Wie der Titel bereits vermuten lässt, wartet ein unerwünschter Fahrgast mit dem überzeugenden Argument einer geladenen Waffe im eigenen Auto und bestimmt fortan das Ziel. Ähnlich gelagerte, für solide Unterhaltung sorgende Prämissen kennt man, doch in diesem Fall wusste Regisseur John Bonito offensichtlich nicht wohin die Reise führt, wenn man stets mit angezogener Handbremse unterwegs ist und am Ende versucht, beim Trabi den sechsten Gang einzuschalten.
Die allein erziehende Mutter Lorraine (Maria Bello) hält mit ihrem siebenjährigen Sohn Chad abends an einer Tankstelle. Als sie zurückkommt, befindet sich der Bankräuber Roy (Stephen Dorff) bereits auf dem Rücksitz und hält der verängstigten Frau eine Waffe an den Kopf. Mit nicht genanntem Ziel beginnt eine Fahrt ins Ungewisse, der Lorraine in jedem Fall Einhalt gebieten muss…
Bevor der Räuber im Wagen der jungen Frau auftaucht, serviert uns das Drehbuch bereits eine völlig durchschaubare Milchmädchenrechnung, als wir Lorraine bei einer Gesprächstherapie vorfinden und ihr deutlich auf den Weg gegeben wird, sich vehement Luft zu machen und nicht sich selbst die Schuld an diversen Miseren zu geben, - ganz klar: Die Frau wird in der nachfolgenden Situation noch mächtig aufdrehen.
Bis dies allerdings eintritt, ist der Fluchtwagen zwar stets in Bewegung, doch die Handlung schreitet eher mit arg gedrosseltem Gas voran.
Das liegt primär an dem wenig unberechenbaren Verhalten des Entführers, der sich im Umgang mit Sohn Chad Mühe gibt, kumpelhaft aufzutreten und zwischenzeitlich sogar versucht, Alltagsgespräche während der Fahrt aufzubauen. Roy agiert schlicht zu harmlos, um überhaupt ein Mitfiebern anzukurbeln.
Demgegenüber verpasst Lorraine sämtliche Chancen zur Flucht oder der eventuellen Notrufe, selbst als Roy sie mit Handy auf die Toilette eines Diners gehen lässt. Man fährt durch die Nacht, redundante Dialoge wechseln sich mit vagen Versuchen von Charakterzeichnungen ab und bis zum letzten Drittel wirkt die Chose beinahe einschläfernd lahm, wenn da nicht diverse kleine Fluchtversuche stattfinden würden, welche jedoch stets von kurzer Dauer sind.
Im letzten Drittel nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt zu, sie überrennt den Betrachter allerdings auch mit unzähligen Logiklöchern und Unwahrscheinlichkeiten. Lorraine setzt grundlegend irrationale Prioritäten, indem sie genau das macht, was keine halbwegs logisch agierende Mutter und Frau in Gang setzen würde, wobei auch der Arm des Gesetzes in einigen Aspekten beinahe lachhaft in Szene gerückt wird. Bei alledem ist den kurzen Actioneinlagen nichts Negatives anzukreiden, doch die skurrilen Abläufe des Showdowns lassen durchaus bedenkliches Kopfschütteln seitens des Betrachters zu.
Auch wenn Maria Bello und ihr Pendant Stephen Dorff solide performen, - das uninspirierte Drehbuch bietet kaum Raum für interessante Charakterentwicklungen, noch kommt innerhalb der angedeuteten Konfrontationen Suspense auf, da man über weite Teile recht ereignislos auf den Straßen herumkurvt, ohne zündende Ideen oder gar Wendungen einzubringen.
Unausgegoren, ohne dramaturgische Spitzen ausgestattet und im letzten Drittel in allen Belangen über das Ziel hinausgeschossen, - so harmlos und gleichermaßen konstruiert hat man eine Entführung im eigenen Auto selten erlebt.
3,5 von 10