Review

Ein deutscher Horrorfilm? Realy?

Dass ich das noch erleben darf. Natürlich bin ich nicht fehlerlos und ein Allesseher, aber an das letzte deutsche Horror-Produkt an das ich mich erinnern kann, war "Flashback - Mörderische Ferien" aus dem Jahr 2000. Dieser Streifen schwamm auf den tausenden Plagiaten der "Scream-Welle" mit - nur eben mit der Tatsache, dass dieser Film wirklich eine Produktion aus unserem Land war. Und wie ich es empfand - eine Gute.
Es kann natürlich sein, dass hier und da mal etwas dazwischen war, was ich nicht mitbekommen habe, aber dazu zähle ich keine Jochen Tauberts, Roses, Ittenbachs und Konsorten, die immer noch auf dem absoluten Amateur-Level rumdödeln (natürlich ist Jochen unterste Schublade, wobei Itte einfach stehen geblieben ist. Meine Meinung).

Doch widmen wir uns jetzt dem Neuling: Regisseur Rainer Matsutani (war das nicht einmal ein Gimmick in einem YPS-Heft ?) ist in Deutschland kein Unbekannter. Eine Größe ist er zwar auch nicht, dennoch hat er einige gute Beiträge abgeliefert. Einen Tatort gedreht, für die SOKO-Serie vier Folgen abgefilmt. Und hier und da auch wirklich gute TV-Filme herausgebracht. Schauen wir uns mal den Plot an:



Die Schmerz- und Beruhigungstabletten Abhängige Katrin Nadolny (Jennifer Ulrich) zieht in ein Studenten-Wohnheim ein. Schon am ersten Tag geht es in die örtliche Disko, in der sie auf ihren Kommilitonen Christian (Daniel Roesner) trifft. Eine Ecstasy-Pille später (und einem "Bildschirm-Flash", der stark an die Schaum-vor-dem-Mund-Flatter-Sequenz von "Universal Soldier - Day of Reckoning" erinnert) landen die beiden im Studentenheim in Katrins Zimmer. Doch der notgeile Chris zögert einen Moment, als er die Nummer "205" sieht. Von diesem Zimmer weiß er mehr, als er zugibt. Das folgende Rumgepoppe endet abrupt, da Katrin Hallozinationen mit einer Panikattacke bekommt.
Am nächsten Tag kommt es noch schlimmer, denn Studentin  Sanne (Marleen Lohse) ist immer noch in dem Glauben, dass sie mit Christian zusammen ist (der das anders sieht. Aber Frauen sind so. Punkt.) und unterstellt Katrin wahre Ausspanner-Qualitäten. Zusammen mit Dirk (Tino Mewes) und Niko (Florian Jahr) beschimpft sie Katrin als Psycho-Bitch und macht ihr in den nächsten Tagen die Hölle heiß. Am selben Tag jedoch stirbt Christian. Jeder geht von einem Unfall aus, doch Katrin weiß mehr. Sie forscht nach und stoßt auf dunkle Geheimnisse: Die Vormieterin Annika (Julia Dietze) verschwand spurlos und es hat den Anschein, dass die böse Seele von Annika tödliche Jagd auf alle Studenten rund um Katrin macht...



"Zimmer 205 - Traust Du Dich rein" ist in meinen Augen ein gelungener Beitrag zum Horror-Genre geworden. Er bietet zwar nicht wirklich etwas neues ( welcher Horror-Film tut das heutzutage noch?), aber dennoch kann dieser "Mystery-Slasher" in vielen Dingen punkten.

Schon im Aufbau des Grundgerüsts der Story und Einführung der Charaktere schlafen mir nicht die Füße ein. Die Story wie auch Charaktere entwickeln sich interessant und sind keine Pendanten zu den typisch amerikansichen 08/15-Sauf-Popp-Drogen-Deppen, die flach gezeichnet sind und zudem noch meistens unsympathisch auf mich wirken.
Die bedrohliche Grundstimmung herrscht auch schon nach wenigen Minuten. Regisseur Matsutani und seine Crew (Schnitt, Kamera, Score) haben es drauf, auch jede noch so harmlose Szene unterschwellig böse wirken zu lassen, so dass zu jeder Zeit etwas passieren könnte. Natürlich bleibt es nicht nur beim Andeuten, sondern es gibt schon viele Schockeffekte mittlerer Natur zu bestaunen. Es sind keine "Insidious"-Schocks, aber immerhin solide.

So treibt der Plot, der leider teilweise vorhersehbar ist, vor sich hin und überrascht den Zuschauer mit einem gesunden Level an permanenter Spannung.
Zu dem Vorhersehbaren (wer stirbt denn so als nächstes...?) ist zu deutlich und man kann auch Massupilami vorwerfen, dass er ein Schisser ist, was die Goreszenen anbelangt. Hier merkt man: Typisch deutsch.
Damit will ich nicht sagen, dass dieser Film blutleer ist - aber ein klein wenig expliziter hätte man schon sein können. Gorehounds könn(t)en deswegen auch mal einen Blick riskieren.

Der Soundtrack ist mir nicht sonderlich im Ohr hängen geblieben, bis auf die zwei abscheulichen Techno-Lieder. Hier hätte man mit ausgefallener Musik vielleicht auch noch etwas punkten können.

Das Finale ist zwar kein "Saw 2.0"-Finale, kann sich aber dennoch sehen lassen - auch wenn das (Vor-)Finale mal wieder nicht wirklich überraschen kann. Okay, das kann man dem Film eigentlich nicht vorwerfen - denn wie sollte er denn sonst enden?
Die Schlusslocation ist auf jeden Fall der Hammer und als man meint, der Film sei schon vorbei, kommt noch eine bitterböse Pointe, die den Film wiederrum etwas aus der Masse hervorhebt.


"Zimmer 205 - Traust Du Dich rein" ist zwar keine Offenbarung vor dem Herrn, aber dennoch ein solider Genre-Beitrag im Horrorgenre. Selbst Deutsche-Filme-Hasser könnten diesem Teil hier mal eine Chance geben. Tipp: Evtl. vorher mal den Trailer anschauen. Den kann man als Raubkopie bei Youtube anschauen.

Von mir gibt es für diesen aufgepeppten Mystery-Slasher

7,5/10 Punkten

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