Ich bin ja der Ansicht, daß ein Wort wie "fabrizieren" seinen Ursprung bei einem der umstrittensten Ikonen des italienischen Trashkinos, nämlich Fabrizio de Angelis, nimmt. Frei übersetzt heisst dieses Gütesiegel also fabriziert von Engeln, ein himmlisches Fabrikat, ein Werk Gottes!
Dieser Gott zählt als Produzent sicherlich die breiter akzeptierteren Filmgurken wie Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies, Zombies unter Kannibalen, Über dem Jenseits oder Das Haus an der Friedhofsmauer zur Historie seines Schaffens. Jedoch sollte man auch seine Regiewerke wie Thunder oder Karate Warrior nicht unterschätzen, schafft er es doch immer wieder auf unvergleichlich charmant - unterdurchschnittliche Weise mit wenig Geld und ohne eigene Ideen den Anhänger schlechter Filme zu unterhalten.
Nach diesem Schema mischt auch Killer Crocodile einfach bekannte Zutaten fern ab der Zivilisation zusammen, wo man das Szenario nicht übertreiben und keinen unnötigen Aufwand betreiben muß. Atommüll im Sumpf, ein mordendes Riesenkrokodil, nachdem Angler und einsame Touristen Geschichte sind, kommen Ökos hinterher, die für den Hunger des Tieres zunächst zu viele sind und so zunächst noch einen zwielichtigen, alleinherrschenden Richter im Indiodorf kennenlernen dürfen, in dessen unmittelbarer Nähe ausserdem ein Kauz residiert, der gern der Dschungelheld in Person wäre und sich dem Krokodil auch direkt stellen möchte, während die Ökos noch mit ihrem Gewissen ringen und das Monster, das vielleicht das letzte seiner Art ist, zunächst schützen wollen. Oh mein fickender Gott!
Viel Tier gibt es in Killer Crocodile gar nicht zu sehen, klar, denn bei zuviel Details würde man das billige Monster zu schnell als ein solches entlarven. Eigentlich tut man dies aber auch, wenn es nur Schnütchen und Pfötchen ins Bild reckt. Um auch wirklich etwas zu bieten, werden die Opfer nicht nur im Kunstmaul geschüttelt - wobei das böse Tierchen übrigens gar nicht Krokodil eher dazu neigt, seine Opfer zu ziehen, anstatt eine Rolle im Wasser durchzuführen - sondern hier und da auch abgetrennte Gliedmaße zelebriert. Natürlich ist das vollkommen unnötig, andererseits ist dies der ganze Film auch.
Unterhaltung bietet das hirnrissige Arrangement und die recht gelungenen Dialoge, in denen Worte wie "durchgekaut" im Bezug auf ein Opfer einen netten Spaß am Rande geben.
Wer mit dem Genre etwas anfangen und damit leben kann, hier bereits gesammelte Erfahrungen mit anderen Vertretern nicht übertroffen zu finden, ist mit Killer Crocodile nicht allzu schlecht beraten. Ein objektives Highlight sind aber weder der Film selbst, noch der tatsächlich etwas an Der Weisse Hai angelehnte Soundtrack von Riz Ortolani, der in seiner Karriere weitaus bessere Werke abgeliefert hat.
Kuriosum am Rande: Bei Anthony Crenna handelt es sich um Richard Anthony Crenna bzw. Richard Crenna jr. den Filius des unvergleichlichen Richard "Trautman" Crenna, der es ausser der Fortsetzung Killer Crocodile 2 nur zu kleinen Rollen in Predator 2 und dem 1988er Remake von Der Blob sowie diversen Rollen in Fernsehserien wie Chicago Hope, Roswell und Navy CIS gebracht hat.