprechen. Denn die Bahn ist sein Leben, war es schon immer.
Die Handlung dieses Films plätschert oft vor sich hin, entlädt sich manchmal in kurzen Gewalteruptionen. Das Beeindruckende an dieser tschechischen Produktion ist die durch die Tricktechnik und die Geschichte erzeugte Atmosphäre, die einen in ihren Bann zieht. So fiebert man sowohl mit Alois Nebel mit, als auch mit dem Stummen, der nach Rache sucht.
Eingebettet in europäische und tschechisch-slovakische Geschichte erzählt dieser Film somit von den Menschen und ihren einzelnen Schicksalen in der Zeit der Revolution. Ein insgesamt nachdenklich machender und sehenswerter Film.