Nach eher kleineren Rollen wie dem persönlichen, aber aufgrund seiner Privatheit und Andersstellung auch recht ignorierten Drama Ocean Paradise (2010) und einem zwangsläufigen Auftritt im Propagandawerk The Founding of a Republic (2009) die diesjährige Rückkehr des chinesischen Superstars Jet Li auch auf die heimische Leinwand mit ebensolchen Produktionen. Dabei kann sich der gerade auch im Ausland attraktive Darsteller die Erwägung kommender Projekte natürlich seit längerem und auch in dem vergleichsweise hohen Alter von 48 Jahren ebenso aussuchen wie auch theoretisch Vielversprechendes aufgrund von Unlust oder anderweitiger Mängel absagen, fiel das momentane Augenmerk dabei allerdings auch eher unbefriedigende Flechtwerke in ornamentalen, aber bedeutungslosen Bahnen zu. Ende September der Start des Fantasy- und Fabelmärchens (mit voluminösen Katastrophensequenzen) The Sorcerer and the White Snake, gefolgt demnächst von Tsui Harks wuxia The Flying Swords of Dragon Gate Mitte Dezember. Großwerke und finanziell gleichzeitig sichere Bänke, deren eigentliche kinematographischen Potenzen allerdings weniger bei Regisseur und Darsteller, sondern vielmehr den Effektspezialisten und ihren erschaffenen Welten und absorbierten Bewegungen liegen:
Südchina in den Vorzeiten. Nachdem der Abt, "demon hunter and enforcer of Buddha's Law" Fahai [ Jet Li ] zusammen mit seinem Schüler Neng Ren [ Wen Zhang ] die "Ice Witch" [ Vivian Hsu ] besiegt hat, muss er sich prompt neuen Herausforderungen stellen. Unwissend von ihrer wahren Identität hat sich der angehende Mediziner Xu Xian [ nicht ohne Haarnetz: Raymond Lam ] in die ihm gegenüber in Menschengestalt auftretende Susu alias "Madame White Snake" [ Eva Huang ] verliebt, was von ihrer Schwester Qingqing alias "The Green Snake" [ Charlene Choi ] zwar zuerst nicht so gern gesehen, aber dann geduldet und schliesslich unterstützt wird. Als Fahai als dharma defender entschlossen gegen diese Verbindung von Mensch und Dämon eintritt und beide unabhängig voneinander von den Komplikationen warnt, befreit Xu mangels besseren Wissen und unbeabsichtigt alle bisher eingefangenen Bösen Geister aus der Lei Feng Pagode des örtlichen Jin Shan Tempels, und Susu entfesselt eine Überflutung biblischen Ausmaßes.
Die nunmehr dritte Kollaboration von Li als Schauspieler und Tony Ching Siu-tung als Regisseur nach Swordsman 2 (1992) und The Scripture with No Words (1996) folgt dabei im Grunde dem Motto der beiden ersten, wird nur diesmal noch mehr Wert auf die Umsetzung in luftigen Höhen und wehenden Winden und so bestimmten Zuständen als den materiellen Sachverhalten Aufmerksamkeit geschenkt. Li ist nunmehr sogar nur noch das finanzielle Zugpferd, der Anreiz von Publikums- und Rechtekäuferschar und als elder statesman auch der Grund für eine noch ernsthafte Rezeptionsästhetik dieser CGI Action. Eine Figur, die theoretisch durch einen anderen altehrwürdigen, so aber auch gesetzten Mann hätte ersetzt werden können, ohne dann aber das Potential von Marketing und Umsatz auch nur annähernd erreichen zu können. Immer noch die Hauptattraktion, aber die Beweise dafür längst nicht mehr schuldig, nicht willig und der physischen Präsenz dazu vielleicht (bzw. höchstwahrscheinlich) auch gar nicht mehr fähig.
Die Tragweite in der Geschichte übernehmen jedenfalls andere Leute, wobei sich die restliche Besetzung wie von vornherein vermutet nicht gerade mit Ruhm bekleckert, eine emotionale Tiefe oder wenigstens Empathie angesichts der dargestellten It's Love [ AT ] Erzählung und ihrer Ausschmückung eventuell aber auch schwer zu verkörpern ist. Präsentiert von Television Broadcasts Limited Serienstar Raymond Lam, dessen bisherigen Kinogänge getreu des fernseherprobten Publikums allesamt seichtestes Unterhaltungsallerlei mit Einschlafgarantie anbietet, und unterstützt von den ebenso substanzlosen Eva Huang und Charlene Choi wird ein gleichsam triviales Märchen um die ewige, gleichso auch verheerende Liebe entgegen jeder Konvention und Gesetzen erzählt. Tragisch ist das nicht, es sei denn, man wertet die phrasenhaft-leeren Dialoge, das achso Putzige in den animierten Tierszenen, das Unausgegorene und Künstliche des Big Budget Kommerzmonsters und die Allmacht der Sfx in der Inszenierung des einst es mal besser wissenden Ching als herzergreifend angesichts der bisherigen (eh nicht makellosen, aber immerhin stark und immer noch einflussreich beginnenden) Karriere auf.
Wenigstens, und das muss man der eigentlich aalglatt-oberflächlichen Bebilderung dieser 25 Mio USD fairy tale zwischen Kräuterbergen, Tempelanlagen, Drachenbootfestivalen und beschaulichen Seeplätzen dann durchaus noch zugutehalten, ist das gesamte koloristische und abstrakt morphologische Arrangement auf Bewegung und Spektakel in ihr akzentuiert. Hält man sich inhaltlich klein, in der Komposition dessen aber auf eine mögliche Tragfähigkeit hin als visuelle Glanztat und das auch noch im ersten Durchgang von knapp 100min bestückt. Die Szenerien von Dorf, Gebetsstube, Wohnhaus und umgrenzender Landschaft in Berg und See quantitativ recht beschränkt, in der Dekoration aber verschwenderisch, wenn auch teils vollkommen unterschiedlich zwischen wenig realer Natur und einem zeichentrickhaften Terrarium bzw. Aquarium gleich gehalten. Die Tricks aus dem PC, die das Wasser erbeben und die Umgebung fluten, Boote samt Personal durch die Luft schleudern, Häuser zusammenziehen, auseinanderreißen und einstürzen lassen, sind dabei mäßig ansprechend in Gesamtheit, wenn auch bedürftig im Detail verkörpert; die erst kindgerecht-niedliche und dann aufsässige Tierwelt (mit Sprech- und Cameorollen von u.a. Chapman To, Lam Suet, Miriam Yeung, Jiang Wu und Angela Tong) dafür schon wieder und das schon im Ansatz, in der Idee allein und überhaupt nicht.
Denn sowieso ist das Ergebnis ein recht zweischneidiges, mit allen möglichen passenden und unpassenden Gestalten, Mythen, Aussagen und anderen wild transformierten Situationen überzogenes Werk, irgendwo zwischen kindlich und plump, geistig, grausig, schwülstig und bombastisch.