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Independentfilme im Bereich Drama oder Roadmovie sind eine gute Sache wenn eine Handvoll Dinge zusammenkommen. Dazu gehört neben der guten Story und ein paar guten Darsteller auch das gewisse Etwas das schwierig zu beschrieben ist, aber meist in einer eigenen Note und einer gewissen Kreativität liegt. RUNAWAY GIRL jedoch hat zwar eine durchaus interessante Geschichte, aber die selbstgesetzten Ansprüche eines kultigen Indie-Roadmovies werden in keiner Weise erfüllt. Mit viel dramaturgischen Leerlauf und recht einfältigen Dialogen und banalen Szenen betritt er das tiefe Tal der filmischen Mittelmäßigkeit. Die ausführlichen und überschwänglichen Lobeshymnen in der Werbung zum Film sollten wieder mal indirekte Warnung sein.

Die Geschichte der 13-jährigen Luli mit schwierigem Elternhaus, die aus dem Kleinstadtmief flüchtet und einige bunte Typen dabei kennenlernt ist eine Adaption des Buches "Hick" von Andreas Portes und der Film heißt auch im Original so. Nur der deutsche Verleih musste wohl einen etwas verständlicheren Titel irrigerweise auch in Englisch auswählen. Technisch und von der Ausstattung her ist nichts zu bemängeln. Aber das war es leider schon. Der Inhalt ist dünn und RUNAWAY GIRL geht bald die Puste in seiner Orientierungslosigkeit aus. Es gibt eine Menge klischeehafter Figuren die wir schon 100 Mal besser gesehen haben.

Auch die überaus gehypte Hauptdarstellerin der Lulu (Chloë Grace Moretz) die mit ihren heute 16 Jahren schon in über 30 Filmen und TV-Serien mitgespielt hat wirkt für mich nicht überzeugend und stets sehe ich in ihr die Schauspielerin und nicht die gespielte Figur. Die Worte, die ihr und den ach so schrägen Nebenfiguren das Drehbuch in den Mund legt, sind einfach nur schon oft gehörte pseudocoole und einfach strukturierte Spruchgebilde ohne eigene Note. Schade, Moretz hatte in einigen Rollen wie auch LET ME IN sehr überzeugt. Schon der Trailer muss dem Zuschauer akribisch vorgeben wie er den Film finden soll durch die Einblendungen "Allein-süß-unschuldig-aufrichtig-gefühlvoll-unbequem-absurd-brutal-gewalttätig-konfliktgeladen".

Aber was will uns RUNAWAY GIRL eigentlich sagen? Geht es um schwierige Elternhäuser, eine Coming-of-Age oder Selbstfindungs-Geschichte, oder um den Missbrauch von Kindern? Am Ende sind es nur vermeintlich groteske Figuren, meist Männer, die im Umfeld von Luli mehr oder weniger für Probleme sorgen. Es fehlt einfach eine erzählerische Orientierung für den Zuschauer. RUNAWAY GIRL versucht dann noch am Ende eine ziemliche Wendung zu verkaufen, die leider auch dramaturgisch für mich nicht zündet. Alles in allem verbleibt eine sehr durchwachsene Mischung, leider weit weg von den eingangs erwähnten zitierten Lobeshymnen…

3,5/10 Punkten

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