Drive-In and Find Out
„Chillerama“ huldigt den trashigen C-Horrorfilmen von einst,
ein Kuriositätenkabinett, das du kaum bändigst oder anleinst.
Von Riesenspermien über schwule BDSM-Bärchen bis zum Tagebuch von Anne Frank-enstein,
stolpert man über Zombies, Popcorn und Splatter in dieses wilde Treiben per Autokino hinein.
Vier Experten des Fachs mit Leidenschaft und Irrsinn am Werk,
danach stapelt sich meist aus Bierflaschen und Chips bei mir ein ansehnlicher Berg.
Wer auf Horrortrash, Troma und so'n „Quatsch“ steht,
der hiernach wahrscheinlich dringend um eine Zugabe fleht.
Eine meiner liebsten, kurzweiligsten Anthologien,
aber klar muss man haben dafür 'nen Knacks weg und 'nen Spleen.
Aber würdet ihr Gekröse und Amateurschlachtplatten nicht finden geil,
würdet ihr diese Kritik nicht lesen, gar nicht erst kennen dieses Teil.
Schlechter Geschmack ohne Grenzen, zwischen Grindhouse und Mülltonne,
diese Bizarros sind schon eine absolute, skurrile, sympathische Wonne.
Da muss selbst Orson Welles Grinsen,
dieses Drive-In zahlt dir die Karte zurück mit Chaos und Zinsen.
Zwei Stunden gefüllt mit Schleim, Körperflüssigkeiten und Augenzwinkern,
wirkt das oft wie zwischen einem Einbeinigen und einem Blinden ein Ringkampf.
„Chillerama“ fängt das Gefühl einer perfekten Freitagnacht für uns Horrorfans ideal ein,
und will auch gar nicht mehr als stumpfeste und instinktivste Unterhaltung sein.
Klar gibt’s Zitate und ist das nur für unsere Nische,
doch in genau diese ich immer wieder voller Vorfreude krieche.
Hassen oder lieben, entweder du verstehst den Witz und den Style,
oder du findest diesen dreckigen Potpourri alles andere als schmackhaft und geil.
Für mich ist „Chillerama“ jedenfalls wie gemacht,
denn selten habe ich derart durchgängig positiv den Kopf geschüttelt und gelacht.
Fazit: eine der berauschendsten, „billigsten“ und bierlaunigsten Horroranthologien aller Zeiten. Für B-Movie-, Grindhouse-, Horror-, Splatter- und Trah-Fans vom Berliner Bahnhofskino bis zur New Yorker 42nd Street ein ganz, ganz großer Spaß. Wild, verrückt, bescheuert. Aktuelles ehrt greazy, cheesy „Klassik“. Cool ohne Ermäßigung. Ein moderner Mitternachtsklassiker.