Oh yeah! Der Award für den Film mit dem geilsten Titel geht dieses Jahr an „Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb“. Haha, was für ein toller Titel! Echt ey…
Aber einen besseren Namen hätt’ man dem Streifen gar nicht geben können. Der passt echt wie die Faust aufs Auge, was ich im Folgenden mal zu begründen versuche.
Aber erst mal zur Story:
Eine Familie voller sympathischer Sonderlinge (der Vater ein hoffnungsloser Workaholic, der Sohn hält sich mittels Selbstverstümmelung wach, um nicht beim Lernen für eine wichtige Prüfung wegzupennen, die Tochter eine Prima Ballerina, die in Babysprache spricht) zieht von der Stadt in ein kleines Häuschen in „Suburbia“.
Anfangs zieht mit der Sippschaft auch gleich Harmonie in die gute Stube ein, auch wenn der Vater der Ansicht ist, dass der Rest der Truppe an einer selbstdefinierten psychischen Seuche, nämlich der sogenannten „Zivilisationskrankheit“ leidet.
Als sich jedoch der Großvater der Familie in dem Häuschen breit macht, droht der Familiensegen endgültig in Schieflage zu geraten.
Nach und nach verfallen alle Familienmitglieder dem Wahnsinn und beginnen sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen…
Soll das nun witzig sein??? Machen die gerade ernst oder nicht???... Fragen wie diese drängen sich bei dieser überspitzten Familien-Groteske, die allen geläufigen cineastischen Normen ins Gesicht spuckt, ständig unweigerlich auf. Ich will jetzt nicht zuviel verraten, aber die anfängliche „Uneindeutigkeit“, sprich die Frage, ob man über den dargestellten „normalen“ Wahnsinn nun lachen darf oder nicht, nimmt zusehends konkreter werdende Formen an, gipfelt sogar in deftigen Handgreiflichkeiten und Auseinandersetzungen mit deutlichen „Dual Project“ (muss man nicht kennen… ein Filmprojekt von zwei bekannten asiatischen Regisseuren, in dem sich die Protagonisten gegenseitig zerfleischen…)-Anleihen.
Doch genau in dieser Undurchsichtigkeit liegen die Stärken des „Düsenantriebs“. Man weiß nie genau, ob man nun lachen oder weinen soll, ob man nun eine überdrehte Komödie oder ein äußerst seltsames Drama vorliegen hat. Einfach klasse, auf welch kuriose Weise Emotionen und Humor hier verschlüsselt werden.
Das hört sich jetzt alles ganz furchtbar an, isses aber gar nicht. Obwohl hier richtig derb die Fetzen fliegen, sogar Blut fließt und die ganze Family psychisch komplett vor die Hunde geht, handelt es sich bei dem „umgekehrten Düsenantrieb“ um eine überaus witzige Satire voller überzeichneter Posen, Kreaturen und Ideen, wie man sie wohl nur aus dem Land der aufgehenden Sonne zu erwarten hat.
Der Vater hebt mitten in der Küche ein Kellerzimmer für den werten Opa aus, dem Sohnemann brennen von der vielen Lernerei irgendwann buchstäblich alle Sicherungen durch, der Großvater läuft gen Ende als Offizier aus dem ersten Weltkrieg Amok… - also wenn sich das jetzt nicht nach ner absolut umwerfend geilen Komödie anhört, dann weiß ich echt nicht mehr… Naja gut, Gags zum Wegschmeißen werden hier wirklich nicht geboten, der Humor ist sogar so dezent aufgetragen und so codiert, dass man ihn oft kaum als solchigen klassifizieren kann, doch so schlicht dieses Filmchen auch daherkommt, so sehr bezaubert es auch.
Yupp, „Die Familie mit dem ungekehrten Düsenantrieb“ ist mal wieder eine fernöstliche Seltsamkeit, die man eigentlich nur lieben kann, die mit ihrer Weirdness einfach voll und ganz in ihren Bann schlägt, und deren liebevoller, unreißerischer Erzählstil einem unweigerlich das Herz öffnet.
Sympathische Weirdos und der ganz normale Wahnsinn. Zwar lässt der Film eine Auflösung, was der ganze Irrsinn nun sollte, oder eine Moral vermissen, sonst sammelt der Streifen aber eigentlich nur Pluspunkte.
Fazit daher:
Der „Daniel Düsenantrieb“ (ich lach auch ersten morgen drüber…) des asiatischen Kinos, ein Film für Körper und Geist und Durchdreh-Kino, das die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn mal wieder ganz neu definiert. Mehr als nur ein Geheimtipp!