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Antoine Fuqua bringt "The Killer" nach Amerika und Chow Yun-Fat in aller Munde.


Bereits in den ersten zwei Minuten wird klar, zimperlich geht es hier nicht zu: In Zeitlupe fallen die Kugeln, Bösewichter werden blutig erschossen und der Killer, geht so kalt vor, wie er mystisch ist. Fuqua macht sehr viel richtig, er orientiert sich stark an den Vorbildern, die John Woo geliefert hat und lässt Chow Yun-Fat genau so, wie man ihn in Amerika kennt - bis dato nämlich noch überhaupt nicht. Genau dieses Mystische an Yun-Fats Charakter stellt einen gewissen Reiz dar, denn anstatt dem Zuschauer zu zeigen, was dieser Mann kann, wird direkt auf die Vorbilder verwiesen - Sollen die Amis doch danach John Woos Hong Kong-Filme schauen, denn nach diesem Film dürften sie zweifelsfrei auf den Geschmack gekommen sein. Die 08/15 Story wird durch ein nettes Starensemble aufgemöbelt: Jürgen Prochnow, Til Schweiger und Danny Trejo holen als Bösewichter einiges raus, während Michael Rooker als Bulldogen-Lookalike-Cop etwas nach Schema F spielt, dennoch sind sie alle nett anzusehen. Ob nun Til Schweigers Miniauftritt zu überzeugen weiß, lässt sich schwer sagen, da er unter akuter Textarmut leidet und lediglich blöd/böse aus der Wäsche guckt. Trotzdem witzig, einen deutschen Schauspieler erstmals in einer großen US-Produktion zu sehen. Mira Sorvino als Yun-Fats Sidekick geht in Ordnung, hätte aber auch sicherlich eine gute Figur in dem Film "Replacement Actors" gemacht, sie hätte man durch eine x-belibige Darstellerin austauschen können. Allerdings fällt es sicherlich schwer neben einem so charismatischem Darsteller wie Chow Yun-Fat zu bestehen, denn der steht hier im Vordergrund und sein erster Auftritt in den westlichen Kinos. Antoine Fuqua lässt ihn seine Paraderolle verkörpern: Mit Doppel-Berettas, coolem Aussehen und souveränem Auftreten springt und hechtet er durch die Gegend und schickt einen Bösewicht nach dem anderen über den Jordan. Yun-Fat ist einer der wenigen Action-Ikonen, der eine verletzliche aber auch harte Figur verkörpern kann, er ist ein lebendes Paradoxon, einer der stärksten Gesichter, die das Hong Kong-Kino zu bieten hat.

Die Inszenierung hält sich stark an Yun-Fats bisherige Streifen: Beidhändiges Benutzen von Handfeuerwaffen, blutige Schießereien, die einem Todesballett ähneln und einen Killer, der zwar kaltblütig tötet, dennoch so ehrenvoll und sauber rüberkommt, wie die aufsteigenden weißen Tauben aus John Woos Actionarien. Eben ein ästhetischer Actioncocktail!


Fazit:

Mit bekannten Zutaten zubereiteter Actionfilm, der einen fuliminanten Hollywood-Einstand für den guten Chow Yun-Fat bedeutete. 80 bleihaltige Minuten ohne viel Tiefgang aber mit ordentlich Krawumm und ansehnlicher Ballerei. Das Prochnow, Schweiger und Co fast hoffnungslos untergehen dürfte klar sein, denn dies ist eindeutig Yun-Fats One Man Show. Dennoch äußerst unterhaltsam. 

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