It’s a submarine! It’s a torpedo! It’s Supershark!
Wer braucht schon Sand Sharks, Land Sharks, Sharknados oder gar Steven Spielberg, wenn man Supershark haben kann? Er ist die Haifisch-Ausgabe des Stählernen, die Eier legende Wollmilchsau, die Einhaikapelle, das KitchenAid der Meere, der Herr der Elemente, das Luftkissenboot, das Amphibienfahrzeug, der Geländewagen und das Wasserflugzeug in einem. Er ist der eine Superhai, der alle anderen Superhaie abschafft… und Corin Nemec zur Arbeitslosigkeit verdammt.
Immer schon ist es das unstillbare Verlangen des Z-Klasse-Haifilms gewesen, den natürlichen Lebensraum des gefürchteten Meeresräubers endlich zu überwinden, um nicht immer wieder bescheuerte Ausreden dafür finden zu müssen, die Landratten ins Nass zu locken – zumal sich das Wasser dem filmischen Medium gegenüber ohnehin äußerst widerspenstig verhält. Wie soll man die Kills da unten, wo alles in Zeitlupe abläuft, auch bitte dynamisch einfangen? Nein, das versuchen wir gar nicht erst. Ein Hai, der groß rauskommen will, muss heute mehr vorzuweisen haben als einfach nur Seepferdchen und eine große Klappe. Er muss raus aus dem Schwimmbecken.
Wie ernst es „Supershark“ meint, das zeigt er schon, da sind noch keine 30 Sekunden vergangen. Mir nichts, dir nichts robbt er über den Sand und attackiert arglose Panzer. Moooment, da hat wohl jemand die Kassette nicht zurückgespult. Macht eine Mark Fuffzich Strafgebühr. Aber gemach, gemach. Alles zu seiner Zeit. Das Teil hat schließlich nicht nur Haie auf Landgang zu bieten, sondern auch komplexes Character Building, das genug Tiefe für mindestens zwei Oscarnominierungen liefert. Jean Dujardin und Meryl Streep hätten bei der Verleihung 2012 sicher gerne Platz gemacht für Tim Abell und Sarah Lieving, ein Duo zum Verlieben. Also nochmal von vorn, zurück dorthin, wo die ganze tolle Story um weichgekochte Felsen und ausgebrochene Tiefseebewohner ihren Anfang nimmt.
„Eine Woche früher“, vermeldet also das nicht-chronologische Drehbuch der drei Schmalspur-Tarantinos mit Füllfederhalter nach der Vorausblende, kurz nachdem die Opening Credits zu unangemessen ernster Orchestermusik verstummt sind. Die Kamera fährt daraufhin in ein 3D-Modell einer Ölplattform, was ein wenig so aussieht wie bei dem Proto-CGI-Schluchten-Dolby-Digital-Trailer, den man Anfang der 00er bei fast jedem DVD-Start über sich ergehen lassen musste.
Da hocken nun also zum Auftakt zwei Ölexperten an ihrem Schreibtisch wie zwei kleine Bobs der Baumeister und erzählen Stuss. Nicht einmal für ein vernünftiges Bohrbüro-Indoor-Set reichte die Knete aus, da hatte „The Black Demon“ zwölf Jahre später an gleicher Stelle schon mehr zu bieten. Selbst in der klassischen Late-Night-Kameraeinstellung, in der die beiden Gestalten Worttennis spielen wie anno dazumal Harald Schmidt und Manuel Andrack, sind die Hintergründe noch 3D-animiert, was warme Erinnerungen weckt an die Studios in jener Art von Kinder-TV, wie es in den 90ern im Samstagmorgen-Programm ausgestrahlt wurde.
Kinderkram macht ein Fred Olen Ray aber natürlich nicht (abgesehen von seinen ganzen Weihnachts-TV-Schmonzetten… und Filmen über unsichtbare Hunde… und Junior-Geheimagenten mit Röntgenbrillen… und, tja, mobile Superhaie). So kommt es wahrscheinlich eher versehentlich zu einer Hommage an „The Last Jaws“ (1981), einen echten Italokracher alter Schule und einen der schmierigeren Vertreter der damals grassierenden Jaws-Rip-Off-Welle. Im Gegensatz zum verkappten Vorbild wird zwar diesmal kein Menschlein entzwei gebissen, während es an einem Helikopter hängt, aber hey, ein CGI-Tragwerk, das von einem fliegenden CGI-Hai mitsamt des ganzen CGI-Bohrturms ins Wasser gezogen wird, das hat doch auch viel Dramatisches.
It’s a bird! It’s a plane! No, it’s Supershark!
Dann endlich zeigt „Supershark“ sein wahres Gesicht, als zu den sommerlichen Impressionen kalifornischer Hafenanlagen das Funk-Theme von Harvey Scales eingespielt wird. „As Bad As Can Be, On The Land and On The Sea! Bon Appetit! He Can Jump, He Can Fly, He Can Almost Touch the Sky! A Whale of a Killer, He Makes Jaws Look Like Flipper!“ „Supershark“ klingt eh schon wie eine Mischung aus „Superfly“ und „Shaft“, jetzt ist die Verbindung besiegelt. Ein Sequel „Hammerhai“ mit Fred Williamson ist nun wohl unausweichlich. Keine Frage, diese unverhoffte Blaxploitation-Einlage rangiert weit über den restlichen Disziplinen dieses Films. Reißt Abell und Lieving doch bitte den Oscar wieder aus der Hand und überreicht ihn Harvey Scales! Der rettet der ganzen Nummer hier schließlich gerade den Arsch.
