Review

Wenn man das Hobby hat, Filmkritiken  zu schreiben, muss man als verheirateter Mensch manchmal nachgeben, wenn man alle Tage wieder mit Zombischrott, Hostel-Kacke oder uninspiriertem Action-Gedöns kommt. Also war mal wieder Pussy-Zeit, was auch die Pussy-Selektion mit beinhaltet, und so fiel die von mir unfreiwillige Auswahl auf "Zeit zu Leben", ein Film der schon im Trailer nach Schmalz und Gefühlen triefte. Gut, auf der einen Seite bin ich ein Mann, der Action bevorzugt, auf der anderen Seite bin ich auch ab und zu Kitsch zu haben. Schließlich dürfen Männer auch mal Gefühle zeigen, heulen wie die Schlosshunde bis der Penis abfällt.

Und dieser vom Hausdrachen ausgewählte Film (Yoha, danach gibt es eh wieder ein paar Wochen Zombie-, Action und Splatter-Filme bis zum Abwinken) war gar nicht mal so schlecht.

Hier wird die Geschichte von Sam (Chris Pine) erzählt, dessen Beruf eigentlich völlig Latte ist und nur als Aufhänger für eine Liebeskomödie dreht. Okay, wer es wissen will: Sam ist ein Geschäftsmann, der abgelaufene Produkte billig einkauft und in anderen Ländern mit einer satten Gewinnspanne wieder verkauft. Sein Leben ist toll, bis er die Nachricht hört, dass sein Vater verstorben ist, zu dem er ein schlechtes Verhältnis hatte und irgendwann in der Jugendzeit von sich aus das Familienverhältnis kündigte. Im anderen Bundesstaat bei seiner Mutter Lillian (Michelle Pfeifer, schön, mal wieder was von ihr zu sehen) angekommen steht er vor erstaunlichen Problemen: Sein Vater hat Sam´s  Halbschwester Frankie (Elizabeth Banks) 150.000 Dollar vermacht, mit der Great Daddy ungewollt einen weiteren Sohn (Devin Brochu) zeugte. Sam ist laut Testament der Vermittler und soll das Geld den beiden überreichen, das er eigentlich selber gut gebrauchen könnte. Sam muss sich entscheiden - Geldgier oder eigene Familie, von der er bisjetzt nichts wusste, diesen Geldbetrag zu übergeben.
 Doch Sam entscheidet sich anders: Er kauft eine Motorsäge und schnippelt sich durch die ganzen Angehörigen...


Vergisst bitte den letzten Satz der Inhaltsangabe, schließlich sind wir nur bei einer Schmonzette und nicht bei dem Texas Kettensägenmassaker.
"Zeit zu leben" beginnt recht witzig, allerdings auch menschlich kalt, was jedoch nach und nach der eingesetzzen Gefühlsduselei verschwindet. Natürlich ist die Story mit der unbekannten Schwester neu und unverbraucht. Meistens geht es ja um (vom Leben kaputte) Menschen, die zueinander finden und eine Beziehung anfangen. Das war natürlich hier nich der Fall, weil a) der Film von Disney produziert wurde und somit nur politisch korrekte Filme auf den Markt kommen und b) Inzest nun mal nicht bei jedem ankommt, der für sein Geld von einem Kinofilm unterhalten werden will. Daran muss man sich natürlich erst gewöhnen, denn Pine und Banks würden als Liebespaar (obwohl Pine eine Freundin an seiner Seite hat, die jedoch keine große Rolle in diesem Film spielt) perfekt zusammenpassen und ich dachte mir nur: Mensch, wenn ein Menowin (vielleicht kennt den einer von euch) bei DSDS mit seiner Cousine Kinder auf die Welt bringt, warum sollte sich auch dieser Film nicht so verhalten?  
Auf der einen Seite ist es schade und hätte mein Herz (Schwulenmodus an) mehr zum Schmelzen gebracht, auf der anderen Seite gibt es bei Walt Disney natürlich nichts in diese Schiene, die gegen (fast) weltweit geltende Gesetze verstößt.

So muss man sich erstmal dran gewöhnen, dass Pine seiner Schwester kennenlernen und testen will, ob sie das Geld wirklich verdient hat.
So, dass ist der große Minuspunkt im Film, da dieser Part eher kalauermäßig stattfindet als mit bewegenden Szenen, aber trotzdem nickt man dabei nicht ein. Für eine Familienkomödie geht das in Ordnung, obwohl einige Szenen etwas platt wirken und den Zuschauer  nicht im Herzen erreichen. Diese Szenen dienen einfach lediglich dazu, die Charaktere näher kennnzulernen, obwohl man sich das auch hätte sparen können, da bei beiden Seiten die Klischees am Dauertriefen sind.
Das Wort "Platt" ist von der Definition weit dehnbar, es wird kein "American Pie"-Humor geboten sondern wirkt eben für einen Liebesfilm einfach etwas zu aalglatt, langweilig und verbraucht.

Erst im Schlussdrittel fährt Regisseur Alex Kurtzman schwere Geschütze auf, die überraschend kommen und aucn ihre Wirkung im Pussy-Modus haben, dennoch fehlen "Zeit zu Leben " zwei bis drei magische Momente mehr, um in der oberen Kategorie mitzuschwimmen. Wenn öfters solche idealen Ideen wie im Finale gekommen wären, dann hätte es für eine höhere Wertung gereicht.

So allerdings ist der Film lediglich unterhaltsam, regt hier und da mal die Gefühle des Zuschauers an und ist eben nur etwas über dem Durchschnitt anzusiedeln. Wer mal wieder eine gehörige Portion Schmalz braucht, die nicht aufgesetzt wirkt, kann bei "Zeit zu Leben" nichts falsch machen und fühlt sich nach der Sichtung irgendwie happy. So berechenbar der Film auch ist, alleine mit seinem "Saw"-Ende bekommt dieser leicht platte Film einen Gedächtnismoment spendiert, dem Dichter und Denker gefallen wird.

8/10

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