Es gibt Filme, die Otto-Normalverbraucher alleine schon aufgrund des Titels nicht mit der Kneifzange anfassen würde. Man muss das sich mal auf der Zunge zergehen lassen: "Lachsfischen in Jemen". Alleine das Wort "Lachsfischen" verursacht bei mir Brechreiz wenn ich mir das inhaltlich vorstellen müsste, was da wohl über den Bildschirm flattern wird, aber in Kombination mit "Jemen" (wo liegt das noch mal?) kann ja nur der übelste Arthouse-Film dabei herauskommen, bei dem man vorher Weihrauch und Myrrhe zur Bewusstseinserweiterung inhalieren muss, um dem Geschehen überhaupt folgen zu können. Doch weit gefehlt: "Lachsfischen in Jemen" ist einfach nur eine weitere romantische Komödie...
Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor), eine internationale Größe in Sachen Fischzucht, kann kaum glauben, als er von seiner Behörde hört, dass ein Scheich (Amr Waked) in seinem Wüstenstaat Lachse züchten und ihn dafür engagieren will, dieses Projekt zu leiten. Geld spielt dabei keine Rolle. Jones hält diese Idee für unmöglich, lässt sich aber von der hartnäckigen Premierminister-Sprecherin Patricia Maxwell (Kristin Scott Thomas) dazu überreden, die in diesem Auftrag eine Chance sieht, das angeschlagene Nahost-Image aufzupolieren. In Jemen angekommen, lernt der Fischexperte Harriet (Emily Blunt) kennen, die auch im Auftrag des Scheiches arbeitet.
Wenn ich ganz böse wäre, würde ich behaupten, dass dieses Produkt eine weitere schnell runtergekurbelte SAT1-Eigenproduktion ist: Zwei Liebende, eine außergewöhnliche Location, ein paar schräge Situationen und fertig ist der Schnellschuss. So fühlt es sich auf jeden Fall an.
Dem Regisseur Lasse Hallström, der mir 2005 mit "Ein ungezähmtes Leben" eine fesselnde Geschichte erzählte und mich emotional begeisterte, kann man keine schlechte Absichten unterstellen. Man kann erkennen, dass Unwissende in das Leben der Lachse eingeweiht werden sollen. Man bekommt Informationen dieser Fischsorte geboten, die man sonst wohl nachschlagen müsste. Auch kann man erkennen, dass Hallström britischen Humor gepaart mit Politik- und Mediensatire in dieser Liebesgeschichte unterbringen will - doch all diese kritischen Momente kommen meiner Meinung nach zu kurz, bzw. gehen unter. Denn sobald man das erste Mal McGregor und Blunt gemeinsam in einer Szene sieht, blinkt ganz groß und fett "Liebespaar" am Himmel. Ob sie nun zusammenfinden werden oder nicht, werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten.
Jedoch liegt die eindeutige Konzentration bei diesen beiden. Die zwei Liebenden stecken in einer Beziehung, kommen sich näher, behalten ihre Gefühle jedoch für sich, da man ja liiert ist und nicht miteinander anbandeln kann, solange man Wert auf Treue legt - was die beiden natürlich tun. Die restliche Handlung kommt zwar auch voran, hier und da blitzt mal wieder ein Hauch von politischer Satire durch, aber man hat das Gefühl, dass all diese Sachen dem Film nur als Aufhänger dienen um nicht Gefahr zu laufen, als weitere 08/15-Liebesschmonzette abgetan zu werden.
Gut, auf der anderen Seite kann ich natürlich sagen, dass ich nicht anspruchsvoll bin, und in einer Romanze überhaupt keine Lust verspüre, mich mit solchen Nebenschauplätzen wie der Beziehung zwischen dem Nahen Osten und den westlichen Ländern auseinanderzusetzen. Also ich halte es Hallström nicht vor, dass die kritischen Untertöne zu kurz gekommen sind. Nein, mein Problem dabei ist einfach, dass "Lachsfischen in Jemen" die Magie fehlt, die den Film von anderen Produktionen abhebt. Natürlich passen McGregor und Blunt zusammen wie die Faust auf´s Auge und harmonieren auf der Leinwand absolut. Dennoch lässt mich das Paar irgendwie emotional völlig kalt.
Somit bleibt für mich am Ende nur eine unterhaltsame, romantische Komödie mit einer skurrilen Idee übrig, die mich nicht langweilte, aber auch nicht mitnahm oder etwa begeisterte.
5,5/10