War schon im letzten Fall,
The Oblong Murders, eine Glaubensgemeinschaft und ihr Tun und Lassen der Aufhänger des Geschehens, so wird auch in
The Sleeper under the Hill eine Minderheiten-Religion, diesmal allerdings nur am Rande und auch ohne den gewohnt britischen Humor und anderer Skurrilitäten als Zutat in Augenschein genommen. Auch weiterhin treten Veränderungen und ihre Brüche ein, muss man sich erneut mit dem Verlust und Abschiednehmen einer langjährigen Gewohnheit, diesmal dem des Gerichtsmediziners und so Stammpersonals und dessen Austausch mit einer jungen Kollegin der Umgestaltung der Serie für ein neues Zeitalter mit eventuell auch neuem Publikum stellen. Eine Mischung aus Altgeliebtem und vielleicht nicht gerade revolutionärem, aber schon modifizierenden und sicherlich nicht Jedermann ansprechenden Reiz. Heimat ohne Idylle, wo die Toten gar zur Schau ausgestellt werden und schon die Krähen als erster Zuschauer über dem Aas kreisen:
Als die ausgeweidete Leiche von Alex Preston inmitten einer altertümlichen Grab- und Kultstätte der örtlichen "New Dawn Druids" um Leticia Clifford [ Susan Brown ] und Ezra Canning [ Alan Williams ] gefunden wird, zeigen die Finger sofort auf die bisher eher belächelte Gesinnungsgemeinde. DCI John Barnaby [ Neil Dudgeon ] und sein Assistent DS Ben Jones [ Jason Hughes ] finden allerdings noch weitere interessante Personen im Dorf, darunter die plötzliche und trotzdem noch lebensfrohe Witwe Eleanor Preston [ Claudia Harrison ] samt Liebhaber Aidan Hardy [ Noah Huntley ] sowie den auf Bewährung befindlichen Wilddieb Evan Jago [ Richard Leaf ]. Unterstützung bei der Aufklärung erhält das leicht zerstrittene Polizistenpaar vom Historienforscher Caradoc Singer [ Robert Pugh ], der neuen Gerichtsmedizinerin Dr. Kate Wilding [ Tamzin Malleson ] und dem lokalen Diensthüter Sgt Trevor Gibson [ Lee Ross ].
Wie das so ist mit der Religion, wird die Gruppe von Außenstehenden, derer zahlreich vorhanden sind, mit Skeptizismus, verdient oder auch nicht und gleichfalls mit Vorurteilen und schnellen Schuldzuweisungen behandelt. Sowieso werden erstmal alle Finger auf den Kult und dann auch bald auf die Anderen in der illustren Runde der Figuren gerichtet. An Anzahl der Verdächtigen wie so oft im mit-populärsten Vertreter der britischen
old school Krimis reich, während die Wahl der Motive relativ knapp bemessen und nicht wirklich wichtig für die Aufklärung selber sind. Die Spannung wird von Neuling Nicholas Laughland, der mit der Episode
Echoes of the Dead (2011) sein fulminantes Debüt im Rahmen der Serie gab, wiederum mit den Umständen der Ermittlungen und ihrer zunehmenden Gefährlichkeit und Agressivität erzählt.
Denn nach bereits vorbereitendem Beginn, der als "
definite taste for gore in all this" treffend umschrieben wird, wird auch folgend das Tempo weniger gedrosselt als vielmehr für einige vergleichsweise hohe Aktivität, wenn auch sicherlich nicht der rauen Wirkung des Debüts in seiner Slashermanie benutzt. Einbrüche und Diebstähle stellen den Rahmen des Geschehens dar, ein streitbarer Geschlechterkampf zwischen zwei Verdächtigen die hoch emotionale Note, der Trietz zwischen den beiden bzw. hier gar drei Polizisten die begleitenden Umstände. Zudem wird Jones in seiner Ausübung als Exekutivorgan von einer Schusswaffe bedroht, entgeht nur knapp einem Verkehrsunfall und wird anschließend noch von einer Landwirtschaftssprühmaschine über den Acker gejagt. Barnaby zieht dem mit einem Fechtkampf gegen den Experten auf diesem Terrain sicherlich nicht gleich, sieht in Sachen
field experience allerdings genauso verloren und an physischer Präsenz da auch ein wenig defensiv und empfindlich in der mühsamen Verteidigung aus.
Ähnlich der narrativen Ausgestaltung sieht auch die Landschaft, sonst zwischen "Ländlich wohnen" und "Natur erleben" gehalten, diesmal ein wenig eintönig, eher in das flache Lange und leere Breite, mit ständig ein und derselben Wiese und seinem Steingepränge und darüber hinaus manch wüsten Interieur der Wohnungen aus. Während die Behausung des Wilderers verständlicherweise nicht dem schicken Auge englisches Cottages entspricht, befindet sich die lokale Polizeistation gar in einem besseren Schuppen und sieht auch folgerichtig wie improvisiert und vielmehr als größere Garage mit einem Schaukasten als Zeichen der Offizialität aus. Müde in seiner sonstigen Beschaulichkeit, aus dem üblichen Besonderen des Provinziellen und seinem pittoresken Exzellenzprogramm hier ins Allgemeine von Grau und Engstirnigkeit und regional langweiliger Einbindung verwandelt.