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Die 13jährige Luli (Chloe Grace Moretz) wohnt mit ihren alkoholischen und überforderten Eltern (Anson Mount und Juliette Lewis) in einem Kaff in Nebraska. Sie feiert ihren Geburtstag in einer Kneipe (!) und muss am Ende wieder einen saftigen Streit ihrer Eltern miterleben, in dem die Mutter den Vater als „fucking loser“ beschimpft. Am nächsten Morgen verschwindet ihr Vater einfach so, ihre Mutter trifft sich mit einem schmierigen Immobilienmakler und so haut Luli einfach ab, Richtung Las Vegas, einfach so. Unterwegs trifft sie den irritierenden Eddie, der manchmal sehr nett zu ihr ist und manchmal unglaublich brutal zu anderen ist, sowie die hübsche Glenda (Blake Lively), die gar nicht so glücklich zu sein scheint, wie Luli zunächst annimmt. Und immer wieder taucht Eddie auf, auch als sie ihn glaubte, abgeschüttelt zu haben…

„Hick“ (Landpomeranze) stammt aus dem Jahr 2011 und basiert auf dem Roman von Andrea Portes, die auch das Drehbuch schrieb. Insgesamt war der Film in den USA eher mäßig erfolgreich und auch nicht sonderlich bei den Kritikern beliebt. So schrieb ein Kritiker, dass der Film Luli stets sehr aufreizend und sexualisiert darstelle. Um es vorwegzunehmen: nein, das finde ich nicht! Klar, Luli fragt manche Männer „Do you think I’m pretty“ , posiert (und flüchtet sich in) Filmposen vor dem Spiegel in knappen Klamotten, doch empfand ich sie weder als zu „lolitahaft“ noch als zu schlampig oder sonst etwas. Sie ist einfach ein verlorener Teenager, der geliebt werden will und diese Liebe weder zu Hause findet noch wirklich unterwegs. Und wenn sich da Zuneigung zeigt, so immer nur mit Brüchen, ja mit Gewalt.
Und Chloe Grace Moretz spielt Luli so überzeugend, wie es nur geht, mit all der Verzweiflung, Hoffnung und dem Optimismus, den so eine Heldin braucht. Auch Eddie Redmayne ist sehr überzeugend ebenso wie Blake Lively als verzweifelte Landschönheit.
Der ein oder andere Charakter wirkt eher wie ein dramaturgischer Katalysator (z.B. Larry mit dem Riesen-Stetson) als wirklich realistisch.
Zudem wirkt dieser Landstrich in Amerika wie ein Sammelbecken von soziopathischen Irrläufern, in denen einzig Luli ihre Würde, Vernunft und Unschuld bewahrt. Insofern war sie auch der Zugang für mich zu dem gesamten Film. Nur Beau (Alec Baldwin) behandelt sie gut und ermöglicht ihr vielleicht sogar eine Zukunft.
„Hick“ ist wunderschön fotografiert und sehr stimmungsvoll, mit passender Musik und Regisseur Derick Martini hat genau den Richtung Rhythmus gefunden, um die Geschichte einer verkorksten Selbstfindung zu illustrieren – und dies im wahrsten Sinn des Wortes, denn immer wieder malt Luli ihre Träume und Wünsche auf, ebenso wie die Vergangenheit, so über ihren kleinen Bruder, der noch im Brutkasten verstarb.
Irgendwie war vieles, was in diesem Film zu sehen ist, schon einmal da, vielleicht besser, vielleicht anders, aber Luli ist ein faszinierender Charakter, der man noch länger hätte zugucken wollen.
Kein Meisterwerk, aber ein stimmiges Porträt einer „Landpomeranze“ mit einem konsequenten, passenden Ende.

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