Die Zeit der Autokinos ist vorbei. So steht auch das letzte Drive-In-Theatre vor dem endgültigen Aus. Doch bevor es seine Pforten schließt, lädt Betreiber Cecil B. Kaufman (Richard Riehle) zur finalen Vorführung, einem Vierfach-Feature, das es an Bad Taste und Sleaze nur so in sich hat. Gleichzeitig fällt jedoch auch eine Horde geschlechtskranker, balzwilliger Zombies über das Autokino her...
CHILLERAMA ist Episodenhorror in bester BODY BAGS- und GESCHICHTEN AUS DER SCHATTENWELT-Manier und gleichzeitig debilhumoriger Splattertrash, wie ihn das Kultlabel Troma nicht besser hätte ausfurzen können. Als Episoden dienen die in dem Autokino aufgeführten Schundfilme, die durchaus als Hommage an die Monsterfilme der 50er-Jahre verstanden werden können.
Filmchen Nr. 1 hört auf den illusteren Titel "Wadzilla". In ihm kampft ein Mann zunächst mit verkümmerter Potenz, um später, nachdem er als Versuchskanninchen für ein Wundermedikament herhalten musste, ein einzelnes Spermium in der Größe eines Hühnereis zu ejakulieren, welches ein Eigenleben führt und mordend und vergewaltigend durch die Stadt zieht. Dieser glibbrige Lusttropfen mutiert schließlich zum Killerwal-großen Riesen-"Pacman", der Menschlein wie Pralinen verspeist und die Freiheitsstatue als Lustobjekt begattet. Ziemlich trashig und abgedreht das Ganze. Das Alien in Spermaform sozusagen. Da bleibt kein Auge und keine Hose trocken. Erinnerungen an TORSIL ULTRA, KONDOM DES GRAUENS und ATTACK OF THE TROMAGGOT werden wach. In einer Hauptrolle glänzt der alteingesessene Darsteller Eric Roberts (bekannt aus DARK KNIGHT und THE EXPENDABLES). Regie führte Adam Rifkin, der auch für DETROIT ROCK CITY und DIE TOTAL BEKNACKTE NUSS verantwortlich war.
Story 2 namens “I Was A Teenage Werebear” handelt von homosexuellen Werwölfen an einer US-Highschool Ende der 50er-Jahre und entpuppt sich bald als tuffiges, rosarotes Rockabilly-Musical mit Funsplatter-Einschlägen, Coming-Out-Humor und haarigen Boys in Ledermontur. Vergleiche zu NUDIST COLONY OF THE DEAD und Tromas POLTRYGEIST sind durchaus angebracht. Die Wölfe heulen und knuddeln lässt Regisseur Tim Sullivan, der auch beim 2001 MANIACS-Remake und dessen Fortsetzung auf dem Regiestuhl saß.
Shorty Nr. 3, "The Diary Of Anne Frankenstein", ist eine vogelwilde Neuinterpretation der Anne Frank-Thematik. Die Mitglieder der jüdischen Familie Frank, die sich während des zweiten Weltkriegs auf einem Dachboden vor den Nazis versteckt hält, sind nämlich, so belehrt uns der Film, direkte Nachkommen von Dr. Frankenstein. Nachdem Hitler die Familie aufstöbert, hält er mit Annes Tagebuch das Geheimnis des ewigen Lebens in Händen. Der Anleitung folgend bastelt sich der hier völlig vertrottelt dargestellte Führer seinen untötbaren Supersoldaten aus den Überresten einiger Juden. Das Ergebnis, "Meshugannah", ist ein Rabbi-Zombie und Golem, der mit Dreidel tötet und sich bald gegen seinen Schöpfer wendet.
"The Diary of Anne Frankenstein" ist Naziploitation wie es IRON SKY nicht hinbekommen hat, zu allererst aber freilich eine Hitler-Verarsche und politisch unkorrekter Klamauk. In der Originalversion ist das Filmchen deutsch mit englischen Untertiteln. Die Nazi-Darsteller sind allesamt Deutsche, bis auf Schauspieler Joel David Moore (bekannt aus HATCHET und AVATAR), der den Hitler spielt. Er spricht in einem krachigen, kaputten Fantasie-Deutsch mit vielen Rrrr's, Krrrk's und Arrkkk's und liefert so nebenbei die wahnwitzigste Hitler-Parodie seit Eric Cartman. Auf dem Regiestuhl saß hier kein Unbekannter, sondern Genregröße Adam Green (HATCHET 1+2, FROZEN). In der Rolle des "Meshugannah" ist der in Fankreisen ebenso bekannte Kane Hodder (verkörperte Jason Vorheese in FREITAG DER 13. Teil 7 – 10 und Victor Crowley in HATCHET 1+2) zu bewundern.
Das letzte Filmchen - eine Kackophonie, Exkrementen-Schlacht und Fäkalbombe - wird unterbrochen und geleitet uns zur Rahmenhandlung zurück, wo sexsüchtige Zombies über das Autokino herfallen. Ein splatterlastiges, doch ebenso schwarzhumoriges Finale erwartet den Zuschauer.
CHILLERAMA zelebriert den Trash, schlechte FX und das sich Suhlen im Kunstblut. Ungezogener, debiler und fäkalhumoriger geht es bei Troma auch nicht zu, siehe z.B. deren Beitrag TALES FROM THE CRAPPER. Jüngste Episodenhorror-Versuche wie LITTLE DEATHS oder THE THEATRE BIZARRE können im Vergleich getrost einpacken.
CHILLERAMA ist zudem ein Gipfeltreffen der "kleineren" Genregrößen. In der Rolle des Autokino-Betreibers steckt der auf Nebenrollen verschworene Richard Riehle (z.B. KEINE GNADE FÜR DAD). Ray Wise ist auch so ein Gesicht, dass einem so unendlich bekannt vorkommt, das man aber nicht zuordnen kann. Als Augenschmaus dienen diverse großbusige Darstellerinnen, einige davon sogar aus der Pornobranche. Und in einer minikleinen Nebenrolle ist Pornostar Ron Jeremy zu entdecken.
Für seine Laufzeit von über 110 Minuten macht der Film enorm Spaß und brennt dem Trash geneigten Zuschauer ein permanentes Grinsen in die Visage. Fans von Unfug in Filmform und komabrutalen Gewaltexzessen mit Schmunzelgarantie werden also bestens bedient.
„When There’s No More Room in Hell, the Dead Will Fuck the Earth!?“
Fazit:
Chilladelic! Splattertrash in Episodenform. Troma lässt schön grüßen.