Ist man jedenfalls einmal auf festem Boden gestrandet, steht man auf einmal im Reich von David Hasselhoff. Plötzlich hagelt es rote Badeanzüge und Shorts, dass einem die Ohren schlackern. Wer hier Rot trägt, darf sich mindestens Nebendarsteller schimpfen. Auch was Statistinnen in Bikinis angeht, lässt sich der Regisseur solch illustrer Klassiker wie „Bikini Drive-In“, „Bikini Airways“, „Bikini a Go Go“, „Bikini Chain Gang“, „The Bikini Escort Company“, „Ghost in a Teeny Bikini“, „Bikini Girls from the Lost Planet“, „Bikini Pirates“, „Bikini Royale“, „Bikini Royale 2“, „Bikini Frankenstein“, „Bikini Jones and the Temple of Eros“, „Bikini Warriors“, „Bikini Time Machine“ und „The Teenie Weenie Bikini Squad“ natürlich nicht lumpen. Nur ausgepackt werden darf trotz Talentshow in der Cocktailbar nichts. Bruh. Immerhin kämpft Sarah Lieving in der selbstbewussten Kombo aus Jeans und Bikini-Oberteil weiter um den Hauptdarstellerinnen-Oscar, während Tim Abell sich seinen als Cool Cat mit Hawaiihemd und Bootsführerschein zu sichern gedenkt.
Bevor sich die Beiden aber darauf geeinigt haben, in den Lead-Rollen ein Haschmisch-Spiel der sich anziehenden Gegensätze zu veranstalten, führt das Skript erst einmal mit den Kandidaten der zweiten Reihe in die Irre. Erst werden mit Absperrband und Riesenschere großspurig neue Subplots eröffnet, dann landen sie eh gesammelt in einer Sackgasse, die für die Unglückseligen immer gleich endet: Das digitale Untier schiebt sich in den Bildkader, ohne sich auch nur ansatzweise die Mühe zu machen, Lichtverhältnisse und Schattenwurf zu reflektieren, dann geht das Maul einmal auf, einmal zu, es ist der eine Special Move, mit dem man am Videospielautomaten jeden Charakter in Street Fighter einfach weghauen würde.
Und der Mensch, der in einem Frame noch da war, ist im nächsten Frame einfach verpufft. An seiner Stelle verweilt noch kurz roter Staub, dann ist es so, als wäre er nie im Film gewesen. Wofür nochmal der ganze Aufbau? Ach ja, es gilt ja Zeit zu schinden.
Währenddessen beglückt uns Ex-Sitcom-Star Jimmie Walker als pseudo-jamaikanischer Radio-DJ in Tradition ähnlich gearteter Meta-Erzähler wie in „Pontypool“ (2008), „Bad Channels“ (1992) oder „Arac Attack“ (2002), weil so ein Trashfilm ohne Trash Talk einfach nichts wert ist. Das Militär macht sich selbstverständlich auch wieder zum Affen, wie immer, wenn gegen eine unzerstörbare Macht Feuerkraft gefragt ist. Dazu kommen die üblichen Umweltthemen, medialen Reflektionen und Steve-Alten-Gedankenspiele. Man hat wirklich das Gefühl, einen Film zu sehen, der das kreative Produkt eines Kindes ist, das zu viel von dem ganzen ungesunden Haihorrorstoff gekokst hat und die gesammelten Eindrücke nun mit einem Malstift zu Papier bringen möchte.
Genau so mutet nämlich der hüpfende, kriechende Polygonklotz an; nicht wie ein Hai, sondern wie die kindliche, vereinfachte Vorstellung eines solchen. Während die guten alten Gummimodelle aus dem vordigitalen Zeitalter aufgrund der physikalischen Greifbarkeit immer noch ihren eigenwilligen naiven Charme bewahren, ist unser „Supershark“ längst zum Aussterben verdammt. 15 Jahre später verfügt jeder Youtube-Amateur über die Mittel, die Effekte dieses Billigheimers um ein Vielfaches zu übertreffen. Warum sich noch mit veralteter Engine abgeben?
Da liegt es am Ende doch wieder bei den Mitarbeitern vor der Kamera, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Aber wenn wir mal ehrlich sind, Lieving und Abell sind eben nicht Streep und Dujardin, Fred Olen Ray kein Nicolas Winding Refn, ja nicht einmal ein Paul W.S. Anderson. Man kann ihm rückblickend immerhin attestieren, die gesamte Subklasse der CGI-Haihorrorkomödie kondensiert zu haben. Wie die meisten seiner minderbegabten Artgenossen ist „Supershark“ eine Art selbstironischer Witz, vorgetragen ohne das Gespür für das richtige Timing. Der Supervertreter aus der Kategorie: Wenn der Soundtrack-Komponist mal wieder der einzige ist, der die Chose wirklich begriffen hat.
It’s a walrus! It’s a tank! Hell no, it’s Supershark! Can you dig it?