Review

George A. Romero hätte seinerzeit sicherlich nicht vermutet, welche Welle er mit seiner „Nacht der lebenden Toten“ lostreten würde, denn seither gibt es kaum einen Begriff, der nicht vor „…the Living Dead“ gesetzt wurde.
Zwar folgen die meisten Zombiefilme nach wie vor dem üblichen Muster von wenigen Überlebenden in einer von Untoten dominierten Welt, doch im vorliegenden Fall vermag eine unerwartete Wendung einen besonderen Akzent zu setzen.

Im Mittelpunkt steht das Farmerpaar Robert (Chris Mulkey) und Molly (Karen Landry), welches mit finanziellen Problemen und dem Verlust eines Kindes zu kämpfen hat.
Als ihr Sohn Will von einem Fremden angefallen und gebissen wird, erschlägt Robert den Angreifer, der dennoch wieder aufsteht und erst mit einem Schuss aus dem Gewehr kaltzustellen ist. Fortan muss man sich im Haus verbarrikadieren, denn immer mehr Zombies versuchen in das Gebäude zu gelangen. Bis nach einigen Tagen die Vorräte knapp werden und Robert entschließt, in die Stadt zu fahren…

Es ist eine willkommene Alternative, es endlich mal nicht mit jungen Leuten aus dem Model-Katalog für 08/15-Gesichter zu tun zu haben, sondern mit einem Paar um die Mitte Fünfzig, vom Leben gezeichnet und ein schlichtes Dasein führend.
Die ersten Minuten werden effektiv genutzt, um das Paar mit wenigen Szenen auf den Punkt einzuführen, ihre finanziellen Probleme anzureißen und die Verzweiflung zu transportieren, die den nicht näher erläuterten Tod des Kindes und die wirtschaftlichen Probleme mit sich bringen. Nach knapp einer Viertelstunde geht es auch direkt zur Sache mit dem ersten Übergriff auf dem Hof und dem hastigen Rückzug ins Haus.

Fortan fühlt man sich ein wenig an die Situation von „Wenn der Wind weht“ erinnert, denn auch hier stand ein älteres Paar im Vordergrund, welches aufgrund einer apokalyptischen Situation von der Außenwelt isoliert und auf sich allein gestellt war.
Mit dem Unterschied, dass hier ein vor sich hin vegetierender Sohn im Zimmer nebenan eingesperrt ist, für den Fall, dass er noch aggressive Züge entwickeln sollte und ab und an Geräusche von draußen aufschrecken lassen, während Robert stets das Gewehr im Anschlag behält, über Funk Kontakt zu weiteren Überlebenden sucht und letztlich in die Stadt fahren muss, um Medizin, Nahrung und Batterien zu besorgen.

Im letzten Drittel schlägt das Geschehen schließlich zynische Töne an, spätestens als Robert mit einem abgetrennten Kopf spricht, welcher ein durchaus bewegliches Eigenleben führt.
Der nicht ganz finale Twist deutet sich kaum an und dürfte auch ebenso wenig erahnbar sein, zumal die Vorzeichen recht vage sind und die Inszenierung eindeutige Schwerpunkte setzt.
So korrigiert ein ausgiebiger Flashback noch einige Sachverhalte aus neuen Perspektiven, welcher insgesamt jedoch nicht notwendig gewesen wäre.
Dennoch gestaltet sich der Showdown spannend und kommt zu einem zufrieden stellenden Ausgang.

Die treffende Besetzung der durchweg überzeugenden Hauptdarsteller trägt ebenso zum Unterhaltungswert bei wie die wenigen Splattereffekte in Form von einem weggeschossenen Schädel, einem Messer in Kehle und Kopf und einer Reihe von Kopfschüssen.
Hinzu kommt eine variable, stets gut positionierte Kamera, ein solides Make-up der Zombies und ein ordentlicher, wenn auch zuweilen etwas zu pompös angelegter Score.

Abschließend lässt sich resümieren, dass „Collapse“ eine willkommene Abwechslung innerhalb des Genres darstellt, auch wenn die Handlung im Mittelteil mit einigen Durchhängern zu kämpfen hat, welche auf der simplen Ausgangssituation beruhen.
Eine positive Überraschung stellt die Pointe im letzten Drittel dar, aber auch die markanten Darsteller tragen einen nicht unerheblichen Teil zum Gelingen des Streifens bei.
Vielleicht nicht unbedingt Stoff für reine Actionfans des Genres, sondern eher für solche, die innerhalb dessen ein wenig Originalität suchen.
7 von 10

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