Nonnen, Hündchen, Pizzaboxen und dicke Knarren…
…so heißt VIOLET & DAISY zum Glück mit dem stets ergänzten und bescheuerten deutschen Zusatztitel (noch) nicht und sonst hätte uns wohl auch ein ganz anderer Film erwartet. Auch der Trailer täuscht ein dramaturgisches Tempo und einen flotten Stil vor den der Film so gar nicht liefert beziehungsweise liefern will. Wer also rund 90 Minuten flotte Unterhaltung, viel Action, grandiose one-liner und zotige Treiben erwartet, könnte unter Umständen enttäuscht sein. VIOLET & DAISY setzt mehr auf sein skurriles Szenario zweier junger Mädchen und einem potentiellen Mordopfer.
Der Film entwickelt daraus in fast kammerspielartiger Beschränkung ein Drei-Personen-Stück, welches mehr als 90% der Spielzeit auf fast nur einen Raum beschränkt ist, eine eher schwarzhumorige und manchmal leicht blutige Komödie. Danny Trejo (mit dem ich auch auf einem Filmfestival mal kurz gequatscht habe) hat übrigens nur einen unwichtigen und braven 2 Minuten Auftritt. Anfangs weiß man noch nicht so viel mit dem nach 08/15 aussehenden zahmen Independent Drama VIOLET & DAISY anzufangen, der auch nie ein richtiger Thriller wird. "Thrill" oder Spannung im üblichen Sinne sind nämlich mitnichten vorhanden.
Ihm geht es trotz manch grotesker Spitzen um die leisen Töne zwischen den Protagonisten und anderer Aspekte der Moral und Menschlichkeit und dem berühmten dramaturgischen Motiv "was würdest Du in so einer Situation machen?". VIOLET & DAISY besticht durch seine bestens harmonierenden und gut aufgelegten Hauptdarstellerinnen Violet (Alexis Bledel - u.a. DIE LINCOLN VERSCHWÖRUNG) und Daisy (Saoirse Ronan - u.a. WER IST HANNA?). Leider hat gerade Daisy eine für meinen Geschmack recht nervige Synchronstimme erwischt und es dauert eine Weile sich daran zu gewöhnen.
Der kürzlich an einem Herzinfarkt gestorbene James Gandolfini als Dritter im Bunde wird nicht wirklich gefordert und gibt sich in seiner Rolle recht passiv seinem Schicksal hin. VIOLET & DAISY brilliert nicht durch Dynamik, Logik oder gar Realismus in der Handlung der Protagonisten, sondern ordnet alles seiner Geschichte unter, die recht einseitig auf den schnell verblassenden Aha-Effekt der beiden jungen Damen mit Mordlust und -instinkt setzt. So gern ich diesen Kontrast auf den ersten Blick mochte, so sehr war dies im Nachhinein doch recht konservativ umgesetzt worden. Auch wenn es wirklich mehr als einmal etwas zu schmunzeln gibt, ist VIOLET & DAISY insbesondere in der zweiten Hälfte deutlich dialogorientierter und versucht charakterliche Wege zu beleuchten.
Wirklich näher kommt man aber den Motiven aller Protagonisten nicht im Geringsten. So zieht sich das Ganze in Teilabschnitten trotz Standardlauflänge doch einigermaßen zäh dahin um dann am Ende sogar kurz in fantasyartige Gefilde abzustreifen. Absurder und kreativer Höhepunkt ist der von den beiden Mädchen zelebrierte "Innere Blutungstanz" wild hüpfend auf ihren gerade erschossenen Opfern. Gäbe es mehr davon, würde ich gerne eine höhere Wertung ziehen. VIOLET & DAISY bleibt aber stets brav und sogar berechenbar ohne dabei mit inneren Werten glänzen zu können. Vermeintlich ultracool inszenierte Tötungsszenen wirken doch eher bieder. Ein guter Unterhaltungswert ist dem ungewöhnlichen Genremischling trotzdem zu bescheinigen.
5,5/10 Punkten