Da soll mal einer sagen, dass Werbung keine Wirkung beim Kunden erzielt. Neben zehn Flaschen Meister Propper (ich liebe diese Oldschool-Musik einfach), acht Handyverträgen, die ich zu einem unglaublich günstigen Preis erworben habe, pushte mich der andauernd im Fernsehen erscheinende Trailer zu "House at the End of the Street" mal wieder ins Kino zu gehen. Da Horrorfilme auf der großen Leinwand so rar geworden sind, kann man ja eigentlich im Vorfeld fest davon ausgehen, dass dieser Streifen ganz locker flockig zu konsumieren sei. Denkste !
Ärztin Sarah (Elisabeth Shue) zieht mit ihrer 17jährigen Tochter Elissa (Jennifer Lawrence) in eine Gute-Laune-Villa im Grünen, die in einer entfernten Kleinstadt liegt. The last House at the Street, oder wie ich es eher bezeichnen würde, das nächstgelegene Haus am Nachbarsbaum (das wäre natürlich kein guter deutscher Alternativtitel) ist ein Haus mit schauriger Vergangenheit. Dort ermordete ein kleines Mädchen vor Jahren in bester Jason-Manier ihre Eltern. Seitdem scheint dieses Haus leerzustehen, aber schnell finden Mutter und Tochter heraus, dass Vollwaise Ryan (Max Thieriot), der in der schrecklichen Tatnacht bei seiner Tante war, nun alleine dieses Haus bewohnt. Im Dorf hat Ryan aufgrund der Vergangenheit keinen guten Ruf und deswegen lebt er sehr zurückgezogen. Elissa fühlt sich jedoch nach einer kurzen Kennenlernzeit von Ryan angetan und freundet sich, trotz Verbot der Mutter, mit ihm an. Doch Ryan hat auch eine dunkle Geschichte in der Vergangenheit, die er mit aller Macht beschützen will...
Ich hab jetzt zwar keinen "Last House on the Left" erwartet, aber auch keine weichgespülte Kinderversion, die man weder Horror noch Thriller nennen kann. Wenn mir einer eine Knarre an die Schläfe halten würde und ich mich entscheiden müsste, würde ich diesen Film als PG13-Horror abtun. Damit man mit seinen Kiddies nicht nur in animierte Filme gehen muss.
Ich habe mit Sicherheit keine Probleme mit einem blut- oder bodycountarmen Film, wenn der Rest vom Schützenfest stimmt, aber bis auf das Intro, das Lust auf mehr macht, hat der Film nichts zu bieten. Keine Spannung, keine Atmosphäre oder sonst was, wobei man nicht gleich wegpennt. Jennifer Lawrence, die hier noch im "Tribute von Panem"-Modus durch den Wald trappst (fehlt nur der Bogen mit den Pfeilen), fragt scheinbar vor ihrer Rollenzusage immer erst die Produzenten, welche Zielgruppe angepeilt wird. Somit gab es vor einem Jahr kein zweites "Battle Royale" und hier gibt es auch keinen würdigen Horrorvertreter. Blut? Morde? Irgendetwas, was eine Freigabe über 6 Jahren rechtfertigen würde? Fehlanzeige!
Bis zum Schluss darf man Elissa dabei zuschauen, wie das eh schon holprige Mutter-/Tochter-Verhältnis immer mehr den Bach runter geht, man lernt Elissa´s neue Klasse und Freunde kennen und meint, man ist in einer Langfassung von GZSZ. So dümpelt der Film seelenruhig auf ein Finale zu, das dann der einzigste Grund ist, sich diesen Film höchstens mal später auf DVD auszuleihen. Hier ist etwas Drive vorhanden, doch der geneigte Kenner dürfte den Braten am Ende schon lange vorher riechen. Zumindest muss man dem Film zu Gute halten, dass man nicht das Ausmaß erahnen kann. Aber ganz ehrlich, wenn Regisseur Mark Tondarai das für eine tolle Wendung hält, hat er den Schuss nicht gehört. Ausgefallen ja, geil - no way! Und vorallem unglaubwürdig kommt diese Wendung rüber.
"House at the End of the Street" beginnt mit mächtig Dampf im Intro, fällt danach komplett auf die Fresse und schlummert bis zum Ende völlig spannungsarm einem Finale entgegen, das man gesehen haben kann, aber nicht muss.
Selbst mit runtergeschraubten Erwartungen spreche ich in diesem Fall keine Empfehlung für Genre-Liebhaber aus.
4/10