Review

„Martial Outlaw“ ist ein unterhaltsamer B-Actionfilm mit reichlich Martial Arts von Genrespezi Kurt Anderson.
Kevin White (Jeff Wincott) ist Beamter bei der DEA in Washington und versucht dem russischen Drogenboss Nikolai Rodchenkov (Vladimir Skomarovsky) das Handwerk zu legen. Dafür wird ein Kurier abgefangen und verhaftet, auch wenn Kevin dafür erstmal drei Straßenräuber platt prügeln muss. Ist zwar etwas sehr konstruiert, aber wenn man Wincott, ein Stammschauspieler Andersons, loslegt, dann tröstet dies ausreichend darüber hinweg.
Die Spur führt nach L.A., wo Kevins älterer Bruder Frank (Gary Hudson) als Cop arbeitet. Doch der hat mit Kevin nicht so viel gemeinsam: Da sein Einkommen nicht so hoch wie Kevins ist, ist er auch illegalen Geschäften nicht ganz abgeneigt. Immerhin den Mut und die Kampfkraft Kevins besitzt er ebenfalls, wie er beweist, als er im Alleingang ein paar Juwelenräuber ausschaltet. Das gibt nicht nur fix die nächste wunderbar choreographierte Klopperei, sondern in einer Räuberrolle ist der kultige Nebendarsteller Al Leong zu sehen.

Kevin wird nach L.A. geschickt, um dort weiter zu ermitteln und wird von seinem Bruder und dessen Familie für die Dauer der Untersuchungen aufgenommen. Doch zwischen den ungleichen Brüdern kommt es zu Zwist, der bald sogar die komplette Ermittlung gegen den gefährlichen Drogenschmugglerring gefährdet…
Zur Variation des üblichen Cops contra Gangster Schemas führt „Martial Outlaw“ an sich nur den Bruderzwist ins Felde, seit Kain und Abel immer wieder ein gern gesehenes Motiv. Großen Tiefgang kann man davon zwar nicht erwarten, aber dafür arbeitet Anderson ohne allzu aufgesetzte Moral (auch wenn die übliche poetische Gerechtigkeit am Ende kommen muss) und macht aus der Streitigkeit der beiden Brüder ein Element, dass auch die Handlung beeinflusst und nicht bloß Nebenschauplatz bleibt.
Die Handlung ist dann auch ziemlich flott in Szene gesetzt, man sammelt Hinweise, streitet sich immer wieder mit kleinen Schlägertrupps, ehe am Ende die Fronten gänzlich geklärt werden. Nicht neu, nicht innovativ, aber mit reichlich Tempo und solider Spannung erzählt. Große Überraschungen darf man von den Wendungen in der Story natürlich nicht erwarten, aber Langeweile kommt auch keine auf. Die Inszenierung ist auf gutem Niveau, aber leider nicht mehr. Ähnlich wie bei Kurt Andersons „Bounty Tracker“ fehlt hier der letzte Schliff zur echten Referenzklasse im B-Bereich.

Dafür gibt es wieder ordentlich Action zu begutachten, wobei hier vor allem Kampfsportfans auf ihre Kosten kommen. Denn es gibt nur ein paar kurze Schusswechsel gegen Ende (ordentlich gemacht, aber kaum erwähnenswert), während den Rest der Zeit die Fäuste sprechen dürfen. Doch die Kämpfe haben es wahrhaft in sich, denn sie bieten ein paar recht spektakuläre Moves, sind von dem bekannten Fight-Choreographen Jeff Pruit wunderbar koordiniert worden und können in der ungekürzten Fassung auch einen ordentlichen Härtegrad bieten. Der Showdown ist leider etwas enttäuschend kurz, aber dafür sind die Restaurantschlägerei und der Fight in der Turnhalle ausgiebige Highlights. Weil Jeff Wincott mitspielt, dürfen auch seine üblichen Stockkampfeinlagen nicht fehlen, was die Kämpfe etwas abwechslungsreicher macht.
Wincott gibt hier gewohnt solide den Actionhelden und ist für B-Verhältnisse ziemlich gut, aber auch Gary Hudson liefert eine überzeugende Leistung ab. Die Nebendarsteller machen ihre Sache ebenfalls ordentlich, aber auf bekannte Gesichter (bis auf Al Leong und Leo Lee als Prügelmasse mit wenig Screentime) muss man verzichten.

Auch „Martial Outlaw“ ist ein fetziges B-Movie mit flotter Story und gut inszenierten Actioneinlagen, aber zur Referenz müsste die Inszenierung noch etwas herausragender sein oder die Story besser ausgearbeitet sein. Trotzdem auf dem gleichen Niveau wie „Bounty Tracker“ und „Martial Law II“ von Kurt Anderson und ebenso empfehlenswert für B-Actionfans.

Details
Ähnliche Filme